Wohnsituation in Asylbewerberunterkunft löst Konflikt aus
Gericht belässt es bei einer Geldstrafe

Lienen/Tecklenburg -

Vermutlich hat die Wohnsituation in der Asylbewerberunterkunft dazu beigetragen, dass es am 26. Januar 2020 zu einem Auseinandersetzung gekommen ist. Ein 26-Jähriger hat sich dafür vor dem Amtsgericht Tecklenburg verantworten müssen.

Sonntag, 02.05.2021, 17:54 Uhr aktualisiert: 02.05.2021, 18:00 Uhr
Das Amtsgericht Tecklenburg
Das Amtsgericht Tecklenburg Foto: Michael Baar

Gleich mit einer ganzen Reihe von Anklagen sah sich am Freitag ein junger Mann aus Guinea vor dem Amtsgericht Tecklenburg konfrontiert. Neben gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung warf die Staatsanwaltschaft dem 26-Jährigen auch den tätlichen Angriff auf Polizeibeamte vor. Allein dafür drohte dem in Lienen wohnenden Asylbewerber eine Freiheitsstrafe zwischen drei Monaten und fünf Jahren.

In der Nacht zum 26. Januar 2020 soll der Angeklagte in betrunkenem Zustand zunächst einen Mitbewohner mit einer Flasche angegriffen und verletzt haben. Im Verlauf der folgenden Auseinandersetzung gingen ein Computer samt Monitor und eine Backofentür zu Bruch. Der Geschädigte erlitt eine Verletzung an der Hand.

Die Polizei fand bei ihrem Eintreffen ein stark verwüstetes Wohnzimmer vor. „Überall Scherben, Flaschen und Blut“, beschrieben die Beamten in der Vernehmung ihre eindrücke. Der Angeklagte wurde zur eigenen Sicherheit und zur Ausnüchterung auf die Polizeiwache in Rheine gebracht.

Der 26-Jährige verstrickte sich bei seiner Aussage immer wieder in Widersprüche. Auch konnte er nicht plausibel erklären, wie es zu dem Ausraster gekommen war. Die Vernehmung gestaltete sich schwierig, da trotz der Unterstützung durch einen Dolmetscher vieles im Unklaren blieb. So reklamierten sowohl der Angeklagte als auch der Geschädigte für sich, die Polizei gerufen zu haben. Ob sich der Angeklagte zum Beispiel seine Schnitt-Verletzungen selbst nachträglich zugefügt hat, wie der Zeuge behauptet, war nicht mehr zu klären. Auch nicht, ob es sich bei der Waffe um eine Wodka– oder eine Bierflasche handelte, ob er sie geworfen oder mit ihr geschlagen hat, blieb im Dunkeln.

Als Auslöser für die offensichtlich seit Monaten angespannte Situation zwischen den beiden Männer darf die Wohnsituation in der Asylbewerberunterkunft gesehen werden. Das sagten beide übereinstimmend aus. Der Geschädigte musste, um in sein Zimmer zu gelangen, jedes Mal durch den Wohnraum des Angeklagten gehen – dieser hatte die mangelnde Privatsphäre mehrfach bei der Gemeinde angemahnt.

Mit der Verbringung des Angeklagten auf die Wache war die Geschichte nicht beendet. Schon auf der Fahrt nach Rheine habe der Mann im Streifenwagen weiter randaliert, so eine Beamtin. Auf der Wache waren dann bis zu sechs Beamte notwendig, um den Mann zu beruhigen. Er verweigerte – ob wegen seines Alkoholpegels oder auf Grund von Kommunikationsproblemen – die Zusammenarbeit.

So mussten die Beamten letztendlich den Mann in einer Zelle an Händen und Füßen fixieren. „Zu seiner eigenen Sicherheit und damit er sich nicht weiterverletzt“, erklärte die Dienststellen-Leiterin vor Gericht. „Wie einen Hund haben sie mich gefesselt“, so die Erinnerungen des Angeklagten. Dass der Mann sich im Lauf der Gewahrsamnahme heftig gewehrt habe, konnten die Polizisten zwar bestätigen, dass er sie gezielt angegriffen habe, verneinten sie allerdings. Ein hinzugezogener Arzt habe die Verletzung behandelt und als nicht gravierend eingestuft.

Den Vorwurf des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte ließ die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer fallen und beschränkte sich darauf, für die Sachbeschädigung und die gefährliche Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten zu fordern. Das Gericht fällte dann ein milderes Urteil, obwohl es die Auseinandersetzung mit den Beamten nicht ungestraft ließ. Es verurteilte den Mann wegen gefährlicher Körperverletzung in einem minderschweren Fall, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Sachbeschädigung zu einer Gesamt-Geldstrafe von 4200 Euro.

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