Lotte
Kirche weiß von Krieg und Frieden

Sonntag, 23.12.2007, 16:12 Uhr

Wersen . Jäh wurde die Andacht am Vortag des Heiligen Abends 1587 beendet. Am 26. Dezember feierte Graf Arnold von Tecklenburg vor der versammelten Gemeinde mit seinem Hof das Abendmahl nach reformiertem Ritus. Mit diesem historischen Paukenschlag wurde aus der katholischen Dorfkirche in Wersen eine evangelische.

Das Kirchspiel wurde immer wieder zum Austragungsort kriegerischer Auseinandersetzungen, die die Bevölkerung mit zu tragen hatte. Könnten die Mauern der altehrwürdigen Kirche sprechen, sie hätten viel zu erzählen.

Die Dorfkirche in Wersen ist die älteste der drei Kirchen im Lotter Gemeindegebiet. Sie wurde erstmals 1150 in einer Schenkungsurkunde erwähnt. Darin wird der „Haupthof Wersen mit Kapelle und andere Besitzungen“ vom Bischof Philipp von Osnabrück auf den Grafen Heinrich von Tecklenburg überschrieben.

Die Kapelle war dem Heiligen Clemens geweiht. Der wiederum war der Schutzpatron des Klosters Iburg, das 1081 gegründet wurde.

Weder das Baudatum noch das Aussehen der damaligen Dorfkirche kann heute genau ergründet werden. Die Decke bestand vermutlich aus Balken und Brettern. Es gab keine Gewölbe, die entstanden erst nach dem Neubau. Die Kapelle war vielleicht halb so hoch wie die heutige Kirche.

Heimathistoriker vermuten, dass die Holzkapelle im 13. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgerissen und durch ein Steingebäude ersetzt wurde.

Das Kirchenschiff – ohne Anbau und Turm – wurde auf Findlingen errichtet. Etwa seit dem Jahr 1400 stand an der Westseite ein „Pannentoren“, ein Fachwerkbau mit einem Dach aus Ziegeln, auch Dachpfannen genannt, deshalb: Pannen. In ihm waren drei Glocken untergebracht, die die Standfestigkeit des Turmes in hohem Maße beanspruchte.

1884 verweigerte jedoch der Läuter, die Glocken läuten zu lassen, da er um sein und das Leben der Kirchgänger fürchtete. Daraufhin entschieden die Presbyter, die Glocken bis zum Neubau unter ein Notdach im Kirchhof zu hängen.

Zur Erinnerung an diese Begebenheit steht heute ein kleiner Nachbau auf dem Kirchplatz. Anlässlich der 1000 Jahr Feier in Wersen wurde dieser für den Festumzug gebaut.

Auch heute noch hängen drei Glocken im inzwischen 30 Meter hohen 1886 errichteten Glockenturm. Die älteste auf der Westseite ist von 1444. Sie trägt die Inschrift: „Dies ist der Jünger, den Jesus lieb hatte.“ Diese „Kleppglocke“ ruft die Gemeinde zu bestimmten Tageszeiten zum Gebet. Die 563 Jahre alte Bronzeglocke ist zudem die drittälteste im Kirchenkreis Tecklenburg.

Eine große Glocke wurde im September 1683 unter der Herrschaft des Tecklenburger Grafen Johann Adolf installiert. Sie wurde 1804 in Osnabrück umgegossen. Ihre Inschrift lautete: „Wenn ich geläutet werde, so rufe ich durch meinen Klang die Gemeinde Wersen zusammen, damit sie höre das Wort des Herrn über den Weg zum Himmel.“

Im Zweiten Weltkrieg musste sie wie viele andere Glocken abgeben werden, um eingeschmolzen zu werden. 1955 wurde eine neue gegossen und in Dienst genommen. Sie trägt die Inschrift: „O Land, Land, Land höre das Wort des Herrn.“

Auch die kleine Glocke auf der östlichen Seite, Pingel genannt und 1770 gegossen, wurde zum Kriegsdienst abgeholt. Nach dem Krieg machten sich zwei Wersener auf den Weg zum Glockenabstellplatz und fanden „ihre“ Pingel unter den vielen Glocken, die noch nicht eingeschmolzen waren. Heute schlägt sie wieder halbstündlich einmal.

Das Innere der alten Dorfkirche hat sich ebenfalls im Laufe der Jahrhunderte verändert. Fenster wurden umgestaltet oder mussten an anderer Stelle ins Gemäuer gebrochen werden.

Eine erst Orgel wurde 1658 eingebaut. Nach Umbau und Reparatur im Jahre 1777 erhielt die Dorfkirche 1861 eine neue. Dieses historische Gehäuse beherbergt das heutige Innenleben, dass 1964 ausgetauscht wurde. Viel Interessantes hätte die Dorfkirche noch zu berichten. Wer mehr wissen möchte sollte beim Heimatverein Wersen die Festschrift erwerben.

Quelle: Festschrift 1000 Jahre Wersen – 850 Jahre Dorfkirche Wersen

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