Lotte
Jungbrunnen Ehrenamt

Dienstag, 18.09.2007, 20:09 Uhr

Lotte. Dass sie alle die 70 überschritten haben, glaubt man ihnen noch. Dass sie zum Teil stramm auf die 90 zugehen, sieht man den rüstigen Damen beim besten Willen nicht an: Zweimal in der Woche treffen sie sich in der Elly-Heuss-Tagesstätte zum „Mensch-ärgere- Dich-nicht“-Wettstreit.

„Eine gute Gelegenheit, mal wieder herzhaft zu lachen und das aktuelle Dorfgeschehen auszutauschen“, finden die sechs. Zimperlich sind die Spielerinnen dabei nicht: „Wer nicht aufpasst, der fliegt“, bringt Elfriede Hoffmann die Spielstrategie auf den Punkt. Im Grunde ihres Herzens ist sie aber alles andere als mitleidslos.

Auch wenn sie das nicht hören mag: Elfriede Hoffmann gehört zu jenen, die mit der „Woche des Bürgerschaftlichen Engagements“ gewürdigt werden sollen.

Seit mehr als 40 Jahren engagiert sie sich schon bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO). „Sie ist unsere gute Seele“, bestätigt Renate Woda , Vorsitzende der AWO in Wersen . „Ganz egal worum es geht, sie steht immer ihre Frau.“

Alle am Spieltisch haben bereits bei der AWO mitgearbeitet: „Und wir tun es nach wie vor gern, wenn es zu Engpässen kommt, bestätigt Erika Steinbrecher. Aber typisch: keine will sich mit ihrem Engagement hervortun, im Gegenteil: Lieber wirken sie still im Hintergrund.

Früher hätten sie im Keller der alten Gastwirtschaft Loose den Kaffee gekocht, berichtet Marta Thiel, die selbst 38 Jahre lang bei der AWO bedient hat.

Damals hielten sie ihre Treffen in Wersen oder Hollage ab. „Die Arbeit hat immer Spaß gemacht, wir fanden es einfach schön, dass hier ältere zusammen kommen können und halfen gern“, sind sich die sechs einig. Seit 1974 ist die Elly-Heuss-Tagesstätte zentraler Treffpunkt der AWO-Mitglieder: Hier finden Veranstaltungen statt, die Skat-Runde trifft sich hier, die Theatergruppe, die A-cappella-Gruppe. Die Gymnastik- und die Tanzgruppe leitet nach wie vor von Elfriede Hoffmann.

„Sie ist ein echtes Stehaufmännchen“ sagt Woda über die Aktive. Das zeigt sich auch heute wieder: Beim Einschenken des Kaffees muss sich Elfriede Hoffmann konzentrieren, denn die rechte Hand ist nach einem Sturz noch nicht wieder voll belastbar. „Die Hand muss sich eben wieder daran gewöhnen“, kommentiert sie die Beeinträchtigung knapp.

Renate Woda hofft sehr, dass ihr die Mithilfe der bald 85-Jährigen noch lange erhalten bleibt: „Sie kann toll auf Menschen zugehen und ist immer guter Dinge. Ich möchte nicht auf sie verzichten.“ Ohne Ehrenamt wäre die Arbeit der AWO auf Ortsebene gar nicht denkbar, erklärt sie und weiß, wovon sie spricht, denn auch ihre Arbeit bleibt unvergütet. Selbst die Kreisverbände arbeiteten unentgeltlich, weiß sie.

In der Elly-Heuss-Tagesstätte ist es mittlerweile Viertel nach drei geworden. „Wir können hier noch manchen rausschmeißen“, stellt Elfriede zufrieden fest, krempelt ihre Ärmel hoch und beginnt zu Würfeln. Ihre Mitspielerinnen haben heute trotzdem noch viel zu lachen – und kein Mensch ärgert sich.

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