Praxis Dialog verleiht Elternabend Gruppendynamik
Bewegung in der Sprachentwicklung

Lotte/Westerkappeln -

Sprache und Bewegung haben mehr gemeinsam, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Das erfuhren und erlebten Eltern im Alt-Lotter Familienzentrum der AWO-Kita beim Elternabend zum Thema „Sprache und Bewegung“ des Kooperationspartners, der Westerkappelner Praxis Dialog, geradezu gruppendynamisch.

Samstag, 25.05.2013, 16:05 Uhr

„Sprache und Bewegung haben mich mein gesamtes berufliches Leben begleitet“, erklärte Praxisgründer Karl-Heinz Homburg . Er und Gabriele Uebel-Klenner , die als Logopädin in der Awo-Kita Kinder und Eltern begleitet, informierten in kurzweiligen knapp zwei Stunden.

„Wir wollen Sie mit einbeziehen, weil ohne Dialog zwischen Eltern, Erziehern und Therapeuten keine Förderung möglich ist“, betonte Homburg. „Was Kinder lernen sollen und können, müssen sie erlebt haben. Nur was man begriffen hat, kann in den Kopf“, brachte er das Konzept der Sprachförderung auf den gut nachzuvollziehenden Punkt.

Kinder hätten in der Regel keine Sprachstörungen, sondern Sprechstörungen, erklärte Homburg. Das Zentrum für Sprache sei das Gehirn. „Für einen Laut werden circa hundert Muskeln tätig“, verblüffte Gabriele Uebel-Klenner die Zuhörer. Das Zwerchfell drückt Luft gegen die Stimmbänder, die wiederum Töne und Laute erzeugen. Mithilfe von Zunge, Gaumen und Lippen entstehen Sprachlaute. „Die Zunge ist der einzige Muskel im Körper, der nur an einer Stelle befestigt ist. Wir brauchen sie unbedingt, um Sprachlaute zu bilden“, so Homburg.

Schon das Lallen und Gurren von Säuglingen ist Training fürs Sprechen. „Es ist auch eine Art oraler Befriedigung, denn ihre erste Erfahrung ist das Saugen an Mutters Brust“, sagte der Dialog-Chef. Eine sprachförderliche Grundhaltung bei Eltern und Erziehern sei ein wichtiger Baustein zur Sprachentwicklung : Blickkontakt, Zuwendung, die dem Kind signalisiert: Ich nehme dich ernst, Zuhören, gutes sprachliches Vorbild. „Mit Dreijährigen ist es sinnvoll, kurze Sätze zu sprechen mit Inhalten, die das Kind versteht“, riet Karl-Heinz Homburg.

Zur Auflockerung des Abends und zum Erhalt der Aufmerksamkeit animierten die Fachleute ihre Zuhörer zu Aktionen wie der Sprachmaschine. Jeder machte eine andere Bewegung, begleitet von Geräuschen. Dass das allen Spaß machte, belegte, warum das auch Kinder gerne tun: in der Gruppe etwas unternehmen, auch lernen. Daher ist Kommunikation mit Worten, Gesten und Mimik gleichfalls für die Sprach- und Sprechentwicklung wichtig. Dass sich Entwicklungserfolge nicht mit Gewalt erzwingen lassen, betonte Homburg verschiedentlich.

Hirnforscher haben herausgefunden, wer feinmotorisch arbeitet, erzeugt im Gehirn vergleichbare Muster, etwa, wenn man mit der Zungenspitze etwas tut. Daher arbeite“ bei vielen Menschen die Zunge bei fingerfertigem Tun mit. Für die Praxis der Logopädie ergibt sich daraus die Erkenntnis, welche motorischen, das Gehirn anregenden Übungen die Therapie unterstützen. „Das Lernen geschieht mit allen Sinnen, wie Hören, Tasten, Schmecken und so weiter“, betonte Karl-Heinz Homburg.

„Kinder lernen also mit vielen Kanälen, wenn sie lernen“, ergänzte Gabriele Uebel-Klenner. Gefühle gehörten daher gleichermaßen zum Sprechen wie Bewegung. Daher sei bei der Arbeit mit Kindern viel Bewegung sinnvoll.

Als bedenklich beschrieb Karl-Heinz Homburg, dass es zurzeit etwa 35 Prozent sprachauffällige Kinder gebe. „Meistens sind die Ursachen fehlende Kommunikation mit den Eltern. In manchen Familien gibt es täglich nur in 19 Minuten Gespräche, aber die Kinder sitzen stundenlang vorm Fernseher“, sagte er. Ein Tipp: Beim Ansehen von Bilderbüchern nicht abfragen, wo etwas ist, sondern: „Die Kinder müssen führen und erzählen können. Das motiviert sie.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1677679?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F177%2F1783370%2F1783371%2F
Nachrichten-Ticker