Lotte
Speckgürtel als Wucherpfund

Sonntag, 20.01.2008, 17:01 Uhr

Lotte . Glückwünsche zum zweiten Platz unter 78 Kommunen bei der Standortanalyse der Industrie- und Handelskammer ( IHK ) Nord Westfalen überbrachte deren Hauptgeschäftsführer Karl-F. Schulte-Uebbing dem Lotter Gemeinderat jetzt höchstpersönlich. Er appellierte an Lottes Politik, die Studie als Hilfe bei strategischen Entscheidungen zu nutzen.

Nicht die Sammlung von Daten und Zahlen stehe für die IHK im Vordergrund, sagte Schulte-Uebbing, sondern das Aufzeigen von Stärken und Schwächen sowie von Einflussmöglichkeiten und Stellschrauben auf kommunaler Ebene.

Lotte stehe heute vor der Frage, ob man vornehmlich Wohngemeinde für Osnabrück sein oder die eigene Wirtschaftskraft ausbauen wolle.

Die Voraussetzungen als Gemeinde im Speckgürtel Osnabrücks an einem der wichtigsten Verkehrskreuze Europas seien hervorragend. „Mit diesem Pfund können Sie wuchern“, sagte der Kammerfunktionär.

Wenn es um die Frage gehe, ob die Gemeinde 35 Hektar an Gewerbeflächen vorhalte oder, wie von der Bezirksregierung gewünscht, nur 20 Hektar, empfehle er 35. Sie würden nicht unbedingt ausgeschöpft, verbesserten aber die Optionen.

Die Frage von SPD-Fraktionschef Thomas Giebel, ob die Attraktivität der Gemeinde nicht durch eine hohe Lebensqualität bestimmt werde, für die es auch viel Grün brauche, nahm Schulte-Uebbing als Vorlage. Er halte es für falsch, Ökologie und Ökonomie als unvereinbar zu sehen. Gewerbe, Wohnen und Erholung zusammen machten erst Lebensqualität aus.

Den geringen Unternehmensbesatz Lottes als einen von nur zwei Schwachpunkten in der Analyse nahm CDU-Fraktionschef Reinhold Hinrichs zum Anlass, rotgrüne Versäumnisse bei der Ansiedlungspolitik zu geißeln. Schulte-Uebbing wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass dieses Kriterium lediglich die Zahl der Unternehmen pro 10 000 Einwohner erfasse. Da in Lotte vor allem größere Firmen ansässig seien, zeige das nur eine gewisse Abhängigkeit der Gemeinde von diesen.

Grünen-Fraktionschef Stefan Salzbrunn betonte, dass der zweite Platz Lottes doch Beleg für die gute Politik der Vergangenheit sei. Die Gemeinde habe einen gesunden Branchenmix sowie hohe Gewerbe- und noch höhere Einkommensteuereinnahmen. Schulen, Krippenplätze und viel Natur seien Voraussetzung, um gerade Letztere für die Zukunft zu sichern.

Als Mitverfasser der Studie gab Prof. Dr. Bodo Risch dem Rat zu bedenken, dass die politischen Entscheidungen von heute zum Teil erst in zehn Jahren ihre Wirkung entfalteten. Lotte sei ein guter und daher auch teurer Standort, dem arbeitsplatzintensive Produktionen weniger zuneigten.

Gerade Speditionen, also Logistikunternehmen, mit ihren hoch qualifizierten Mitarbeitern wären angesichts der Lage Lottes nicht zu verachten. Die Energieknappheit werde zudem Arbeits- und Wohnstätte einander wieder näher bringen.

CDU-Ratsherr Georg Holtgrewe wies die Gäste aus Münster darauf hin, dass bei verfügbaren Gewerbeflächen nicht nur deren Größe, sondern vor allem der Grad der Verfügbarkeit entscheidend sei. In der Praxis habe die Gemeinde die Erfahrung machen müssen, dass sie über Flächen, die sie Firmen anbot, nicht verfügen konnte.

Bürgermeister Rainer Lammers sagte den IHK-Vertretern zu, dass sich die Gemeinde Lotte nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen werde.

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