Lotte
Statt Depression „Jetzt erst recht"

Donnerstag, 15.01.2009, 18:01 Uhr

Wersen . Zahlen satt, Negativrekorde in Serie und Katastrophengrafiken im Dutzend billiger – die Interessengemeinschaft (IG) der Wersener Geschäftsleute hatte für ihren gestrigen Neujahrsempfang in den Ratsstuben einen bemerkenswerten Themenschwerpunkt gesetzt: die Finanzkrise. Doch statt Depression stellte sich nach einem exzellenten Fachreferat eine trotzige Jetzt-erst-recht-Stimmung ein.

Die hatte zu Beginn in seinem Grußwort bereits Bürgermeister Rainer Lammers vorbereitet: „Der erste Monat 2009 ist schon halb rum und bald schon wieder Ostern.“ Launig animierte er in seinem Jahresrückblick zum positiven Denken: Millioneninvestition ins Schulzentrum wirkt, Halen als Pilotprojekt für DSL läuft, Radwegeinitiative in Büren überzeugt.

Doch verschwieg Lammers auch die Herausforderungen des neuen Jahres nicht: Es brauche noch mehr Radwege. Für Betreutes Wohnen gebe es in Alt-Lotte eine Warteliste, in Büren konkrete Pläne und in Wersen erste Überlegungen. Braucht Wersen eine neue Turnhalle oder einen Kunstrasenplatz wie in Alt-Lotte? Das Einzelhandelskonzept soll Weiterentwicklung ermöglichen, ohne das Bestehende zu gefährden.

Und dann das Reizthema Kreisverkehrsplatz: „Hat sich das erledigt“, fragte Lammers und verwies auf den Infoabend des Bürgervereins, bei dem zwei für und 80, 90 gegen den Kreisel votiert hätten. Klare Ansage: Der Rat wird das diskutieren, will aber nicht über die Köpfe der Bürger entscheiden. Wie die es nicht wollen, kommt es auch nicht.“ Der Brückenabriss bei Eversmeyer komme im Frühjahr aber auf jeden Fall. Auch das fordere ein positives Herangehen.

Derart eingestimmt bat IG-Chef Uwe Rauchfleisch den Referenten Frank Bendzko , Leiter Vermögensanlagen der Kreissparkasse Steinfurt, ans Pult. Und der brannte ein Feuerwerk von Fakten und Zahlen ab, das auch wegen der Dichte und des Tempos im Vortrag den Atem hätte nehmen können – von der Dramatik der Inhalte ganz abgesehen. Beispiel: Allein am Aktienmarkt wurden in kürzester Zeit 29 Billionen Euro verbrannt. Das schreibt sich 29000000000000!

Kurz beschrieb Bendzko den Verlauf: Ausgehend vom Platzen der Immobilienkrise in den USA kam es zu einer massiven Liquiditätskrise auf den Finanzmärkten, die inzwischen in eine weltweite Wirtschaftskrise mündet. „Alle Analysten haben sich geirrt“, betonte der Banker, dass auch an Börsen oder in Universitäten keine Menschen mit höheren Einsichten gebe. Das gelte auch für heutige Prognosen: „Alles nur fortgeschriebene Statistiken ohne den Mut, auch einmal allein da zu stehen.“

Zur Situation heute: Nahezu alle Arten von Wertpapieren auf Rekordtalfahrt, ebenso die Rohstoffpreise, Rekordstaatsdefizite weltweit, Rekordrezession, Zinsniveau auf Rekordtief, nach Inflationsschub jetzt Deflationstendenzen. Dazu warf Bendzko im Staccato diverse Kurvenverläufe an die Wand, die fast durchgehend in senkrechte Linien mündeten.

Doch ohne Spezialeffekte oder Zynismus gelang es dem Fachmann, sein Publikum bei der Stange und bei Laune zu halten. Sein Trick: entwaffnende Offenheit und Ehrlichkeit. Er sehe sich nicht in der Lage, Prognosen abzugeben, gab er zu, und er warne vor denen anderer. Aber es gebe Gründe für Optimismus. So sei noch jede Krise von einem Aufschwung abgelöst worden, und zum anderen hätten entschlossene staatliche Eingriffe, „auch von Frau Merkel“, verhindert, dass der Finanzmarkt weltweit völlig zusammenbricht.

Es gebe einfache Regeln und Wahrheiten die ihre Gültigkeit behielten, sagte Bendzko. Sein Favorit: „Nicht alle, die sparen, werden reich; aber fast alle, die nicht sparen, bleiben arm.“

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