Eschensterben in Lotte
Befallene Bäume sind nicht zu retten

Lotte -

Seit fast einem Jahrzehnt breitet sich das Eschensterben in Deutschland aus: von Süden nach Norden. 2009 wurde der Pilz, der erst die Triebe und später den ganzen Baum absterben lässt, in NRW zum ersten Mal nachgewiesen. Seit diesem Jahr grassiert die Seuche auch in Lotte.

Dienstag, 25.10.2016, 20:10 Uhr

Kranke Esche (Mitte) an der L 597 zwischen Wersen und Alt-Lotte kurz vor dem Bahnübergang.
Kranke Esche (Mitte) an der L 597 zwischen Wersen und Alt-Lotte kurz vor dem Bahnübergang. Foto: Angelika Hitzke

Erstmals aufgefallen sei das Problem in der Gemeinde bei der Regelkontrolle durch Baumpfleger Martin Pötter im Frühjahr dieses Jahres, berichtet Lottes Umweltbeauftragte Ursula Wilm-Chemnitz : In Osterberg an der Tecklenburger Straße, am Sonnenkamp in Wersen oder an der Wersener Straße kurz vor dem Lotter Bahnhof zeige sich die Erkrankung der dortigen Eschen an einzelnen abgestorbenen Trieben und an der Bildung von sogenannten Sekundärkronen.

Ursache, so erklärt Volker Koch vom Regionalforstamt Münsterland, kommissarischer Nachfolger des verstorbenen Revierförsters Ansgar Bregen-Meiners, ist ein Schlauchpilz mit dem botanischen Namen Hymensocyphus pseudoalbidus (Falsches weißes Stengelbecherchen). „Das normale weiße Stengelbecherchen ist harmlos“, ergänzt Wilm-Chemnitz. Der tödliche Pilz dagegen ist laut Koch „sehr aggressiv“ und wurde aus Japan nach Europa eingeschleppt. Wie das ? „Die meisten Schädlinge werden durch Verpackungen, zum Beispiel Holzkisten, eingeschleppt“, erläutert.

„Wir haben da ein Riesenproblem“, verdeutlicht Ursula Wilm-Chemnitz den Ernst der Lage. Obwohl die Esche nur zwischen fünf und zehn Prozent des Baumbestandes in der Gemeinde ausmache – etwa 50 Eschen sind allein im Straßenbegleitgrünkataster erfasst –, sei sie ein „Superbaum“: Aus ihrem Edelholz werden nämlich nicht nur Möbel, sondern auch die Holme beispielsweise für Barren und die Stiele für allerlei Garten- und Sportgeräte angefertigt. Sie wegen des Pilzbefalls vorzeitig fällen zu müssen, bedeute also einen großen Verlust.

Und bei den befallenen Exemplaren hilft nach ihren Worten nur die Säge: „Rückschnitt oder das Laub verbrennen hat keinen Sinn, denn der Pilz ist überall.“

Bereits abgestorben: jüngste Triebe der Esche am Sonnenkamp.

Bereits abgestorben: jüngste Triebe der Esche am Sonnenkamp. Foto: Ursula Wilm Chemnitz

Er „bildet im Sommer auf den am Boden liegenden vorjährigen Blattspindeln unscheinbare Fruchtkörper aus. Diese Fruchtkörper entlassen Sporen, die mit dem Wind verfrachtet werden und die Blätter infizieren. Der Pilz wächst dann ausgehend von den Blättern in das unverholzte Mark von Zweigen und Trieben. Erst wenn das Mark erfolgreich besiedelt wurde, wächst der Pilz in die bereits verholzten Bereiche weiter. Die Infektion erfolgt ausschließlich über die Sporen. Befallenes Holz ist dagegen nicht infektiös“, heißt es dazu auf der Internetseite waldwissen.net, einem Ratgeber für Waldbesitzer.

Als erste Symptome zeigen sich laut Koch bei den vom Pilz befallenen Eschen bräunliche Verfärbungen der Blattspindeln. „Die Blätter welken, kräuseln sich und fallen ab. Um die Zweig- und Astansätze ringeln sich Rindennekrosen, der Saftstrom wird durch diese geschädigten Zellen unterbrochen, der Astabschnitt unterhalb der Nekrose stirbt ab, der Trieb wird kahl. Die darüberliegenden Knospen treiben aus und führen zu einer Verbuschung der Krone, sogenannten Sekundärkronen – eine Abwehr- oder Panikreaktion des Baums sozusagen. Aber zu retten ist dann nichts mehr, denn „der Pilz sitzt schon drin“, betonte der Förster.

Einzige Möglichkeit, seine Ausbereitung zu verhindern, ist das Fällen der erkrankten Eschen, mit dem man deshalb nicht zu lange warten dürfe. Zumal mit dem Fortschreiten der Erkrankung die Bruchgefahr zu- und die Standfestigkeit abnimmt: „Spätestens, wenn sich am Fuß Hallimasch ansiedelt“, sei auch die Standfestigkeit der Bäume gefährdet.

Einen Lichtblick gibt es allerdings: Einzelne Eschen, etwa ein bis zwei Prozent des gesamten Eschenbestandes, haben sich als resistent erwiesen gegen diesen Pilz. Diese gesunden Eschen, appelliert Ursula Wilm-Chemnitz an alle Waldbesitzer, sollte man unbedingt stehen lassen, damit gesundes Saatgut resistenter Bäume gewonnen werden könne. Die Umweltbeauftragte der Gemeinde bittet auch darum, symptomfreie Eschen zwecks Dokumentierung und eventueller Anlage von Samenplantagen zu melden. Bis auf diese Weise neue, resistente Bäume zur Verfügung stehen, rät der Förster davon ab, Eschen zu pflanzen.

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