Lotte
Das Land von innen erlebt

Dienstag, 18.09.2007, 15:09 Uhr

Lotte . Wenn einer eine Reise tut, dann kann er Eindrücke fürs Leben gewinnen – so auch Anneke Engel aus Lotte: „Das war eine ganz andere Welt“, fasst die Schülerin des Graf-Adolf-Gymnasiums (GAG) ihre Erfahrungen zusammen, die sie beim neunwöchigen Aufenthalt in Namibia sammelte. Ermöglicht hat den Schüleraustausch der Verein für deutsche Kulturbeziehungen im Ausland ( VDA ).

„Anfangs war ich von der Idee gar nicht begeistert“, gesteht Mutter Anja Engel , Standesbeamtin in Lotte. Musste es unbedingt Afrika sein? – Das musste es wohl, jedenfalls blieb Anneke unbeeindruckt. Annette Salomo, Mitglied im Namibia-Komitee des Kirchenkreises Tecklenburg, gelang es, die Eltern zu beruhigen.

Sie zerstreute als Ortskundige die Bedenken glaubhaft und verwies auf die Anteile deutscher Kultur und Sprache. Auch GAG-Lehrer Reinhard Nienhüser half, Annekes Eltern zu überzeugen.

„Als wir ankamen, landeten wir mitten in der Savanne“, erzählt Anneke mit leuchtenden Augen. Am Anfang habe sie zwar etwas Heimweh gehabt, denn alles sei „so unglaublich anders“, gesteht die 16-jährige Schülerin. Aber die Schönheit der Landschaft half ihr darüber hinweg: „Auf einer Seite ging der Mond vor rotem Kalahari-Sand auf und auf der anderen die Sonne unter – ich wusste gar nicht, was ich zuerst fotografieren sollte.“

Die Menschen seien sehr herzlich gewesen, der derbe Umgangston allerdings gewöhnungsbedürftig, berichtet Anneke. Auch von den riesigen Entfernungen war sie überwältigt. Die Notwendigkeit zur Mobilität brachte Anneke auch Vorteile: Sie lernte innerhalb kürzester Zeit Auto fahren und durfte im „Microlighter“, einer Art Ultraleichtflieger, mitfliegen.

Gewohnt hat Anneke in Windhoek bei der deutschstämmigen Familie von Arno und Helene Schnabel. Die deutsche Kolonialzeit sei im früheren „Deutsch-Südwestafrika“ allgegenwärtig. Anneke empfand es allerdings als höchst seltsam, als sich ein Schwarzafrikaner mit „Ich bin Fritz“ vorstellte.

Wie alle Namibier arbeitete ihre Gastfamilie im Grunde immer: Nach der Arbeitswoche in der Stadt fuhr Anneke am Wochenende mit ihnen zwei Stunden lang durch die Savanne – zum „Friesenland“ am Rande der Kalahari-Wüste.

Auf der Farm herrschte noch der subtropische Winter: „Bisweilen war es morgens bitter kalt, das Wasser in den Viehtränken zu Eis gefroren“, erzählt Anneke, die mit den drei Töchtern der Familie Rinder und Schafe versorgte. Darüber hinaus gibt es noch Oryx-Antilopen und Springböcke. Aus dem Fleisch stellte sie mit den anderen Trockenwürste und Biltong, das beliebte Trockenfleisch, her.

In Namibia werde nämlich unglaublich viel Fleisch gegessen, berichtet sie. „Fast täglich wird gegrillt und zwischendurch Biltong wie Chips geknabbert“, erzählt sie amüsiert. Über ihre persönliche Speisekarte weiß sie, dass sie „meistens Oryx-Antilope gegessen“ habe. Manchmal gab es dazu Squashies, ein grünes, rundes Gemüse, dessen Fruchtkörper nach dem Garen ausgelöffelt wird. Mit dieser Kost hat sich Anneke auch ein paar gesunde Kilo mit heim gebracht, aber das sei Mitschülern auch so gegangen, erzählt sie fröhlich.

Über die Mentalität der Namibier sagt sie: „Sie sind einfach entspannter als wir Europäer.“

Obwohl die Menschen so viel arbeiteten, komme dort nie Hektik auf. So heißt eine namibische Weisheit: „Europa hat die Uhr, Afrika hat die Zeit.“ Anfangs sei ihr das schon auf die Nerven gegangen, weil es die Leute mit der Pünktlichkeit nicht so genau nähmen.

Sie ist froh, dass sie in einer Gastfamilie wohnen und so das Land „von innen“ erleben durfte. Allerdings musste sie auch lernen, mit Rassismus umzugehen: „Wenn ich nicht in der Schule gewesen wäre, hätte ich vermutlich gar keinen Kontakt zur schwarzen Bevölkerung gehabt“, stellt sie nüchtern fest.

Wieder zuhause empfingen ihre Freunde sie mit großem Hallo und Willkommensplakat. Im November erwartet Anneke nun ihre Austauschschülerin aus Namibia. Und für sie selbst steht fest: „Afrika sieht mich wieder!“

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