Piraten-Kandidat René Rottmann im Interview
Politik nicht von weit oben

Westerkappeln/Tecklenburger Land -

Die Piraten, sie haben alle überrascht, haben die politische Szene mächtig durcheinandergewirbelt. René Rottmann aus Emsdetten tritt bei der Wahl Ende September als Direktkandidat im Wahlkreis Tecklenburger Land plus Emsschiene mit Greven, Emsdetten und Saerbeck für die Piratenpartei an. Über die Berliner Politik und die Themen vor Ort haben wir mit ihm gesprochen.

Mittwoch, 15.05.2013, 05:05 Uhr

René Rottmann tritt als Direktkandidat für die Piraten an.
René Rottmann tritt als Direktkandidat für die Piraten an. Foto: Peter Henrichmann

„Fluch der Karibik“ ist ein toller Piratenfilm, die Piraten vor Afrika sind schlechte Menschen – Piraten, ein doofer Name?

René Rottmann : Darüber kann man streiten. Der Name ist historisch gewachsen. Er kommt aus Schweden und hängt zusammen mit einer verbotenen Internet-Plattform, die viele Menschen genutzt haben. Und wir machen ja auch was Gutes mit dem Namen Piraten. Und schließlich ist man ja auch kein schlechter Mensch, wenn man im Internet Filme herunterlädt.

Hat diese Partei einen personellen Halt in der Region – wer steht hinter dem Kandidaten?

Rottmann: Im Kreis Steinfurt gibt es über 400 000 Einwohner. Und es sind – wenn es hoch kommt – 15 aktive Piraten. Es gibt keinen Kreis- oder Ortsverband. Aber alle Piraten aus dem Wahlkreis haben einstimmig mich gewählt und die stehen auch voll hinter mir. Und wir kooperieren natürlich viel mit den anderen Kreisen im Münsterland.

Also ein ganz neues Gesicht auf der politischen Bühne. Ganz schön mutig . . .?

Rottmann: Ganz neu bin ich nicht, ich war ja schon Landtagskandidat. Viele Menschen haben mich damals darauf angesprochen, dass ich mich bei Podiumsdiskussionen gut geschlagen habe. Die Leuten wollen die Landtags- oder Bundespolitiker nicht mehr hören, die schwafeln ja nur.

Haben Sie Angst zu scheitern?

Rottmann: Nein! Bei der Landtagswahl habe ich es ja auch geschafft, die Piraten nicht zu blamieren. Ich trete an, um Politik zu verändern. Das schafft man nicht, wenn man Angst hat zu scheitern.

Was macht Sie zum geeigneten Mann für den Bundestag in Berlin, was sind ihre Stärken?

Rottmann: Durch meine Ausbildung bin ich sehr geübt im Umgang mit Gesetzestexten. Und ich kann nicht schwafeln, das ist eine meiner Stärken. Zudem bin ich jung und kann frischen Wind in die Politik bringen.

Was kann René Rottmann nicht so gut?

Rottmann: Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Warten liegt mir nicht so . . .

Sie haben als Wahlkämpfer wenig Erfahrung vorzuweisen. Wie soll das laufen?

Rottmann: Ich will Straßenwahlkampf machen und auf die Menschen zugehen. Ich will ihnen zeigen, dass man an der Politik teilhaben kann, dass die Politik nicht nur weit oben stattfindet. Ich werde versuchen, in allen Städten des Wahlkreises einmal gewesen zu sein. Mir ist es viel lieber mit zwei oder drei Menschen intensiv zu sprechen, als 500 Flyer zu verteilen.

Blicken wir in die Region, diesen etwas speziellen Wahlkreis rund um den Großraum Ibbenbüren mit Emsdetten , Greven und Saerbeck als Anhängsel – kennen Sie sich aus im Tecklenburger Land?

Rottmann: Mit dem Bus komme ich da bestimmt hin. Ich bin digital Native, ich mache alles mit dem Handy. Ich kann überall alles finden. Im Tecklenburger Land kenne ich mich grob aus, aber mein Leben spielt sich größtenteils in Emsdetten und in Münster ab. Und natürlich im Netz . . .

Hier gibt es politische Top-Themen, welche sind es nach Ihrer Meinung

Rottmann: Die Themen, die in den nächsten Fragen noch behandelt werden.

Ibbenbüren sieht sich gerne als Schulstadt der Region und hat gerade – wie Greven auch – eine Gesamtschule eingerichtet. Brauchen wir noch mehr Gesamtschulen wie zum Beispiel die in Hörstel oder in Emsdetten?

Rottmann: Die Idee der Gesamtschule ist nett, aber leider schlecht umgesetzt. Wir brauchen ein völlig neues Bildungssystem, eine fließende Schullaufbahn mit flexiblem Kurssystem. Eine einzige Schulform, bei der alles rauskommen kann.

Und was passiert mit den Hauptschulen?

Rottmann: Wir haben ja das Glück, dass die Hauptschulen hier noch vernünftig sind. Die Hauptschule hat aber insgesamt einen schlechten Ruf. Es muss sich was ändern, nicht nur bei den Hauptschulen, sondern am ganzen Bildungssystem.

Der FMO in Greven braucht Millionen Euro Steuergeld. Jetzt setzt man dort voll auf den Billigflieger Ryanair. Haben Sie sich zum FMO eine Meinung gebildet?

Rottmann: Für uns Piraten ist der FMO infrastrukturell sinnvoll. Auch Steuergelder sind okay, wenn es nicht einer dauerhaften Subventionierung gleichkommt. Was beim FMO kritisiert werden muss ist, dass da alles so intransparent ist. Es muss aber alles nachvollziehbar sein, weil es Gelder der Bürger sind, die da reinfließen.

Feuer frei: Wo wollen Sie Akzente setzen, was werden Ihre Themenschwerpunkte sein?

Rottmann: Der Gesellschaft die Illusion der Vollbeschäftigung zu nehmen ist ein Schwerpunkt. Und zu erklären, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen eine gute Lösung für die gesamte Gesellschaft ist.

Nun noch ein Gedanke an ihre politischen Gegner: Wen kennen Sie?

Rottmann: Hermann Stubbe, der Kandidat der Grünen war ein Lehrer von mir. Ein guter und engagierter. Die anderen Kandidaten kenne ich nicht persönlich.

Wie viel Prozent holen Sie für die Piraten am 22. September.

Rottmann: Fünf!

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