Lotte
St. Franziskus hat lange Vorgeschichte

Montag, 22.12.2008, 16:12 Uhr

Wersen . Zum 30-jährigen Bestehen der St.-Franziskus-Kirche in Wersen veröffentlichen wir einen Beitrag, den die Pfarrgemeinde St. Margaretha Westerkappeln vor acht Jahren zur Festschrift „1000 Jahre Wersen – 850 Jahre Dorfkirche Wersen“ geliefert hatte. Heute erscheint der erste von zwei Teilen des historischen Berichtes.

Er stammt im Wesentlichen aus der Feder des damaligen Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates und heutigen Westerkappelner Heimatforschers Heinz Schröer , der dem zweiten Teil, der morgen erscheint, auch noch eine Aktualisierung angefügt hat. Zudem verdanken wir Heinz Schröer die Reproduktionen der dazugehörigen Fotos.

Als der Beitrag entstand, erlebte die Pfarrgemeinde gerade eine Vakanz in der Pfarrstelle und die Gläubigen hofften auf deren baldige Wiederbesetzung mit einem Pfarrer. Die Pfarrgemeinde zählt etwa 6000 Seelen, von denen rund 1800 auf den Pfarrbezirk Wersen entfallen.

Missioniert wurde der Wersener Raum von Ibbenbüren aus. Nachdem um 1120 die Grafen von Tecklenburg in Wersen Land geerbt hatten, wurde hier eine Kapelle errichtet, deren Vorhandensein im Jahre 1150 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Als Graf Heinrich von Tecklenburg um 1150 die Kapelle sowie anderen Grundbesitz dem Osnabrücker Bischof als Ausgleich für empfangene Lehen übertrug, entstand eine enge kirchliche Beziehung zu Osnabrück, die erst durch die Reformation ein Ende fand. Diese enge Bindung an Osnabrück wird besonders dadurch deutlich, dass das Dorf Pye jenseits der Hase bis zur Reformation zu der seit 1271 selbstständigen Pfarre Wersen gehörte.

Im Jahre 1527 wurde von Graf Otto VII. von Tecklenburg nach dem Prinzip „cuius regio eius religio“ (wer regiert, bestimmt den Glauben) die Reformation eingeführt. Die Katholiken in der Grafschaft Tecklenburg und damit auch in Wersen hatten seit der Reformation keinen eigenen Pfarrer mehr. Sie wendeten sich daher an die ihnen am nächsten gelegenen Pfarreien im Osnabrücker Land.

Aufgrund der Bulle „de salute animarum“ von 1831 wurden die Katholiken aus dem Osnabrücker Diözesanverband entlassen und in die Diözese Münster eingegliedert. Damals wohnten in Cappeln, Lotte und Wersen – dieser Bereich ist weitgehend identisch mit der heutige Pfarrei St. Margaretha – ungefähr 55 Katholiken. Als zuständiger Pfarrer wurde der Pastor von Mettingen eingesetzt. Allerdings legte der Bischof in Münster dem Mettinger Pfarrer ans Herz, wegen der großen Entfernung der neuen Gemeindemitglieder zur Pfarrkirche in Mettingen die Osnabrücker Mitbrüder zu bitten, weiterhin die seelsorgerische Betreuung zu übernehmen.

Offensichtlich ist es hier und da zu Kompetenzgerangel gekommen. In einem Brief aus dem Jahre 1851 an seinen Mitbruder in Mettingen entschuldigt sich der Wallenhorster Pfarrer dafür, dass er einer kranken Witwe in Halen die heiligen Sterbesakramente spendete.

Aus dem Jahre 1863 liegt eine Aktennotiz vor, nach der in Wersen zwei katholische Familien wohnten. Die Zahl der Katholiken blieb weiterhin niedrig. Sie stieg bis 1939 lediglich auf 67 (4,1 Prozent der Einwohner) an. Bedingt durch die Flüchtlinge und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Zahl der Katholiken in Wersen. Im Jahre 1946 betrug sie bereits 332.

Den meisten Gemeindemitgliedern war das Leben in einer Diaspora fremd, und der Weg zum zuständigen Pfarrer in Mettingen war weit. Dennoch zeigten sie Glaubenskraft und besuchten regelmäßig den Sonntagsgottesdienst, jeder in der für ihn nächstgelegenen Kirche. So orientierten sich die Halener Katholiken nach Hollage und die Bürener Katholiken nach Eversburg.

1953 wurde der östliche Teil der Pfarrei Mettingen zum seelsorglich selbstständigen Pfarrrektorat Westerkappeln (ab 1956 mit eigener Vermögensverwaltung) erhoben. Das Generalvikariat Münster überwies anschließend die in den Bereichen Wersen, Büren und Lotte wohnenden Katholiken dem Pfarrer in Eversburg zur seelsorglichen Betreuung. Für Büren gilt diese Regelung bis zum heutigen Tag.

Dank des Entgegenkommens der Evangelischen Kirchengemeinde Wersen wurde in deren Kirche 14-täglich ein katholischer Gottesdienst abgehalten. Da aber im Laufe der Zeit viele der Vertriebenen außerhalb von Wersen Arbeit und ein neues Zuhause fanden, musste der Gottesdienst bald wieder entfallen.

Fortan wurde ein Bus eingesetzt, der die wenigen Gläubigen nach Eversburg zur heiligen Messe fuhr.

In den 1950er Jahren setzte in Büren eine rege Siedlungstätigkeit ein. Sie hatte zur Folge, dass Überlegungen zum Neubau einer katholischen Kirche angestellt wurden, wofür am Amselweg bereits ein Grundstück erworben wurde. Das Vorhaben konnte dann jedoch nicht verwirklicht werden.

Mit Wirkung vom 1. Mai 1966 erfolgte die Erhebung des Rektorates zur Pfarre. Erster Pfarrer nach der Reformation wurde Franz Lückmann. Er erreichte es, dass seit Sommer 1973 in der Evangelischen Kirche wieder regelmäßig eine Heilige Messe gefeiert wurde, und zwar jeden Samstag um 19 Uhr als Vorabendmesse.

Aufgrund der mittlerweile auch in Wersen starken Bautätigkeit verstärkte sich der Wunsch der Pfarrgemeinde nach einer eigenen Kirche. Im Jahre 1975 beschloss der Kirchenvorstand, ein an der Mühlenbreede gelegenes Grundstück vom Landwirt Rudolf Havermeier zu erwerben.

Dieses Mal sollte das Vorhaben gelingen. In zwei Abstimmungsverfahren wählten die Pfarrgemeindemitglieder den heiligen Franziskus von Assisi zum Namenspatron des neu zu errichtenden Gotteshause.

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