Lotte
„Kinder sind toll“

Dienstag, 08.01.2008, 19:01 Uhr

Lotte/ Wersen . „Peng! Getroffen!“ Laute Juchzer übertönen das Klackern und Poltern des Tischfußballspiels. Es hört sich an, als ob eine ganze Horde Jungs den Kicker auseinandernimmt. Dabei sind erst sieben Mädels da, alle zwischen sechs und elf Jahre alt: Im Wersener Jugendtreff Sit In ist heute was los. Mittendrin: Jessica Heye .

Die 17-jährige Realschülerin unterstützt seit Oktober ehrenamtlich den Jugendpfleger Robert Budde und seine Helfer. Sie spielt, backt und bastelt beim Kids' Day mit den Kindern oder gibt wie jetzt Kuchen, Plätzchen, Saft und Kakao aus, hilft, die Räume und die Theke für die Weihnachtsfeier zu dekorieren, räumt auf oder macht Witze mit den Kids - „eben alles, was so anfällt“.

Im Moment ist sie gerade etwas gehandicapt, weil sie sich ein Bein angebrochen hat. Also humpelt sie eben auf Krücken hinter die Theke und macht sich nützlich, so gut es geht. Wie sie dazu gekommen ist, freiwillig in ihrer Freizeit im Jugendtreff mitzuhelfen und Sechs- bis Elfjährige zu beaufsichtigen, die bestimmt manchmal schwerer als ein Sack Flöhe zu hüten sind ?

„Im Sommerzeltlager war ich Überfallerin beim Wimpelklau“, erzählt Jessica. Die 17-Jährige kennt in Wersen und Halen praktisch Hinz und Kunz, denn sie hilft schon seit Jahren im Halener Schützenverein, legt zum Beispiel beim Filmclub in den Ferien DVDs ein, verkauft Eis und Popcorn oder bei anderen Veranstaltungen Cola, Bratwurst und Pommes. „Dafür kriege ich auch nichts“, sagt sie. Und: „Besser, so was zu machen, als auf der Straße zu hängen, abzugammeln, zu saufen oder was weiß ich!“

Den Wimpel haben sie und die rund ein Dutzend anderen „Überfaller“ damals im Juli übrigens nicht erbeutet.

Dafür kam Jessica allerdings mit Robert Budde ins Gespräch. „Der hat mich dann gefragt, ob ich Lust hätte, im Jugendtreff mitzumachen. Und das ist ja bei mir um die Ecke.“

Also ging Jessica zum nächsten Kids' Day und stieg gleich mit ein in die ehrenamtliche Jugendarbeit mit den jüngeren Sit-In-Besuchern: „Kinder sind toll“, findet die Realschülerin, die selbst keine Geschwister hat, aber neun Cousins und Cousinen. Vier davon seien so alt wie sie, die anderen zwischen drei und sieben: „Ich liebe kleine Kinder. Die sind so herzlich und spontan. Die sind für alles offen.“

Und was haben die Kinder gesagt, als sie neu dazukam ? „Das war natürlich schön für die, weil eine 17-Jährige sich besser mit Elfjährigen versteht als ein 40-Jähriger", sagt Jessica selbstbewusst. Und ihr mache es riesigen Spaß, mit Kindern Spiele auszuprobieren, zu basteln, kreativ zu sein, aber auch mal draußen Fußball und Verstecken zu spielen. „Wir haben schon Flaschen mit Serviettentechnik gemacht“, berichtet sie.

Bisher habe sie ja nur zwei- bis dreimal im Monat mit den Kids gearbeitet. Aber: „Ich kann immer vorbeikommen, wann ich will“, erzählt sie. Und dass sie je nach Bedarf eingesetzt wird: „Robert schreibt mir eine SMS oder ruft mich an, wenn er jemanden braucht.“

Obwohl für die Zehntklässlerin jetzt die Abschlussprüfungen anstehen und sie zurzeit eine Lehrstelle zur Augenoptikerin sucht, möchte sie zusammen mit dem Jugendpfleger demnächst ein Projekt nur für Mädchen machen. Ähnlich wie im Bansen sei ein Babysitterkursus in Planung, etwas, „wo die Mädchen nicht als Anhängsel der Jungs“ mitlaufen.

Und im Sommer würde sie gern im Ferienprogramm Aktivitäten wie Fußballturniere, Schwimmen, Laufen und Grillen mit auf die Beine stellen. Denn Sport gehört neben dem Umgang mit Kindern – sie hat zum Beispiel auch zwei Mitschülern Nachhilfe in Mathe und Französisch gegeben – und mit Tieren auch zu Jessicas Interessen: „Ich gehe angeln und reiten“, erzählt sie. Und dass sie schon als kleines Kind immer die Babys in der Familie wickeln wollte.

Kinder seien eine „Bereicherung“.

Auch dann, wenn sie einem manchmal Löcher in den Bauch fragen: „Die nerven nicht", sagt Jessica und erzählt, wie eines der Sit-In-Kids sie beim Anblick eines Freundes gefragt habe: „Ist das dein Mann? Bekommst du jetzt ein Baby?“

Diese Unbekümmertheit und Direktheit gefallen ihr, weshalb sie auch lieber mit den jüngeren Kindern als mit den Teenies zusammen ist: „Da kann man gar keine schlechte Laune haben, wenn Kinder durch die Gegend toben!“

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