Lotte
„Ehrenamt ist eine schöne Sache“

Sonntag, 16.09.2007, 16:09 Uhr

Wersen . Das Hohelied auf Ehrenamt und Tradition hat der Heimatverein Wersen bei seiner Jahresversammlung am Freitagabend in der Gaststätte Duwendag-Wessel gesungen.

Just zu Beginn der „Woche des Bürgerschaftlichen Engagements“. Rund 70 Mitglieder waren der Einladung zum traditionellen Heringsessen mit Pellkartoffeln und Stippe gefolgt.

Das deftige Gericht armer Leute ist bei den Heimatfreunden ausgesprochen beliebt: Pellkartoffelfan Rudolf Kamlage, früher Bäcker im Ort, hat nach eigenen Angaben „derbe Hering gegessen“. Da drängte sich der Verdacht auf, dass die gut gefüllten Reihen eventuell weniger der Hauptversammlung als vielmehr den feinsäuerlichen Fischen anzurechnen waren, die der Küche einen gesonderten Applaus bescherten.

Vorsitzender Werner Beiderwellen moderierte im offiziellen Teil mit Wahlen den Abend. Dabei wurden fast alle Vorstandsmitglieder in ihren Ämtern bestätigt, wie auch die Beiräte. Für Ruth Schneebeck allerdings musste Ersatz gefunden werden: Nach fast 20 Jahren sei es nun wirklich genug, sagte die forsche 80-Jährige, die exakt seit 1988 dem Vorstand angehört. „Ruth möchte endlich Ruhe haben vor so viel Männern“, sorgte Beiderwellen launig für Gelächter.

Vereinsmitglied ist Ruth Schneebeck bereits seit den 50er Jahren. „Damals bin ich eingetreten, weil mein Mann hier Mitglied war“, gab sie zu. Im Laufe der Jahre hatte sich die Lehrerin immer mehr engagiert. „Dabei lag mir die plattdeutsche Sprache besonders am Herzen“, betonte die gebürtige Ruhrgebietlerin, die bei den Schwiegereltern in Halen das hiesige Platt erstmal lernen musste.

Grundsätzlich sei ein Ehrenamt eine schöne Sache, sagte Ruth Schneebeck. Man hänge daran und komme viel unter Menschen. Sie habe es jedenfalls genossen, die Dinge mit zu lenken. „Irgendwann ist es aber auch genug“, möchte sie künftig nur noch als Beirätin mitwirken und wird die von ihr gegründete Spinngruppe weiter begleiten. Der Heimatverein bedankte sich bei ihr mit Blumen und einem plattdeutschen Buch. Auf Vorschlag von Beiderwellen wurde sie zum Ehrenmitglied ernannt.

Auch, wenn Ruth Schneebeck keinen offiziellen Posten mehr bekleidet, wird von ihr sicher weiter zu hören sein. Als jedenfalls das Weggenessen wegen rückläufiger Nachfrage ganz in Frage gestellt wurde, mischte sie sich resolut ein: Man sei hier zur Pflege alter Traditionen vereint, nicht um sie abzuschaffen. Mit diesem Einwurf rüttelte sie den Verein auf und rettete so sein Weggenessen.

Nachfolgerin der resoluten Dame ist Margret Echelmeyer, die sich bereits seit geraumer Zeit um die plattdeutsche Theatergruppe kümmert und nun auch die Leitung des Klönabends übernimmt. Für die neuen Aufgaben wünschte ihr der Verein gutes Gelingen, ihre Wahl erfolgte einstimmig.

Schließlich sprach Werner Beiderwellen Bürgermeister Rainer Lammers den Dank seines Vereins aus. Die Gemeinde Lotte hatte Nistkästen in öffentlichen Anlagen aufhängen lassen sowie Mühlentag, Lehrpfad und Müllsammelaktion unterstützt. „Wir freuen uns über das Engagement der Bürger und möchten die kulturhistorische Arbeit des Vereins fördern“, gab Lammers den Dank zurück.

Eindringlich riefen die Spartenleiter ihre Mitglieder zu verstärkter Teilnahme auf. Eine Stunde Mithilfe würde schon ausreichen, damit Aktionen wie beim Mühlentag machbar blieben.

Eine Anregung von Annerose Gregor, die Treffen zukünftig mit Volksliedern zu bereichern, wurde nach dem letzten Tagesordnungspunkt gleich in die Tat umgesetzt: Mit „Kein schöner Land“ beschlossen die Heimatpfleger ihren Abend – ein Hohelied auf die Tradition eben.

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