Lotte
Aldi verschiebt Alt-Lottes Mitte

Lotte - Es ist eine Erfolgsgeschichte: Mit der Aldi-Ansiedlung in Alt-Lotte wurde der Geldabfluss gebremst, Kaufkraft von außen hereingeholt und Martina Cord veranlasst, ihren Edeka-Markt zu vergrößern sowie dichter heranzurücken. Im Ergebnis hat die inzwischen erweiterte Aldi-Filiale die Ortsmitte von der verkehrsberuhigten Bahnhofstraße an den Kreisel verschoben. Eine...

Freitag, 17.06.2011, 00:06 Uhr

Lotte - Es ist eine Erfolgsgeschichte: Mit der Aldi-Ansiedlung in Alt-Lotte wurde der Geldabfluss gebremst, Kaufkraft von außen hereingeholt und Martina Cord veranlasst, ihren Edeka-Markt zu vergrößern sowie dichter heranzurücken. Im Ergebnis hat die inzwischen erweiterte Aldi-Filiale die Ortsmitte von der verkehrsberuhigten Bahnhofstraße an den Kreisel verschoben. Eine einfache Geschichte aber war das nicht, wie sich Heinz-Bernd Eden, Aldi-Geschäftsführer in Greven, erinnert. Ende der 80er Jahre sei bei einer neuen Standortplanung auch die Gemeinde Lotte ins Blickfeld geraten. Dabei habe Aldi festgestellt, dass die Halener die Filiale in Wallenhorst anstrebten, die Bürener die an der Pagenstecher Straße und die Wersener Westerkappeln. Allein Alt-Lotte schien interessant. Bei 4500 Einwohnern sowie Atter, Velpe, Hollenbergs Hügel und Osterberg im Einzugsgebiet war Edens Vorgänger Horst Petersson - seit Jahren Bürger von Alt-Lotte und inzwischen in der Unternehmenshierarchie weiter aufgestiegen - überzeugt, dass hier eine Filiale wirtschaftlich zu betreiben sei. Doch bis zur Eröffnung am 2. September 1996 vergingen noch sechs Jahre, dreimal mehr Zeit als üblich. Die Gemeinde und den Einzelhandelsverband wusste Aldi auf seiner Seite; nicht aber die von der späteren NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben geführte Industrie- und Handelskammer in Münster. Dort bevorzugte man wenn überhaupt einen Standort nördlich der alten B65 an der verkehrsberuhigten Bahnhofstraße. „Ungünstig für uns, weil die weitaus meisten Kunden mit dem Auto kommen“, weiß Heinz-Bernd Eden. Noch viele Standorte wurden geprüft. Damals aber war Lotte die Kommune im Kreis Steinfurt mit der geringsten Kaufkraftbindung. Dieses Faktum und der Hinweis des Einzelhandelsverbandes, dass „großflächige Handelsformen vor allem in kleineren Gemeinden immer geeignet sind, Kaufkraftströme zu beeinflussen - im speziellen Fall Aldi mit Sicherheit positiv“, führte schließlich zum Umdenken. Dass der Verband recht behielt, bestätigt Gesine Hinrichs von der Wirtschaftsförderung des Kreises Steinfurt. Nach ihren Zahlen von 2009 liegt Lotte bei der Kaufkraft heute trotz der Nähe zur Einkaufsmetropole Osnabrück nur ganz knapp unter dem Schnitt im Kreisgebiet. Rheine, Ibbenbüren, Recke, Hörstel, Hopsten und Mettingen rangieren allein im Tecklenburger Land dahinter. Filialleiter der ersten Stunde war Georg Pelz, und er ist es bis heute. Auch dies hat nach Edens Überzeugung die Erfolgsgeschichte von Aldi in Lotte mit befördert. Als Pelz vor einigen Jahren nach längerer krankheitsbedingter Abwesenheit in seinen Markt zurückkehrte, sei er von vielen Kunden „herzlich, bis hin zu Umarmungen“ begrüßt worden, freut sich Petersson mit dem „heimlichen Bürgermeister von Alt-Lotte“. Der stehe für freundliches Auftreten, Ordnung und Sauberkeit im Laden und trage damit maßgeblich zu einer starken Kundenbindung bei. Dass Aldi für Edeka , das in die von „Preisgut“ hinterlassenen Räume auf der anderen Seite des Kreisels umzog, nicht zur schädlichen Konkurrenz wurde, sondern, wie Eigentümerin Martina Cord bestätigt, sogar umsatzfördernd wirkte, hat für Horst Petersson ganz eindeutige Gründe: „Edeka hat 20 000 Artikel im Sortiment, wir 800 - das Nebeneinander zweier solcher Läden ist optimal, weil wir uns gut ergänzen.“ Der Erfolg zeigt sich nicht nur in der Kaufkraftstatistik. Nach neunjährigem Bestehen entstanden Überlegungen, die Aldi-Filiale kräftig zu erweitern. 2008 war dies vollzogen. Ähnliches steht in näherer Zukunft bei Martina Cord an. Georg Pelz sieht diese erfreuliche Entwicklung noch nicht am Ende: „Jetzt kommen die Neubürger aus der NATO-Siedlung noch dazu, und die ständig besser werdende Situation am Kreisel hilft uns auch.“ Das alles aber ist so ohne Weiteres nicht auf Wersen übertragbar. Auf Anfrage der Gemeinde hat Horst Petersson für Aldi mitgeteilt, dass Wersen als Standort nicht infrage komme, da es im Einzugsbereich von mindestens vier anderen Filialen liege: „Das rechnet sich nicht.“ Auch bei Lidl besteht nach den Worten seines Akquisiteurs Gordon Gattermann derzeit kein konkretes Interesse. „An der Gemeinde Lotte grundsätzlich schon, aber an dem Standort, den das Einzelhandelskonzept vorsieht, nicht“, sagt er. Gerne wäre er an das Gewerbegebiet Heuers Moor gegangen. Die Lage bei Eversmeyer sei zwar gut, aber recht eng und, wie sich inzwischen gezeigt habe, zum Teil im Überschwemmungsgebiet der Düte. Bliebe noch Famila, eine Art Discounter aus dem Hause Bünting, zu dem auch Markant gehört. Doch dem Vernehmen nach gibt es auch dort derzeit keine konkreten Überlegungen zu Wersen.

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