Lotte
Erdgeschichte erforschen

Freitag, 25.03.2011, 16:03 Uhr

Lotte - Erdschichten berichten von Klima und Leben vor vielen Tausend bis Millionen Jahren - jedenfalls jenen, die sie anhand der Beschaffenheit lesen können. In dieser Woche waren Mitarbeiter des Geologischen Dienstes aus Krefeld in Alt-Lotte und entnahmen Bodenproben am Goldbach nahe der Wetterschutzhütte . Die Ergebnisse werden in geowissenschaftliche Karten eingearbeitet und bilden Grundlageninformationen für zukünftige Planungen.

Das Team, Ingenieur Jürgen Rother , Bohrfachmann Olaf Müllers und Nils Preusser, sind noch bis Mitte Mai zwischen Bad Iburg und Ibbenbüren auf Achse. Sie reisen in einem Unikat, einem Lkw mit fernbedienbarem Bohrgerät, das eigens für den Geologischen Dienst konzipiert wurde.

„Die ersten solcher Karten hat die Königlich Preußische Geologische Landesanstalt in Berlin entwickelt“, erklärt Rother. Gegründet wurde die im Jahr 1873. Die erste Karte, in der Lotter Geologiedaten stehen, stammt aus dem Jahr 1935 und ist im „Blatt Hasbergen“ zu finden. Aktuelleres steht im Blatt C 3919, Maßstab 1:100000, aus dem Jahr 1987. Künftig soll es Karten im Maßstab 1:25000 geben. Dafür ist der Geologische Dienst landesweit tätig.

Im Vorjahr hat Jürgen Rother in seinem Einsatzgebiet 120 Handbohrungen bis sieben Meter Tiefe vorgenommen. „Interessant könnte es in tieferen Schichten werden“, hofft Rother aus Humoses mit Pollenablagerungen. „Die Pollen werden in unserem Krefelder Institut analysiert, sodass wir eine absolute Eingrenzung des Alters erhalten“, erklärt er.

Die bekannten sieben Lotter Meter beschreibt Rother folgendermaßen: 40 Zentimeter Mutterboden; bis 60 Zentimeter: eisenhaltiger Auensand früherer Flusssysteme; bis 1,60 Meter: weißgrauer Auensand; bis 4,10 Meter: schwachkiesiger Sand der Niederterrassen Ära (Quartär, etwa 2,58 Millionen Jahre alt); bis 7 Meter: grobsandiger Mittelsand.

Nun soll mit Maschinenkraft das Geheimnis der tiefer gelegenen Bodenschichten gelüftet werden, die später dem auswertenden Geologen Dr. Manfred Dölling vorgelegt werden. „Das ist in der hiesigen Region der Auffaltungen von Teutoburger Wald und Wiehengebirge besonders interessant“, betont Rother. Zudem bedeuteten geologische Ergebnisse Daseinsfürsorge, damit Flächen oberhalb von Bodenschätzen nicht bebaut würden.

Derweil schraubt Nils Preusser die je zwei Meter langen Bohrstangen auf eine zwei Meter lange Schappe, eine Art Rohr mit Aussparungen, die das Erdreich aufnehmen und ans Tageslicht bringen. Olaf Müllers treibt die Schappen mit 4,2 Zentimeter Durchmesser per Fernbedienung immer tiefer hinunter. Hämmernder Lärm mit bis zu 100 Dezibel breitet sich aus. „Mit etwa 200 bar, erzeugt durch 180-Joule-Schläge, presst der Hammer das Gestänge in die Erde“, erklärt Müllers und dass er auf diese Weise bereits bis 54 Meter tief gekommen sei. Gold habe er auch schon gefunden, berichtet er schmunzelnd: „Katzengold im Juragestein.“ Das sei Schwefelkies, auch als Pyrit bekannt.

In Lotte geht es unter anderem darum, das Schichtenverzeichnis in der Datenbank fürs Bohrarchiv zu erweitern. Daher notiert Rother die Beschaffenheit des Füllguts der Schappe sowie dessen Farbigkeit. Gespannt wartet er, bis die Meter neun bis elf am Tageslicht sind. „Ab zehn Meter wird es schluffiger und feinkörniger“, beschreibt er die Probe. Dann träufelt er zehnprozentige Salzsäure darauf. Es schäumt leicht. „Die Reaktion zeigt, dass noch Kalk darin ist. Also stammt die Probe aus der Kaltzeit. Bei Wärme hätte sich der Kalk zersetzt“, resümiert er.

Bei 18,90 Meter Tiefe trifft die Schappe nach Wechseln zwischen Schluff und sandigen Schichten auf 120 Millionen Jahre alten Mergeltonstein. Zehn Zentimeter dringt die Schappe noch hinein. Dann ist Schluss. „Humose Schichten haben wir keine gefunden“, bedauert Jürgen Rother. Ihre Lotter Mission ist beendet. Weiter geht es nun in Richtung Ibbenbüren.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/248891?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F177%2F700223%2F700241%2F
Nachrichten-Ticker