Lotte
Müll macht Anlieger wütend

Freitag, 14.09.2007, 18:09 Uhr

Wersen . Seit Jahren immer der gleiche Ärger in Wersen: Vorgärten und Bürgersteige als Mülldeponien.

Das ist am Alten Mühlenweg , an Westerkappelner, Poststraße und Auf der Lage so – Pizzakartons, Flaschen, zerplatzte Tetrapaks, Chipstüten, Zigarettenkippen und Brötchentüten liegen hier en masse herum. Hinweis auf die Verursacher geben die Ferien, wenn die Tatorte plötzlich wie leergefegt sind.

Nach letztlich vergeblichen Beschwerden bei der Gemeinde und der Gemeinschaftshauptschule (GHS) wenden sich Anlieger jetzt an die Öffentlichkeit.

Ein Anwohner des Alten Mühlenwegs berichtet, dass besonders im Frühjahr viel Müll bei ihm anfiel, und seit zehn Tagen erneut. „Freitags habe ich hin und wieder beobachtet, dass Schüler unter Aufsicht der Lehrer den Müll aufgesammelt haben.“

Nachbarin Claudia Schröder ergänzt, dass sie mehrfach Schüler aufgefordert habe, den Müll mitzunehmen. Aber die Jugendlichen hätten negativ reagiert: „Ist doch nicht von mir.“ Sie führt das auf Bequemlichkeit zurück.

Ursula Greiwe aus der Poststraße sammelt ein-, zweimal am Tag Verpackungen in ihrem Garten ein. „Die Schüler lassen sich nichts sagen“, beklagt sie. Sie schlägt mehr Müllsammelaktionen in den Schulpausen vor und sieht Elternhaus und Schule in der Pflicht, die Kinder vom Müllverteilen abzuhalten.

Ein Ehepaar an der Westerkappelner Straße , das namentlich nicht genannt werden will, beobachtet seit Jahren, dass montags bis freitags ab 14 Uhr Flaschen und Brötchentüten vor seinem Haus entsorgt werden. Besonders beklagen die Eheleute die Aggressivität mancher Schüler bei freundlicher Aufforderung, den Müll aufzuheben. Sie schlagen vor, die Schüler während der Unterrichtszeit auf dem Schulgelände zu halten.

Gleiche Szene „Auf der Lage“: Dort sind hin und wieder auch angebissene Koteletts zu finden. Auf die Frage, warum die Schüler nicht in der Schule essen, antworten sie: „Das Schulessen ist zu teuer, 2,50 Euro.“ Eine Tüte Kartoffelchips sei billiger und sättige auch.

Die Angaben der Anlieger finden Bestätigung: Gruppen von Schülern ziehen mittags über die Westerkappelner Straße. Eine zusammengeknüllte Brötchentüte landet auf dem Bürgersteig. Ihr Besitzer ist überrascht, als er gefragt wird, warum er die Tüte weggeschmissen habe. Antwort: „Weil ich die nicht brauche und weil es eklig ist, Müll in der Hand zu halten.“

Ein Freund ergänzt, dass sie Ältere aus der 10. Klasse „anmachen“ würden: „Das ist doch dumm, dass ihr mit Müll rumlauft.“ Theresa und Nicole finden es eher dumm, Müll in die Gegend zu werfen. Sie schlagen vor, mehr Papierkörbe an den Straßen aufzustellen und in der Schule mehr darüber zu sprechen. Allerdings: an Poststraße und Altem Mühlenweg werden vorhandene Mülltonnen kaum genutzt.

Annette Ohlig , seit einem Jahr Leiterin der GHS an zwei Standorten, kennt das Problem. Immer wieder seien Natur- und Umweltschutz Thema im Unterricht, sagt sie. Allerdings seien viele Erwachsene kein Vorbild. Der Müll an Autobahnabfahrten und in den Wäldern werde wohl eher von Erwachsenen verursacht. „Wir haben hier ein langfristiges Problem, das durch Müllsammelaktionen allein nicht zu beheben ist“, sagt sie. Zudem treffe es oft die Falschen. Die sollen dann den Müll ihrer Mitschüler aufsammeln.

„Ich werde keine Deutschstunde für solche Aktionen nutzen, denn mit ihnen kann ich die Grundhaltung nicht ändern“, meint Annette Ohlig. Lehrer hätten einen Lehrauftrag und nicht die Aufgabe, Müll zu entsorgen. An der notwendigen Erziehung wirke sie gerne mit, aber mit Herumbrüllen sei nichts zu erreichen.

In der Schule nehmen, wie Ohlig berichtet, alle Schüler an der Vorreinigung ihrer Klassenräume teil: Müll entsorgen, aufräumen und fegen, bevor Reinigungskräfte ihre Arbeit aufnehmen. So soll Verantwortung geweckt werden. Die Schulleiterin appelliert immer wieder an ihre Schüler: „Ihr werft mit eurem Benehmen ein schlechtes Licht auf euch selber und auf eure Schule.“

Ohlig hofft, dass es den Erziehungsprozess erleichtert, wenn Ende November die neue Mensa fertig gestellt ist und die Schüler sich in der Schule wohler fühlen. Derzeit verlassen sie lieber das Schulgelände, weil die Bauarbeiten Lärm und Dreck verursachen und ihnen wenig Platz zum Verweilen auf dem Schulhof belässt.

Annette Ohlig appelliert an die Eltern, „mit der Schule an einem Strang zu ziehen“. Auch das Elternhaus habe große Verantwortungin Bezug auf das Umweltbewusstsein. Eine Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule sei unerlässlich.

Die Anlieger bittet die Schulleiterin, sie „immer wieder über Missstände zu informieren“ und Namen der Umweltsünder an sie weiterzugeben, was aber „selbstverständlich“ vertraulich behandelt würde.

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