Lotte
Gelehrte Gedanken – einfach gebunden

Mittwoch, 23.01.2008, 20:01 Uhr

Halen/Lotte. „Es ist schwieriger, vielsagend zu schweigen, als nichtssagend zu reden“, behauptet Professor Michael Marie Jung , der seit 1995 mit Ehefrau Silke-Marie und Hund Jerry in Halen wohnt, in seinem Buch „Lichteinfall“ mit 1800 Aphorismen und Sprüchen.

Bisher hat Jung mehr als 8000 Aphorismen und 1000 Gedichte in zwölf Büchern veröffentlicht. „Aphorismen sind jene kurz gefassten Sprüche, die das Wesentliche treffen, von der tiefgründigen Lebensweisheit bis zur humorvollen Wendung“, erklärt er und bezeichnet sie auch als „alle meine Kinder“.

1940 in Berlin geboren, besuchte Michael Jung in Neuwied das Gymnasium, wo er, wie er freimütig zugibt, in der 6. Klasse eine Ehrenrunde drehte. Das habe wohl daran gelegen, dass Rudern für ihn wichtiger war als Hausaufgaben.

Da er älter war als die meisten seiner Klassenkameraden, habe er sich zu ihrem „informellen Führer“ entwickelt, sein Leben dann aber auch in die Hände genommen, wie er es später seinen Lesern in „Achtsamkeit“ empfiehlt: „Verlass das Schneckenhaus, lass nicht die Chancen aus! Nicht das Leben ist gemein, du stellst dir selbst ein Bein, erfrierst im Aus, erhältst des Käfigs Graus. Mach dich nicht so klein, lass es was Neues sein, Mensch mach was draus, lass deine Fähigkeiten raus!“

Jungs Vater erwartete, dass er Volkswirtschaft studierte, aber der Sohn entschied sich für Betriebswirtschaft. Von 1972 bis 2000 forschte und lehrte er als Professor in Osnabrück zu betrieblichen Personal- und Bildungsfragen.

Dem Sport blieb er treu, noch heute läuft er bei Wind und Wetter täglich 50 Minuten durch Feld und Wald, hat schon so manches Paar Joggingschuhe durchgelaufen und merkt dazu an: „Was nützen schnelle Schuhe, wenn sie drücken?“ (aus „Ausgesprochen scharfe Konturen) oder: „Ich kann es mir leisten, keine Höchstleistung zu erbringen“ („Lichteinfall“).

Das Gros seiner Aphorismen sei ihm beim Joggen, manchmal schon beim Schuhe schnüren, eingefallen. Ein Satz käme ihm wie aus dem Nichts in den Sinn und entwickle sich mit jedem Schritt, bis gegen Ende des Laufs daraus ein fertiger Spruch gewachsen sei. „Und alleine schon ein abnehmendes Körpergewicht kann Sichtweise und Perspektive verändern“, sagt Jung im Buch „Nachdenken“.

Überall im Haus lägen Zettel, und nicht selten gehe nachts das Licht an, damit er seine „Geistesblitze“ nicht vergesse, fügt die Ehefrau, Ärztin in Wersen, an.

Vor fünf Jahren übernahm er den zweiten Vornamen seiner Frau: „Marie ist eine Liebeserklärung an meine Frau.“ Jedes seiner Werke sei auch ein Dank an ihre Liebe und Unterstützung. „Liebe Silke-Marie, wir trafen uns endlich, unendlich zusammen zu sein“ (aus „Nachdenklich“).

Das Buch „Gedichte und Aphorismen zur Kommunikation“ zum Thema Menschenkenntnis und Persönlichkeitsentwicklung enthält auf der Rückseite einen Art Beipackzettel mit Informationen zu Zusammensetzung und Darreichungsform, Anwendungsgebieten, Gegenanzeigen und Dosierung. Die Angaben zum Hersteller: „Ein Teil von Michael Marie Jung war Führungskraft, Lehrer und hat über 25 Jahre als Professor geforscht, ein anderer animierender Teil ist allgemeinärztlich niedergelassen, aber sehr aktiv.“

Die berufliche Auseinandersetzung mit Personal- und Persönlichkeitsentwicklung habe ihm Anregungen zu Aphorismen geliefert. Der Leser finde in seinen Sprüchen und Gedichten psychotherapeutische Erkenntnisse zur menschlichen Kommunikation.

Für jede Lebenslage hat der Dichter Weisheiten entwickelt. „Noch ein Schlückchen von des Lebens schönstem Wein, dann geh ich fort und lass es gut für immer sein“, aus „Nachdenklich“, stimmt eher traurig, weil es endgültigen Abschied beschreibt. Aber auch die jüngere Generation wird bedacht: „Wenn sich das junge Gemüse massenweise öffentlich trifft, kann man auch von Gemüseauflauf sprechen.“

Michael Marie Jung möchte in seinen literarischen Veröffentlichungen nicht nur die tragische Schönheit des Lebens beschreiben, sondern, wie er formuliert, dem Humor die ungebremste Vorfahrt lassen. Dazu gehört auch der erotische Humor in „Verschämtes und Unverschämtes“ und „Humoreros“: „Er war, sagt er, ein toller Hecht, Draufgänger, schneller Schürzenjäger; heute, sagt sie, sei er ein bisschen träger, und er bräuchte auch etwas länger, für sein Alter sei er aber gar nicht schlecht.“

Dass manches Rendezvous ganz anders als erhofft enden kann, verrät er in „Kulinarische Verhütung“: „Vorher lässt sie sich auf gar nichts ein, den Aperitif zuerst, zweimal Kir Royal, ein nobles Essen, reichlich allemal, dabei vier Flaschen von dem edlen Wein. – die Stunden gehen, es ist schon spat, sie scheint bereit, das Ende naht. – Jetzt bin ich voll und lass es sein.“

Ganz frech behauptet er: „Aufrecht währt am längsten! Eine maßlose männliche Übertreibung“, in „Charakterkopf“, auf dessen Titelseite Hund Jerry abgebildet ist. Dieser treue Weggefährte hat ihn oft beim Joggen begleitet und durch seinen liebenswerten und nachdenklichen Blick oft auf nette Gedanken gebracht.

Jung möchte seinen Lesern noch folgenden Spruch ans Herz legen: „Wer ständig schon zu alt für etwas ist, verpasst den Rest.“

Die Bücher von Michael Marie Jung gibt es in Buchhandlungen und via Internet.

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