Gründung einer Gesamtschule ist beschlossen
Tauziehen in der Standortfrage

Westerkappeln/Lotte -

Die Gründung einer Gesamtschule für Westerkappeln und Lotte ist entschieden. Doch fast wäre der Beschluss noch gescheitert. Vor allem die Politiker aus Lotte zettelten ein Tauziehen in der Standortfrage an. Jetzt gibt es einen wackligen Kompromiss.

Donnerstag, 17.10.2013, 16:10 Uhr

Die Gründung einer Gesamtschule für Westerkappeln und Lotte zum Schuljahr 2014/15 ist seit Mittwochabend entschieden. Doch fast wäre der Beschluss der Verbandsversammlung des Schulzweckverbandes noch gescheitert. Vor allem die Lotter Mitglieder des Gremiums zettelten ein Tauziehen in der Standortfrage an. Am Ende einigten sich die Politiker auf einen wackligen Kompromiss.

Von vertrauensvoller Zusammenarbeit war in der Sitzung im Lotter Rathaus am Mittwoch nur wenig zu spüren. Schon der Antrag von Werner Schwentker (CDU) aus Lotte, die Tagesordnung um den Punkt „Bildung eines Lenkungskreises“ zu ergänzen, stieß auf Seiten der Westerkappelner Vertreter der Verbandsversammlung auf verwirrte Gesichter. Um der Sache willen enthielten sich diese bei der Abstimmung.

Schwentker hatte den Vorstoß unternommen, weil der Lotter Rat sich einen Tag zuvor – wie berichtet – einhellig für einen Lenkungskreis ausgesprochen hatte. Dieser soll ergebnisoffen und transparent über das Raumkonzept und die Standortfrage entscheiden. „Wenn wir eine funktionierende Gesamtschule haben wollen, werden wir noch viele Details klären müssen“, begründete Schwentker den Antrag.

Den Politikern aus Westerkappeln, allen voran Bürgermeister Ullrich Hockenbrink , wollte sich die Sinnhaftigkeit eines Lenkungskreises nicht erschließen. Wenn die neue Schule erst einmal den Betrieb aufgenommen habe, müsse man dieser letztlich die Entscheidung über die Nutzung der Räume in Wersen und Westerkappeln überlassen, sagte Hockenbrink.

Friedhelm Lange (Lotte, CDU) verwies darauf, dass Gutachterin Ulrike Lexis, die das Verfahren begleitet, doch eine Konzeptionsgruppe als Instrument der Vorbereitung vorgeschlagen habe. „Diese Gruppe gibt es nicht.“ Ja, vielleicht sei ein Gremium ganz sinnvoll zur Information und Kommunikation, erwiderte Lexis. Aber eine Konzeptionsgruppe werde in dem Moment überflüssig, in dem die Bezirksregierung einen kommissarischen Schulleiter ernennt. „Diese neue Schule wird recht schnell ein Gesicht bekommen, um das sich dann eine Gruppe von Pädagogen schart“, erklärte Lexis. Und auch Hockenbrink ließ durchblicken, dass die Bezirksregierung schon kurz nach den Herbstferien den künftigen Leiter oder die künftige Leiterin der Gesamtschule benennen will.

Schwentker und Lange forderten, dass für die weitere Planung schnellstmöglich ein aus beiden Orten paritätisch besetzter Lenkungskreis unter Beteiligung der Schulleitung die Arbeit aufnehmen müsse. Sonst werde die Lotter Seite der Errichtung einer Gesamtschule nicht zustimmen.

Ulla Kropf (Westerkappeln, SPD) sah sich außerstande, einfach so einem Gremium zuzustimmen, ohne darüber in ihrem Rat gesprochen zu haben. Heinz Kühlenborg (Westerkappeln, FDP) konnte nicht nachvollziehen, warum neben der ohnehin kleinen Schulverbandsversammlung (zwölf Mitglieder) ein weiterer Arbeitskreis eingerichtet werden soll.

Hockenbrink warnte davor, sich im „Klein-Klein“ zu verlieren und bot in seiner Funktion als Verbandsvorsteher an, bis zur nächsten, schon bald anstehenden Sitzung eine Vorlage auszuarbeiten.

Wer sagt uns, dass die Schule nicht ganz in Westerkappeln stattfindet ?

Susanne Siemering, SPD-Ratsfrau Lotte

Wer unter den Zuhörern dachte, damit sei die Kuh vom Eis, irrte. Denn jetzt ging der Streit erst richtig los. Dabei ging es um die Standortfrage, die die Lotter Vertreter gerne von einem Lenkungskreis entschieden gesehen hätten. Doch Melanie Jaretzki von der Westerkappelner Gemeindeverwaltung teilte mit, dass die Bezirksregierung im Antrag zur Gesamtschule seit Neuestem eine Festlegung verlangt, wie die künftigen Jahrgänge verteilt werden sollen.

Fußend auf das Raumkonzept lautete der Beschlussvorschlag, die Jahrgänge 5 bis 8 langfristig am Standort Lotte-Wersen zu beschulen und die Klassen 9 bis 13 – also auch die gymnasiale Oberstufe – in Westerkappeln einzurichten.

Diese Festlegung wollten die Lotter Vertreter nicht mittragen, obwohl Gutachterin Lexis zuvor deutlich gemacht hatte, dass das aktuelle Raumkonzept kaum Alternativen zulasse, so ein Beschluss später aber auch wieder geändert werden könne. „Dann lassen sie es uns doch umdrehen“, schlug Schwentker vor.

Susanne Siemering (Lotte, SPD) sah den Schwerpunkt des Raumkonzeptes eindeutig in Westerkappeln. Dort werde die Gesamtschule starten, dort solle die Schulleitung sitzen und die Oberstufe werden dort ebenfalls eingerichtet. „Wer sagt uns, dass die Schule nicht ganz in Westerkappeln stattfindet ?“.

Wir sitzen zwischen Baum und Borke

rainer lammers, Bürgermeister Lotte

Hockenbrink und sein Lotter Kollege Rainer Lammers kritisierten angesichts des Diskussionsverlaufs das Kirchtumdenken. „Wir sitzen zwischen Baum und Borke“, meinte Lammers, dem aus den eigenen Ratsreihen mangelnde Rückendeckung vorgeworfen wurde.

Schließlich machte Werner Borchelt, Hauptamtsleiter in Lotte, einen Kompromissvorschlag. Auf eine Festlegung der Standorte, wie zunächst empfohlen, solle verzichtet werden. Wenn die Bezirksregierung doch darauf poche, müsse die Verbandsversammlung eben noch einmal tagen.

Aller Voraussicht nach wird das schon in Kürze der Fall sein. Denn die Behörde in Münster wird so eine Festlegung verlangen, wie Ulla Lütkehermölle, Sprecherin der Bezirksregierung, auf WN-Nachfrage erklärte. „Wir wollen auf jeden Fall wissen, wo die Schüler unterrichtet werden.“ Denn es müsse vor einer Genehmigung feststehen, ob die Räumlichkeiten ausreichen und alle pädagogischen Belange berücksichtigt werden. Nicht zuletzt hätten auch die Eltern einen Anspruch auf Klarheit.

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