Lotte
Lotte: 31-Jähriger erstochen – Opfer eines Scheidungskriegs?

Mittwoch, 06.08.2008, 10:08 Uhr

Lotte /Ibbenbüren - Ein 31-jähriger Ibbenbürener ist am Dienstagnachmittag auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Lotte-Büren erstochen worden. Der Mann syrischer Abstammung ist offenbar indirekt Opfer eines Scheidungskriegs geworden.

Der Bluttat voraus ging ein Streit mit fünf Männern türkischer Herkunft, die alle aus dem Raum Ibbenbüren stammen sollen. Nachdem mehrere von ihnen zunächst auf den 31-Jährigen eingeschlagen hätten, habe ein 39-jähriger „plötzlich ein großes Messer gezückt und mehrfach auf das am Boden liegende Opfer eingestochen“, erklärte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer zum Tathergang. Die Obduktion bei der Gerichtsmedizin in Münster habe ergeben, dass es infolge „zahlreicher Stiche innerlich und äußerlich verblutet ist“.

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwochmorgen mitteilten, war der 31-Jährige am Dienstag gegen 17 Uhr mit seiner 27-jährigen Ehefrau am Steuer in einem weißen Golf nach Lotte gefahren, um in dem Gewerbegebiet am Benzweg/Teichweg an der Stadtgrenze zu Osnabrück einzukaufen.

Kurz vor Erreichen des Ziels sei der Golf durch ein Überholmanöver eines Audi A4 ausgebremst worden. Der 39-jähriger Fahrer dieses Wagens und mutmaßliche Messerstecher habe sich zunächst mit dem 31-Jährigen bei herunter gedrehten Autoscheiben lautstark gestritten.

Die Ehefrau des späteren Opfers muss schon eine schlimme Eskalation geahnt haben. Sie rief nach Angaben der Staatsanwaltschaft über Notruf die Polizei in Osnabrück. Die habe ihr geraten, bis zum Eintreffen der Streifenwagen auf einen belebten Parkplatz zu fahren.

Als die Frau den Rat befolgend auf den Parkplatz am Teichweg, an dem die Märkte Poco, Adler und Hagebaumarkt angesiedelt sind, fuhr, spielte sich offenbar eine regelrechte Hatz ab. Neben dem Fahrer des Audi machten auch noch die 36 und 53 Jahre alten Insassen eines Opel Omega sowie die 18 und 51 Jahre alten Insassen eines VW Golf Kombi Jagd auf das Ehepaar, wie Polizei und Staatsanwaltschaft weiter berichteten.

Diese führte vom Parkplatz zurück auf die Straße und endete mit dem frontalen Zusammenstoß zwischen dem Golf und dem Opel Omega direkt vor der Zufahrt vom Parkplatz des Einkaufsmarktes.

„Der 51-jährige öffnete nun die Tür des Golf und zerrte den 31-Jährigen heraus. Gemeinsam mit seinem 18-jährigen Sohn und den weiteren Beteiligten schlugen sie auf ihn ein“, erläuterte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer die weiteren Ereignisse. Schließlich habe der 39-Jährige das Messer gezogen.

Nach der Attacke erlag der Ibbenbürener trotz notärztlicher Versorgung auf dem Parkplatz seinen schweren Verletzungen. Das Blut sei regelrecht geflossen, berichtete eine Augenzeugin. Mehrere Passanten versuchten noch vor Eintreffen der Streifenwagen, die Beteiligten von dem 31-Jährigen wegzuziehen.

Viele Kunden und Mitarbeiter der Geschäfte und Märkte des Einkaufszentrums bemerkten erst etwas von dem blutigen Geschehen, als bereits alles vorbei war. „Es ging alles so schnell“, sagte ein älterer Mann.

Alle fünf Tatverdächtigen aus Ibbenbüren konnten noch am Tatort von Beamten der Polizei Steinfurt und Osnabrück widerstandslos festgenommen werden. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft ist am Mittwochnachmittag Haftbefehl wegen Totschlags gegen die Männer erlassen worden.

„Das Motiv liegt nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen möglicherweise im familiären Bereich“, sagte Kriminalhauptkommissar Ulrich Bux als Leiter der 23-köpfigen Mordkommission des Polizeipräsidiums Münster.

Wie Oberstaatsanwalt Schweer dazu ausführte, waren die Ehefrauen von Opfer und Täter miteinander befreundet. Die Frau des Hauptverdächtigen habe sich scheiden lassen wollen, die 27-Jährige und ihr Mann hätten sie dabei - zumindest moralisch - unterstützt. Dies war offenbar der Anlass für den tödlichen Streit.

Der Tatort wurde am Dienstag relativ großräumig abgesperrt. Die Spuren verteilten sich wegen der Verfolgsungsjagd über etwa 100 Meter. Es sei aber gewährleistet worden, dass die Kunden der Märkte über rückwärtige Zufahrten das Gelände verlassen konnten, erläuterte Jochen Laschke von der Kreispolizeibehörde Steinfurt. Aufgrund der Vielzahl von möglichen Zeugen hätten die Ermittlungen vor Ort einige Zeit in Anspruch genommen.

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