Lotte
Bioabfälle: Wilde Kippen nehmen zu

Donnerstag, 29.12.2011, 07:12 Uhr

Lotte. Obwohl der Spätsommerabend April-Charakter hat, sind Spaziergänger auf dem Wanderweg zwischen Wersen und Mühle Bohle unterwegs. Doch eine Reihe wilder Biomüllkippen verargen ihnen die Mußestunde. Für Augen und Nase sind die Haufen eine Zumutung. „Für die Natur hier erst recht“, sagt Lottes Umweltbeauftragte Kornelia Lauxtermann genervt.

Was Anlieger und Passanten der Gemeindeverwaltung empört von den Straßen „Gänsehügel“ und „Zur Kupfermühle“ melden, ist kein Einzelfall. In allen Ortschaften finden sich inzwischen nach Lauxtermanns Eindrücken nahe der Wohnbebauung wilde Biomüllkippen. Tendenz: steigend.

„Ohne jedes Unrechtsbewusstsein fahren die Leute mit der Schubkarre oder ihrem Pkw vor und werfen ihre Gartenabfälle in die Landschaft“, schildert sie ihre Erfahrungen. Dabei stellt das illegale Ablagern von entsorgungspflichtigen Abfällen zumindest eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden kann.

Und entsorgungspflichtig ist nicht nur das, was in die Restmülltonne kommt, sondern auch Bioabfall. „Viele meinen, das ist doch natürlich und schadet deshalb nicht“, weiß Lauxtermann. Das sei aber falsch. Werden, wie am Gänsehügel, massiv Rasenschnitt und andere Gartenabfälle im Wald abgelegt, so verändere das den pH-Wert der Böden. Selbst den Eichenbestand dort könne das ernsthaft gefährden.

Die Umweltbeauftragte hat festgestellt, dass selbst Menschen, die das wissen, inzwischen, weil sie ratlos sind, wie man den Umweltfrevel stoppen kann, aufgegeben haben, dagegen zu kämpfen. Um so mehr hat sie sich über die Initiative des Umweltausschussvorsitzenden Thomas Baumann gefreut. Alarmiert in der Bürgersprechstunde der CDU, nahm er gemeinsam mit seinem Ratsfraktionschef Reinhold Hinrichs das Thema auf, um es an die große Glocke zu hängen.

„Neben dem ökologischen Schaden ärgert mich auch, dass einige Bürger, um selbst ein paar Euro Müllgebühr zu sparen, die Allgemeinheit mit vergleichsweise hohen Kosten belasten“, sagt Baumann. Tatsächlich will Kornelia Lauxtermann den gesamten Abschnitt zwischen Gänsehügel und Mühle Bohle vom Bauhof entrümpeln lassen. Für die Entsorgung des Mülls rechnet sie 2500 Euro plus Mehrwertsteuer. Den Betrag muss sie aus dem Topf der Müllgebühren nehmen, die alle Bürger zahlen. Anschließend will die Gemeinde Schilder aufstellen, um Wiederholungen zu verhindern.

Während Lauxtermann vor Ort die Abfallhaufen inspiziert, kommt Mühlenbesitzerin Renate Schwentker dazu. Sie ist besonders verärgert über die Verschmutzung der Idylle. Aber sie hat auch Positives zu berichten: „Ich habe gesehen, dass ein Rentner hier vom Gänsehügel mit der Schubkarre Müll abgefahren hat.“ Dass inzwischen fast nur noch Biomüll dort liegt, sei vor allem ihm zu verdanken. Denn er habe gezielt andere Abfälle herausgeholt.

Das freut und motiviert auch die Umweltbeauftragte und die beiden Ratsherren.

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