Lotte
Saison hat begonnen: Pilze auf dem Vormarsch

Mittwoch, 05.09.2007, 18:09 Uhr

Lotte/Tecklenburger
Land. Entgegen der landläufigen Annahme , dass Pilze erst im Oktober sprießen, sind bereits jetzt stattliche Exemplare in Wäldern und Wiesen der Gemeinde anzutreffen. Allerdings muss der Sammler schneller sein als die Armee der Schnecken, die Pilze ebenfalls mit Genuss verzehrt. Und Vorsicht: beim kleinsten Zweifel über die Art – lieber Finger weg!

„Die Saison startet jetzt langsam“, sagt Siegmar Birken , Pilzexperte der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL). „Regen, Tau und Nebel halten das empfindliche Pilzmyzel feucht.“ Gemeint ist das unterirdische Wurzelgeflecht, das die Fruchtkörper mit Wasser und Nährstoffen versorgt.

Das feuchte Wetter der vergangenen Tage hat gute Vorraussetzungen geschaffen und die ersten Schwammerl bedecken inzwischen den Waldboden, wobei die beliebten Röhrlinge noch in der Minderheit sind. Mit etwas Glück reicht die Ausbeute an essbaren Pilzen dennoch bereits als Beilage für eine Portion Rührei.

Voraussetzung für ungetrübten Pilzgenuss ist jedoch eine sichere Artenkenntnis. Im Falle eines Irrtums kommt der Sammler nämlich schneller zu einer Magenverstimmung, als ihm lieb ist. Dabei ist ein aktuelles Bestimmungsbuch zwar hilfreich, eine zweifelsfreie Bestimmung anhand von Abbildungen aber selten möglich. „Wenn man sich nicht hundertprozentig sicher ist, besser nicht mitnehmen“, rät die Lotter Umweltbeauftragte Kornelia Lauxtermann .

Auch aus Umweltgründen plädiert sie dafür, unsichere Kandidaten stehen zu lassen. Schließlich sind viele Pilze Partner bestimmter Baumarten und dienen trotz ihrer Gifte als Tierfutter. Aus Schneckenfraß kann also nicht geschlossen werden, dass ein Pilz ungiftig ist. Im Gegenteil: Schnecken und Wildschweine sind gegen manches Pilzgift völlig unempfindlich. Lebensgefährlich sind zwar nur wenige Arten, aber die haben es dafür in sich: Gerade der tödlich giftige Knollenblätterpilz wird häufig mit dem beliebten Champignon verwechselt.

Mit fatalen Folgen, wie Professor Bernhard Högemann vom Osnabrücker Klinikum weiß, denn die Gefahr bleibt am Tag des Verzehrs meistens unbemerkt. Wenn Übelkeit und Erbrechen dann nach zwöl bis 24 Stunden die Vergiftung anzeigen, ist es bereits zu spät: Das Pilzgift ist schon im ganzen Körper verteilt. „Dabei kann die Leber so stark geschädigt werden, dass eine Transplantation notwendig wird“, berichtet Högemann.

Ebenso übel können Pantherpilze ihrem Verzehrer mitspielen. Aus diesem Grund rät Birken davon ab, seinen Doppelgänger, den Perlpilz, zu sammeln: „Die Verwechslungsgefahr ist einfach zu groß.“ Auch der auffällige Riesenschirmling ist durchaus zu verwechseln. „Jeder essbare Pilz hat seinen giftigen Doppelgänger“, sagt Birken.

Aber auch manch ungiftige Art kann einem das Pilzvergnügen so richtig vergällen: Der Gallenröhrling sieht dem Steinpilz nämlich täuschend ähnlich, und nur ein einziges Exemplar macht die abendliche Pilzpfanne zur bitteren Erfahrung.

Selbst essbare Exemplare können gefährlich werden, wenn sie zu alt sind, Nachtfrost ausgesetzt waren oder falsch transportiert wurden. „Bei alternden Pilzen zersetzt sich das Eiweiß“, erläutert Birken. Beim Verzehr solcher Pilze kann es zur Lebensmittelvergiftung kommen.

In Sachen Transport sind sich Pilzsammler deshalb einig: Die gesammelten Köpfchen nur in einem luftigen Korb transportieren.

Bleibt noch die Frage der Erntetechnik: Pilz abschneiden oder heraus drehen? Da scheiden sich die Geister, und die Experten streiten sich. „Den Pilzen bekommt das Abschneiden in jedem Fall besser“, argumentiert Lauxtermann, „da dabei das empfindliche Myzel nicht verletzt wird.“ Bei einigen Arten sei das Herausdrehen des Stiels jedoch sinnvoll, räumt die Hobbysammlerin ein, denn der Pilzfuß ist häufig ein markantes Unterscheidungsmerkmal.

Im Einzugsbereich von Lotte gibt es derzeit keinen offiziellen Pilzexperten. „Pilze sammeln ist Privatsache, dafür kann die Gemeinde Lotte keine Pilzberatungsstelle einrichten“, erläutert Lauxtermann. Früher konnte der Apotheker Rat geben, weiß die Umweltbeauftragte, aber die Zeiten sind vorbei.

Die Konsequenz für den Hobby-Sammler: üben, üben, üben! Sinnvoll ist eine fachliche Begleitung der eigenen Bestimmungsversuche. Zu diesem Zweck bieten ANTL und andere Veranstalter in den kommenden Wochen Pilzwanderungen an.

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