Lotte
Essen wie die Steinzeitmenschen

Donnerstag, 17.01.2008, 16:01 Uhr

Westerkappeln . Punkt 12 Uhr sitzt die ganze Familie selig vereint am Mittagstisch – das war einmal. Designerfood und die schnelle Mahlzeit für Zwischendurch bestimmen heute vielfach die Essgewohnheiten. „Essen ist zur Nebentätigkeit geworden“, weiß Ute Grell .

Die Ernährungswissenschaftlerin der Landwirtschaftskammer in Herford war am Mittwoch bei den Landfrauen Westerkappeln-Wersen als Referentin zu Gast. Im Gasthaus Schröer sprach sie über das Thema „Der Mensch ist, was er isst“.

Grell hatte für die Landfrauen dabei weit mehr parat, als die bekannten Empfehlungen – weniger Zucker und Fett, mehr Obst und Gemüse. Sie ging vielmehr der Frage nach, warum es uns so schwer fehlt, diese oft gehörten Ratschläge zu befolgen.

Ihre Erklärung: „Wir werden von einem ganz alten Programm gesteuert, das schon das Verhalten der Steinzeitmenschen bestimmt hat.“ Damals war Nahrung ein knappes Gut. Deshalb seien die Menschen darauf programmiert, immer wenn sich ihnen die Gelegenheit bietet, möglichst viel zu essen.

„Es gab damals nur einen einzigen Vorrat – und das war der eigene Speck“, erklärte Grell. Dank Kühlschrank und Supermarkt sei dieser „eigene Vorratsschrank“ zwar mittlerweile überflüssig – „aber er ist immer noch da“.

Und diese im Körper gelagerten Reserven würden zunehmend zum Problem. Trotz verschiedener Fett- und Zuckerersatzstoffen gehörten die Amerikaner zu den dicksten Nationen der Welt. Und weshalb ? „Die Leute glauben, wenn kein Fett drin ist, können sie viel mehr davon essen.“

Statistisch gesehen beschäftige sich jeder Mensch 15 Jahre seines Lebens mit dem Essen. Rund drei Jahre verstreichen dabei laut Grell durch reine Nahrungsaufnahme. Der Rest der Zeit gehe für Kochen und Einkaufen drauf.

Doch auch hier habe sich in den vergangenen Jahren einiges geändert. „Mahlzeiten lösen sich auf“, sagte Grell. Viele Familien würden sich höchstens noch an Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern zum Essen zusammenfinden. „Das gute Silber und die gestärkten Tischdecken können sie demnächst im Schrank lassen“, prophezeite Grell.

Heute werde eher am Computer oder im Auto gegessen als am heimischen Esstisch. „Aber dadurch verliert das Leben an Halt.“ Zudem würde das unbewusste Essen nebenbei eher dazu verleiten, noch mehr zu vertilgen.

Deshalb lautete ihre Empfehlung: bewusster essen, vor allem bewusster „sündigen“. „Wer das Stück Schokolade zu genießen weiß, der wird langfristig auch weniger davon essen.“

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