Lotte
Auf den Spuren von Don Quijote

Sonntag, 30.12.2007, 15:12 Uhr

Büren . Auge in Auge mit Don Quijote, die letzte Bratwurst vor Amerika – der Bürener Wilfried Strübbe und sein Freund Harald Grewe erlebten so einiges auf ihrer 5000 Kilometer langen Tour über die iberische Halbinsel. Nimmt Strübbe sein umfangreiches, großformatig bebildertes Reisetagebuch zur Hand, werden Erinnerungen wach an lange helle Tage in warmem Sonnenschein.

Jede Reise hat ihren Grund, und auch dieser ist ein besonderer: Dieter Schloms, geboren in Wersen, hatte zur Geburtstagsfeier nach Portugal eingeladen. „Wir kennen uns schon seit der Pfadfinderzeit und sind seit mehr als 50 Jahren Freunde“, erklärt Wilfried Strübbe.

Nun, fliegen kann dorthin jeder, und das taten einige Gäste auch. Aber als eingeschworener Motorradfreund begann Strübbe die Planungen zu einer Bikertour.

Insgesamt 2500 Reisekilometer kürzten die Motorradfahrer ab. Zwar starteten sie in Motorradkluft stilecht in Büren – aber nur bis Düsseldorf. Dort verluden sie die Maschinen auf einen Reisezug und stiegen erst im französischen Narbonne wieder auf die Sättel. „Dadurch haben wir vier Tage gespart“, sagt Strübbe.

Dann begann die beeindruckende Rundreise durch das Land der Tapas und des Serrano-Schinkens. Erwartet wurden sie im portugiesischen Estornica in der Serra Monchique zur Geburtstagsfeier des Freundes.

Schon die ersten Eindrücke auf der Route National durch die Pyrenäen entschädigten für die unwirtlichen 10,7 Grad. „Mal Norwegen, mal schottische Highlands. Extreme Serpentinen in Schwindel erregenden Höhen“, fasst der Bürener die Landschaftsimpressionen in Andorra und Katalonien zusammen.

Das Bikerduo hatte sich vorgenommen, die frequentierten Fernstraßen zum meiden und wurde entschädigt mit Aussichten und Einsichten abseits des normalen Tourismus.

„Sogar in kleinen Orten sind Zebrastreifen mehrfach gesichert mit Buckelrinnen, Blinklichtern und geschwindigkeitsabhängigen Ampelphasen. Überall gibt es Kreisverkehr mit Leuchtbändern. So etwas kennen wir hier nicht“, berichtet Strübbe.

Zügig durchqueren sie die La Mancha, geprägt durch Felder und Windmühlen. Kämpft am Horizont nicht Don Quijote gegen Mühlenflügel ? Nein, bloß Fantasterei – aber eine nette. Doch da !

Tatsächlich: Da stand er in schwerer Rüstung mit seinem Knappen Sancho Pansa vor einer Mühle. Eine Skulptur, bei der die Reisenden selbstredend Halt machten.

Weiter ging es nach Andalusien. Sie ließen sich von der historischen Altstadt Rondas und vor allem von der Puente Nuevo beeindrucken, einer Brücke, die in 150 Meter Hohe die Tajo-Schlucht zwischen Alt- und Neustadt überspannt.

Nun nahmen sie Gibraltar ins Visier der Helme und rollten erwartungsfroh entlang des türkisgrünen Atlantiks. Doch die Upper-Rockets der Briten-Enklave schenken sie sich: „Es sollte zwölf Euro kosten. Das kam uns vor wie Abzocke“, erinnert sich Wilfried Strübbe.

Bei der Rückfahrt werden sie von Zollfahndern der Guardia Zivil nach Rauschgift gefilzt. Das breite Grinsen der Briten nebenan wussten sie wohl zu deuten.

Ohne Störungen erreichten die Europabummler Portugals Algarve und später Cabo de Sao Vicente auf dem südwestlichsten Landzipfel Europas: Eine Gegrillte am Stand „Letzte Bratwurst vor Amerika“ war Pflicht.

Das Ziel Estornica kam näher, und gut gelaunt feierten sie in der Freundesrunde das Geburtstagskind Dieter Schloms. Der schlüpfte flugs ins sinnige Geburtstagsgeschenk: ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Betreutes Fahren“.

Das nächste Ziel war Lissabon. Strübbe und Harald Grewe checkten in einem Motel außerhalb ein und erkundeten die portugiesische Hauptstadt. Mit der Adresse der Unterkunft konnte der Taxifahrer nachts nichts anfangen, weil die Urlauber den Vorort nicht nennen konnten. Eine nächtliche Odyssee im Taxi begann. „Plötzlich rief Harry: ,Da ist es.‘ Da hatten wir echt Glück“, sagt Strübbe.

Erleichtert setzten die Biker ihre Fahrt fort durch Kastilien zur Costa Dorada, wo Familie Strübbe im Urlaub vor rund 30 Jahren entspannte. Viel hatte sich verändert, doch als alter Pfandfinder fand Wilfried Strübbe den Ort Altafulla wieder.

Der Duft in einer Straße kam ihm bekannt vor. „Den Hähnchenfritzen mit dem besten gebratenen Geflügel, das ich kenne, gab es noch“, blickt er lächelnd zurück.

Die Reise näherte sich dem Ende, die französische Grenze kam näher und damit auch der Autozug in Narbonne und die Rückkehr. Was bleibt, sind Erinnerungen, das Tagebuch und die sonnigsten Fotos des Jahres 2007.

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