Lotte
Tödlicher Streit in Lotte - Tat war vielleicht absehbar

Von Frank Klausmeyer Ibbenbüren/Lotte. Die blutige Auseinandersetzung, bei der am Dienstag auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Lotte ein 31-jähriger Ibbenbürener erstochen wurde, war möglicherweise absehbar...

Donnerstag, 07.08.2008, 17:08 Uhr

Ibbenbüren/Lotte. Die blutige Auseinandersetzung, bei der am Dienstag auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Lotte ein 31-jähriger Ibbenbürener erstochen wurde, war möglicherweise absehbar. Die Familien des Opfers und der mutmaßlichen Täter seien in der Vergangenheit mehrfach gewalttätig aneinander geraten, berichtete Thomas Klein , Rechtsanwalt der Frau des Getöteten.

„Die Bedrohungslage war sicher älter“, meinte Klein gegenüber unserer Zeitung. Im April sei der 31-Jährige bereits einmal angegriffen worden und habe dabei einen Kieferbruch erlitten. „Man musste damit rechnen, dass etwas Schlimmeres passiert“, sagte der Rechtsanwalt. Zwischen anderen Angehörigen der beiden Familien habe es darüber hinaus früher schon einmal eine Schießerei am Osnabrücker Bahnhof gegeben.

Der 31-jährige soll die Polizei in den vergangenen Monaten mehrfach aufgefordert haben, gegen den Hauptverdächtigen einzuschreiten. Diese habe jedoch nichts getan, war gestern aus dem Umfeld des Opfers zu hören.

Bei dem Getöteten handelt es sich um einen Deutschen syrischer Anstammung. Der 39-jährige Hauptbeschuldigte und seine vier mutmaßlichen Mittäter im Alter von 18 bis 53 Jahren sind türkischer Herkunft. Opfer und Täter wohnten in Ibbenbüren.

Nach Angaben von Thomas Klein stammen alle Beteiligten aus derselben Ethnie. „Das sind jesidische Kurden.“ (zum Thema). Diese Gruppe habe teilweise noch recht eigenwillige Ehrvorstellungen. Daraus resultiere wohl auch das gewalttätige Verhalten.

Die Ehefrau des mutmaßlichen Messerstechers wollte sich von dem 39-Jährigen trennen und war ins Frauenhaus geflüchtet, bestätigte Rechtsanwalt Klein. Erst im Juli habe sie einen Scheidungsantrag gestellt. Dass das Opfer und seine 27-jährige Frau ihr für eine Nacht Unterschlupf gewährten, sei wohl der Auslöser für das Gewaltverbrechen gewesen. Die 27-Jährige stand nach der Bluttat unter Schock und befindet sich laut Klein in psychologischer Behandlung.

Die Staatsanwaltschaft befürchte einen Racheakt der Opferfamilie. Er hoffe, so Klein, dass es nicht dazu komme, zumal die Familie des Getöteten schon lange in Deutschland lebe und mehr Abstand zu den Traditionen ihrer Abstammung habe.

Ob der Tod des 31-jährigen zu verhindern gewesen wäre, vermag Klein nicht zu sagen. Auf jeden Fall müsse geprüft werden, ob möglicherweise ein polizeiliches Versagen vorliegt. Denn nachdem die Ehefrau über Notruf um Hilfe gebeten habe, hätte sich die 27-Jährige noch bei ihm gemeldet, weil die Polizei auf sich warten ließ. „Ich weiß nicht, ob die den Anruf ernst genommen haben.“

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft in Münster gab es gestern keine neuen Erkenntnisse. Alle fünf Beschuldigten sitzen in Untersuchungshaft, die vier Erwachsenen in Münster, der 18-Jährige in der Jugendstrafanstalt Bielefeld, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer. Die Verdächtigen hüllen sich in Schweigen. Die Ermittlungen der Mordkommission zu Tathergang und Motiven dauern an.

Ob die Polizei eine Gefährdung für die Ehefrau des Opfers und die Frau des Hauptbeschuldigten sieht, wollte die Kreispolizeibehörde nicht kommentieren. Rechtsanwalt Klein sieht aber keine akute Bedrohung: „In der Regel werden solche Streitereien bei diesen Leuten unter Männern ausgetragen.“

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