Lotte
1458 Unterschriften gegen Koch

Dienstag, 11.09.2007, 17:09 Uhr

Lotte . Recht angespannt war die Atmosphäre, als die Bürgerinitiative gegen die Ansiedlung der Spedition Koch-International in Lotte und Atter am Montagabend Bürgermeister Rainer Lammers 1458 Unterschriften für ihr Anliegen überreichte. Eine gute Stunde später hatten sich auf beiden Seiten – trotz fortbestehender Meinungsunterschiede – Ton und Gesichter deutlich entspannt.

Gleich zu Beginn erklärte Lammers den zehn Vertretern der Initiative mit dem Atteraner Ralf Diekmann an der Spitze, dass er ihr zentrales Anliegen nicht erfüllen könne. Diekmann hatte ihn gebeten, den Grundsatzbeschluss des Rates für die Ansiedlung zurückzuziehen, da dessen Voraussetzung nicht erfüllt sei: Kochs Besitz aller notwendigen Grundstücke.

Lammers erläuterte den Besuchern, dass nur der Rat selbst den Beschluss aufheben könne, aber auch dafür derzeit kein Grund bestehe, da sich Firmenchef Heiner Koch noch in Gesprächen mit Grundeigentümern befinde. Erwin Schulte und Jürgen Kurrelmeyer erklärten daraufhin, dass sie und vier weitere Eigentümer definitiv nicht verkaufen würden. Das sollten Koch und die beiden beteiligten Kommunen endlich zur Kenntnis nehmen.

Als Lammers sich aus wirtschaftlichen Gründen auch noch zu seiner Position pro Koch bekannte und die von Diekmann gewünschte Diskussion über strittige Punkte der Umweltstudie verweigerte, schien das Tischtuch endgültig zerschnitten. So warf der Wersener Robert Just dem Bürgermeister vor, die 1458 Unterschriften und damit den demokratisch geäußerten Willen der Bürger nicht ernst zu nehmen.

Dem widersprach der Bürgermeister entschieden: „Ich nehme das sehr ernst, und ich versichere Ihnen, dass die Gemeinde Lotte keinerlei Planungen starten wird, bevor Herr Koch die Grundstücke im Besitz hat. Wenn er das nicht schafft, hat sich das ganze ohnehin erledigt.“

„Das ist ein Wort“, reagierte Jürgen Lamping, Eigentümer einer betroffenen Fläche in Atter. Er beklagte die Verhandlungspraxis von Seiten Kochs. So sei plötzlich sein Plan eines 32 Meter hohen Hochregallagers aufgetaucht und nach der Absage von fünf Grundeigentümern vor gut zehn Wochen die Idee, erstmal auf einer kleineren Fläche als den ursprünglich vorgesehenen 23 Hektar mit einer komprimierten Planung Fakten zu schaffen. Das Vorgehen Kochs sei unredlich.

Grundsätzlich sagte Lammers dazu, dass die Grundstücksverhandlungen alleine Kochs Sache seien und er sich da nicht einzumischen habe. Doch habe er auch von dem Hochregallager gehört und Koch dazu befragt. Der habe ihm versichert, dass das Unfug sei. Er wolle sich an die nebenan bei Wessels & Müller vorgegebene Höhe von 15 Metern halten. Im Übrigen, so Lammers, hätten die Gemeinde Lotte und die Stadt Osnabrück die Planungshoheit über die grenzübergreifende Fläche. Gegen ihren Willen könne dort gar nichts gebaut werden.

Mittlerweile im Plauderton, gelang es Ralf Diekmann und dem Atteraner Grundeigentümer Jens Unkenholt, doch noch den ein oder anderen Kritikpunkt zu Aussagen der Umweltstudie anzubringen. Lammers begrüßte ihr Engagement, äußerte Verständnis, blieb aber dabei, dass er keinen Sinn darin sehe, die Gutachten von Fachinstituten in Frage zu stellen. Auf die Frage Unkenholts, was er tun würde, wenn man ihm solch eine Spedition vor die Nase setzen würde, sagte Lammers etwas unsicher: „Dann müsste ich mich wohl damit abfinden.“

Ausdrückliches Lob erfuhr Lottes Bürgermeister für die Bereitschaft, die Bürgerinitiative zu empfangen und so ausführlich mit ihr zu diskutieren. Die gleiche Anfrage an Osnabrücks Bürgermeister Boris Pistorius habe bislang zu nichts geführt.

Unterdessen hat Firmenchef Heiner Koch Gerüchte entschieden dementiert, dass er sich wegen der Ablehnung von Grundeigentümern von dem Projekt in Lotte und Atter zurückziehe. Im Gegenteil: Er befinde sich dieser Tage erneut in Gesprächen mit Eigentümern. Er spüre da auch weiterhin Verhandlungsbereitschaft. Die einzige Fläche die er bisher definitiv verloren gebe, stelle „kein K.O.-Argument für unsere Planung“ dar.

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