Wie ein junger Wersener mit Down-Syndrom lebt und arbeitet
Fröhlich, fleißig, Fußballfan

Wersen/Ledde -

„Guten Morgen, du altes Haus“, begrüßt Christian Pein aus Wersen fröhlich Nikolai Mathis beim Eintreten in die Werkstatt. Fröhlich ist er meistens, denn er fühlt sich sichtbar wohl an seinem Arbeitsplatz in den Ledder Werkstätten. Seit über vier Jahren übt er in der Werkstatt „Eigene Fertigkeiten und Montage“ sein Handwerk aus.

Freitag, 27.07.2012, 17:07 Uhr

Wie ein junger Wersener mit Down-Syndrom lebt und arbeitet : Fröhlich, fleißig, Fußballfan
An seinem Arbeitsplatz in den Ledder Werkstätten fühlt sich Christian, hier mit Betreuer Nicolai Mathis,sehr wohl. Foto: Erna Berg

„Guten Morgen, du altes Haus“, begrüßt Christian Pein aus Wersen fröhlich Nikolai Mathis beim Eintreten in die Werkstatt . Fröhlich ist er meistens, denn er fühlt sich sichtbar wohl an seinem Arbeitsplatz in den Ledder Werkstätten. Seit über vier Jahren übt er in der Werkstatt „Eigene Fertigkeiten und Montage“ sein Handwerk aus und wird von Nikolai Mathis und Matthias Breulmann betreut.

Die beiden Fachkräfte zur Arbeits- und Berufsförderung unterstützen Christian Pein und seine Arbeitskollegen bei der Fertigung von Feueranzündern, denn sie sind Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen. Christian hat das Down- Syndrom, in den aktuellen Diskussionen um Bluttests zur pränatalen Diagnose auch als Trisomie 21 bezeichnet.

In der Werkstatt werden kleine Holzblöcke gespalten, die Holzstifte sortiert, mit gewachstem Docht gebündelt und in Pappröllchen geschoben, in siebähnliche Körbe gepackt und im Ganzen dann im Tauchbad gewachst. Schließlich landen sie für den Verkauf doppelt verpackt in Kartons mit je 320 Anzündern.

Das sind viele Arbeitsschritte an vielen Tischen. „Normalerweise rotieren die Mitarbeiter, aber Christian fühlt sich an seinem gewohnten Arbeitsplatz direkt am Fenster am wohlsten“, berichtet der Betreuer. Der Wersener vermisst zunächst Küchenpapierrollen und schneidet sie dann mit der Papierschneidemaschine, die Mathis wie die anderen Geräte auf den Tischen selber entworfen und hergestellt hat, passgenau zu.

Auf der Fensterbank hinter Christian Pein steht ein kleines Radiogerät. Ab und zu bringt er eine von seinen 200 CDs mit, die ihm oder seinen Kollegen gefallen. Am liebsten hört er Pop- oder Karnevalsmusik. „Einmal hat Christian Lambada-Musik aufgelegt, seine Freundin Monika geschnappt und mit ihr einen fetzigen Tanz auf Parkett gelegt“, schmunzelt Nikolai Mathis Mathis.

„Wir verstehen uns richtig gut“, sagt Mathis, „doch es kommt auch schon mal vor, dass Christian traurig ist und ein paar Tränen vergießt. Aber wir haben bis jetzt immer eine Lösung für die Ursache gefunden, und alles war wieder gut.“

Über den jungen Mann möchte er gerne noch sagen, dass der sehr gut in der Gruppe integriert und beliebt sei. Christian spiele in Ledde Tischtennis und sei begeisterter Trommler in der „Blech Drum Band“.

Nach unserem ersten Pressetermin begleitet der junge Kavalier mich bis zum Auto, fragt aber auch spontan, wann wir uns denn wieder sehen werden.

Wir sehen uns zwei Tage später bei ihm zu Hause. Christian ist wieder bester Laune und telefoniert gerade mit seiner Freundin Monika. „Wenn er morgens um halb sechs aufsteht, fängt er schon an zu lachen und mir geht’s dann auch sofort gut“, erzählt Vater Bernd. Sein Sohn ist schon ganz aufgeregt, weil es bald losgeht zum ersten Saisonspiel des VfL Osnabrück. Er hat die tageszeitung auf seinem Schreibtisch liegen, aufgeschlagen die Seite über das Spiel gegen Dortmund. Er trägt sein Lieblingstrikot mit dem Namen des zurück gekehrten Thomik, doch sein Lieblingsspieler ist immer noch Jan Tauer. Den werde er heute vermissen. 4:0 tippt Christian optimistisch. Vater Bernd kauft seit Jahren Dauerkarten. Bevor das Spiel beginnt, stärken sie ihre Nerven mit VfL-Bratwürstchen – Christians Leibgericht.

Als die Tore fallen, springt der junge Mann jubelnd auf und pfeift auf seiner Trillerpfeife, was das Zeug hält. Hätte Christian seine ganze „Blech Drum Band“ aus Ledde mitgebracht, hätten sie die Stimmung im Stadion sicher zum Überkochen gebracht, so laut trommeln die Drummer auf abgesägten Blech- und Kunststofffässern. Bernd Pein kennt die trommelnde Betriebs-Band. Jetzt hat Christian Pein zwei Wochen Betriebsurlaub und verbringt die Zeit auf der Burganlage Wittlage in Bad Essen, wo er auch regelmäßig Silvester feiert. Mit seinen Eltern war er im Frühjahr zwei Wochen in Neuharlingersiel; dort wollen sie auch bald wieder hin.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1035272?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F177%2F700213%2F1164195%2F
Protest gegen Thilo Sarrazin
Vor der Hiltruper Stadthalle wird gegen den Auftritt von Thilo Sarrazin demonstriert.
Nachrichten-Ticker