Wersener Heide kommt in Obhut der Deutschen Bundesstiftung Umwelt
Nationales Naturerbe vor der Haustür

Westerkappeln/Lotte -

Seit 2005 stellt der Bund frühere Militärflächen für den Naturschutz zur Verfügung. Der größte Träger dieses nationalen Naturerbes ist die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. In Nordrhein-Westfalen betreut sie demnächst elf Flächen mit zusammen mehr als 5500 Hektar. Dazu gehört auch die Wersener Heide bei Westerkappeln.

Mittwoch, 26.10.2016, 14:10 Uhr

Ohne Landschaftspflege würde auf den Heideflächen der Wald sprießen. Forstwirt Sigfried Foullois mäht hier die Spätblühende Traubenkirsche.
Ohne Landschaftspflege würde auf den Heideflächen der Wald sprießen. Forstwirt Sigfried Foullois mäht hier die Spätblühende Traubenkirsche. Foto: Hermann Pentermann/dpa

Kühl liegt der Nebel über der Wersener Heide. Eine flache Heidelandschaft, ab und zu stehen kleinere Büsche und Bäume auf der Fläche. „Hier, sehen sie“, sagt Jürgen Rost . „Das Kleine Habichtskraut“, erklärt der Leiter des Bundesforstbetriebes Rhein-Weser in Münster und zeigt auf eine kleine gelbe Blume. Die meisten Spaziergänger wären daran achtlos vorübergegangen. Aber bei Rost, seinem Revierleiter Rainer Schmidt und Werner Wahmhoff , stellvertretender Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, löst sie Begeisterung aus: Die Pflanze hat sonst kaum noch natürlichen Lebensraum.

Ortstermin in der Wersener Heide mit (von links) Werner Wamhoff, Jürgen Rost, Leiter Bundesforstbetrieb Rhein-Weser, und Revierleiter Rainer Schmidt.

Ortstermin in der Wersener Heide mit (von links) Werner Wamhoff, Jürgen Rost, Leiter Bundesforstbetrieb Rhein-Weser, und Revierleiter Rainer Schmidt. Foto: Hermann Pentermann/dpa

Die Wersener Heide auf der Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen war bis vor wenigen Jahren noch ein Truppenübungsplatz der britischen Rheinarmee. Seit dem Ende des Kalten Krieges benötigt das Militär deutlich weniger Flächen. Um die wertvollen Naturschutzgebiete zu erhalten, wurden seit 2005 viele Areale als sogenanntes Nationales Naturerbe in die Obhut von Stiftungen gegeben.

Für den Löwenanteil zeichnet die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) verantwortlich. Am morgigen Freitag überträgt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) in Haltern weitere 23 Flächen an die Bundesstiftung. Zehn von ihnen liegen in NRW, fünf in Niedersachsen. Die Wersener Heide ist mit über 1000 Hektar eine der größeren Flächen. Schon länger betreut die DBU ein Gebiet in der Wahner Heide bei Köln.

Das Militär hatte ein Interesse daran, dass die Jahrhunderte alte offene Heidelandschaft erhalten blieb, erklärt Rost die besondere Bedeutung der Wersener Heide. Während sich ringsum die Landwirtschaft änderte und die Landschaft mit ihr – weil die Felder immer größer wurden und ärmer an Arten – sei auf den Militärflächen die Zeit stehen geblieben. „Wie unter einer Käseglocke hat die militärische Nutzung hier die Veränderung der Landschaft verhindert“, sagt Rost. Wer einen im 18. Jahrhundert spielenden Historienfilm drehen wolle, hätte hier die Landschaft dafür.

Auch Schafe halten den Bewuchs klein.

Auch Schafe halten den Bewuchs klein. Foto: Hermann Pentermann

„Uns ist an einem starken Partner gelegen, mit dem wir die Zukunft der Naturschutzgebiete sichern können“, sagt Rost. Denn das Militär zahlte für die Geländepflege, von der auch der Naturschutz profitierte. Noch 2015 seien dafür eine Million Euro aus dem britischen Militärhaushalt nach Nordrhein-Westfalen geflossen. Es geht also auch darum, eine Finanzierungslücke zu schließen. Die DBU stelle pro Jahr fünf Millionen Euro für die bald 70 DBU-Naturschutzflächen zur Verfügung, sagt Wahmhoff. „Das sind rund 70 Euro pro Hektar.“

Im Wesentlichen geht es um Landschaftspflege. Zum Beispiel müssen die offenen Heideflächen erhalten werden. „Wenn wir hier nichts machen, ist hier in drei Jahren alles Wald“, sagt Revierleiter Schmidt. Andererseits sollen die ebenfalls vorhandenen Waldflächen naturnah sein. Die Waldstücke, in denen Kiefer-Monokulturen entstanden sind, sollen zu Mischwäldern umgestaltet werden.

Ziel ist der Erhalt der Artenvielfalt, sagt Rost. „In Mitteleuropa sind die offenen und halboffenen Freiflächen mit einzelnen Bäumen oder Büschen viel artenreicher als die Wälder“, ergänzt Wahmhoff.

In der Wersener Heide wachsen auch Flechten.

In der Wersener Heide wachsen auch Flechten. Foto: Hermann Pentermann

In der Wersener Heide sind nicht nur seltene Blumen und Kräuter zu Hause. Auch viele Vogelarten haben hier ihre Brutreviere oder sollen sie wieder bekommen: Etwa der Ziegenmelker, die Feldlerche, der Wiedehopf, das Schwarzkelchen oder der Steinkauz.

Besucher müssen derzeit außen vor bleiben. Denn das Gelände war im Zweiten Weltkrieg ein Militärflughafen und wurde entsprechend von den Alliierten bombardiert. An vielen Stellen muss mit Blindgängern gerechnet werden. Es sollen aber Wege angelegt werden, auf denen die Menschen das Naturschutzgebiet erleben können. Dann können sie auch wieder den Lungen-Enzian bewundern, wenn er blüht. Wahmhoff hat ihn schon gesehen: „Eine ganze Wiese, ganz blau. Einfach toll.“

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