Team aus Lotte ist dabei
Meisterschaft der Unfallretter

Lotte/Osnabrück -

Seit 2011 gibt es das Technische Rettungsteam (TRT) bei der Freiwilligen Feuerwehr Lotte. Am kommenden Wochenende nehmen die Unfallretter zum fünften Mal an der Deutschen TRT-Meisterschaft teil – diesmal direkt vor der Haustür, in der Halle Gartlage in Osnabrück.

Mittwoch, 08.06.2016, 15:06 Uhr

Die Retter müssen im Vergleichswettbewerb ein Unfallszenario richtig einschätzen, mit diversen Werkzeugen Verletzte aus dem Fahrzeug bergen und die Erstversorgung übernehmen. Die Schlussphase ist die schwierigste: Mit vereinten Kräften wird der Verletzte aus dem Autowrack gezogen.
Die Retter müssen im Vergleichswettbewerb ein Unfallszenario richtig einschätzen, mit diversen Werkzeugen Verletzte aus dem Fahrzeug bergen und die Erstversorgung übernehmen. Die Schlussphase ist die schwierigste: Mit vereinten Kräften wird der Verletzte aus dem Autowrack gezogen. Foto: Thomas Niggemann

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Die Rescue Challenge 2016, die Deutsche Meisterschaft der Rettungskräfte, wird vom Verein zur Förderung des deutschen Unfallrettungswesens, dem Dachverband der Rettungsteams, ausgerichtet. Seit 2006 gibt es diesen Vergleichswettkampf, bei dem es laut Lottes TRT-Captain Bastian Bartels aber weniger darum geht, unbedingt aufs Siegertreppchen zu kommen, als ums Üben und Lernen: „Der Weg ist das Ziel“, sagt der Teamchef.

Sowohl der Dachverband, als auch die aus dem Wersener Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr Lotte entstandene, acht Mitglieder starke Truppe sind international vernetzt. 2012 folgten die Lotter Unfallretter einer Einladung zur südenglischen Rescue Challenge in Hampshire und konnten sich damit erstmals international behaupten.

Deshalb auch die englischen Bezeichnungen nicht nur fürs Team, sondern auch für die Funktionen seiner Mitglieder und für die Disziplinen im Wettkampf, englisch „Challenge“: Kapitän Bastian Bartels ist der Captain oder Incident Commander, der für die innere Rettung/medizinische Erstversorgung Zuständige Janec Hofer der „Medic“, Florian Feist und Julian Birkenkämper sind „Tools“ (Werkzeugspezialisten), Julia Brüske und Nils Gebauer „Safety“, also für die Sicherheit zuständig. Verstärkt wird das Team durch Jan-Hendrik Meyer und David Schaarschmidt.

19 Teams hatten sich für die diesjährige Meisterschaft in Osnabrück angemeldet, eines musste absagen, berichten Bastian Bartels und Julian Birkenkämper. Auch das Lotter Team ist nur mit sechs von acht Rettern vertreten. Mit den anderen 17 Teams wird sich das TRT Lotte nach der Einweisung und Vorbesprechung am Freitag am Samstag in der Zeit von 8 bis 16.30 Uhr und am Sonntag von 8 bis 16 Uhr – dann ist die Siegerehrung – in den Disziplinen „Standard“ und „Rapid“ messen.

„Rapid“ bedeute, das Team hat zehn Minuten Zeit, einen nicht ganz so schwer Verletzten aus einem weniger deformierten Auto zu retten, erklärt Bartels. Für das Standard-Szenario gilt ein Limit von 20 Minuten, aber: „Da kann alles passieren“, sagen die beiden – von auslaufendem Benzin bis zur Explosion eine Gasflasche im Kofferraum, während die Retter den eingeklemmten Fahrer aus dem völlig zerstörten Fahrzeug bergen müssen.

Sechs der acht Unfallretter vom TRT Lotte nehmen in Osnabrück an der Rescue Challenge teil.

Sechs der acht Unfallretter vom TRT Lotte nehmen in Osnabrück an der Rescue Challenge teil. Foto: Thomas Niggemann

Erstmals finde in diesem Jahr auch ein Traumaworkshop statt. Dabei müsse innerhalb von zehn Minuten ein medizinischer Einsatz, etwa bei einem Arbeitsunfall, von der Erstversorgung bis zu weiteren Maßnahmen abgearbeitet werden. Daran nehmen zwei Lotter teil, nämlich Janec Hofer und Nils Gebauer.

Bevor in der Halle Gartlage mit Schrottautos die Unfallszenarien nach echten Unfällen nachgestellt werden, sind die Teams in Klausur, damit sie vorher nicht wissen, was auf sie zukommt. Bewertet werde von den Schiedsrichtern – laut Bartels allesamt hochrangige Feuerwehrleute, Notärzte und erfahrene Sanitäter – nicht die Schnelligkeit, sondern „was man macht und wie man es macht“ und welche weiteren Schritte veranlasst werden. Und natürlich gebe es eine Nachbereitung.

Zuschauer, und zwar nicht nur Feuerwehrleute, sind willkommen, der Eintritt ist frei; Sitzplätze gibt es in der Wettkampfhalle auch. In der Halle nebenan gibt es eine kleine Fachausstellung für Rettungsgeräte und -mittel. Im Unterschied zu England, wo die Rettungsteams eher militärischen Ursprungs seien, die Ausrüstung breiter gefächert sei, von sehr vielen Herstellern komme und die Challenges eher richtigen Wettkampfcharakter hätten, kommen Rettungsscheren, Spreizer und Co. in Deutschland nur von zwei Herstellen, berichten Bartels und Birkenkämper. Hierzulande sei die Unfallrettung auch stärker mit der Feuerwehr verknüpft.

Ein großes Dankeschön möchten beide aber in Richtung Servicebetrieb der Gemeinde Lotte los werden, der „völlig unkompliziert“ einen Radlader zur Verfügung stelle: „Die haben uns super unterstützt“, betont Bastian Bartels.

Am Samstag sind die Lotter entgegen der ursprünglichen Planung übrigens nicht als Erste, sondern erst gegen 15.20 Uhr dran, also so ziemlich als letztes Team.

Und auch wenn dabei sein alles ist, so hoffen die Westfalen vor den Pforten des niedersächsischen Osnabrück natürlich doch, sich unter der Konkurrenz aus Schleswig-Holstein, Thüringen, Hessen oder Bayern gut platzieren zu können. „Letztes Jahr bei der Rescue Challenge in Bayern waren wir nur zu Fünft angetreten und kamen auf den 7. Platz“, erzählt Florian Birkenkämper, „da waren wir echt stolz“.

Letztlich sei aber die Siegerehrung gar nicht so entscheidend. „Es ist das Gesamtpaket“, sagt Bastian Bartels, „man lernt was, trifft Leute wieder, tauscht Erfahrungen aus und wir Männer dürfen mit Werkzeug arbeiten.“

Hinterher sei man zwar geschafft, aber es mache Spaß: „Das ist es, worauf es ankommt. Sonst würden wir das nicht machen!“

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