Lotte
Verzweiflung über Finanzmisere

Freitag, 25.07.2008, 17:07 Uhr

Büren . Am Ende des Geldes ist immer noch so viel Monat übrig. Diese Situation kennen Rainer Bergmann und sein Sohn Chris zur Genüge. Und jetzt ließ sie die Finanzmisere fast verzweifeln.

Am 21. Juli bekam der arbeitssuchend gemeldete Junge von der Arbeitsagentur Ibbenbüren den Bescheid, dass er ab 24. Juli an der „Ganzheitlichen Integrationsleistung“ (Ganzil) teilnehmen soll. Diese findet in Ibbenbüren statt. Deswegen drohte die Teilnahme an den Fahrtkosten zu scheitern.

„Ich kann's nicht. Wo soll ich das Geld jetzt am Monatsende denn hernehmen ?“, sagt der Vater, der trotz seiner 54 Jahre schon Vollrentner und erwerbsunfähig ist. Der ehemalige Pflasterer hatte vergangenes Jahr einen Herzinfarkt und vor zehn Jahren einen schweren Unfall. Dass er überhaupt überlebt hat und nach vielen Operationen und langer Rehabilitation wieder gehen kann, sei ein Wunder.

Aber seitdem sei es finanziell bergab gegangen: „Wir hatten ein eigenes Haus in Büren – alles weg.“ An den Schulden hat die Familie heute noch zu knabbern. Deshalb wird ein Teil seiner Rente, von der auch Frau und Sohn Chris leben und die Dreizimmermietwohnung an der Hansastraße bezahlt wird, gepfändet. Die anderen vier Kinder sind schon aus dem Haus und stehen zum Glück auf eigenen Füßen.

Der gerade 18-jährige Chris aber ist das Sorgenkind von Rainer Bergmann: „Er war erst auf der Sonderschule, dann auf einer normalen Schule, dann wieder auf einer Sonderschule. Wir sind nach Mettingen gezogen und wieder zurück, aber nirgendwo kam der Junge zurecht“, erzählt er. „Chris wurde aggressiv. Aber nicht nur gegen seine Mitschüler, auch gegen Lehrer“, sagt der Vater und schüttelt den Kopf: „Irgendwas muss ich ja wohl auch falsch gemacht haben.“

Deshalb hat Chris keinen Schulabschluss, keine Ausbildung, keinen Job, keine Perspektive. Die aber kann im die „Ganzheitliche Integrationsleistung“ vielleicht bieten. Er selbst sagt, dass er gerne dabei wäre: „Besser als zu Hause rumlungern ! Aber wie soll ich da hinkommen, wenn ich Bus- und Zugfahrkarten vorstrecken muss? Das sind fast 15 Euro jeden Tag.“ Die Arbeitsagentur Ibbenbüren wolle das Fahrgeld erst zum Ende des Folgemonats erstatten und bei Nichtteilnahme das Kindergeld streichen.

Gibt es denn da keine Härtefallregelung? „Das Problem ist, dass wir die Maßnahme an Dritte, also die GEBA (Gesellschaft für Berufsförderung und Ausbildung), weitergeben“, erläutert Dominik Hanning , Sprecher der Arbeitsagentur Rheine. Nach einigen Telefonaten mit der GEBA und Chris' Betreuer im Arbeitsamt Ibbenbüren ist der Knoten durchschlagen: Der Ganzil-Beginn für Chris ist auf Anfang August verschoben. Nur die erste Fahrkarte muss der Vater vorher auslegen; die übrigen Fahrtkosten übernimmt die GEBA ausnahmsweise im Voraus.

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