Zuschuss fürs TRT, aber kein Geld für die Sportfreunde Lotte
Eine Streitfrage der Gerechtigkeit

Lotte -

Mit ihren Anträgen auf finanzielle Unterstützung scheiterten die Sportfreunde Lotte im Haupt- und Finanzausschuss der Gemeinde. Im nicht-öffentlichen Teil derselben Sitzung wurde dem Technischen Rettungsteam (TRT) der Feuerwehr dann ein Zuschuss gewährt. Ungerecht?

Freitag, 28.10.2016, 16:10 Uhr

Das TRT Lotte feiert die deutsche Meisterschaft im Gerätehaus – und wird von der Gemeinde finanziell unterstützt. Die Sportfreunde Lotte hingegen scheiterten mit ihren Anträgen auf Unterstützung durch die Gemeinde.
Das TRT Lotte feiert die deutsche Meisterschaft im Gerätehaus – und wird von der Gemeinde finanziell unterstützt. Die Sportfreunde Lotte hingegen scheiterten mit ihren Anträgen auf Unterstützung durch die Gemeinde. Foto: Erna Berg

Im Haupt- und Finanzausschuss hatte die Mehrheit aus SPD, Grünen und FDP kürzlich zwei Anträge der Sportfreunde Lotte auf Kostenbeteiligung an behördlich angeordneten Verkehrsregelungen sowie für die vorgeschriebenen Brandschutzwachen am Stadion abgelehnt, den Kostenzuschuss für das TRT Lotte für die Teilnahme an den Weltmeisterschaften der Unfallretter in Brasilien aber gebilligt.

CDU-Fraktionschef Werner Schwentker hatte es – wie berichtet – als „unglücklich“ bezeichnet, den Antrag des einen Vereins abzulehnen, den eines anderen aber zu bewilligen. Damit der Gemeinde keine unzulässige Ungleichbehandlung vorgeworfen werden könne, so seine Anregung im nicht-öffentlichen Teil der Ausschusssitzung, solle sich das Gremium grundsätzlich mit klaren Regeln zur Vereinsförderung befassen.

Der Lotter Bürgermeister Rainer Lammers betont hingegen, dass es diese Richtschnur schon gebe: „Im Grunde haben wir nur eine Regel, nämlich: Wir haben kein Geld. Leitlinie ist eben, keine freiwilligen Ausgaben zu tätigen. Die Vereine sollten in der Lage sein, sich selbst zu finanzieren.“

Inzwischen stehe die Gemeinde mit ihrem Haushalt „nicht ganz gut, aber auch nicht ganz schlecht“ da. Bei dem Unfallrettungsteam der Feuerwehr habe man die „einzige Ausnahme“ von der Regel gemacht, weil die jungen Ehrenamtlichen Deutscher Meister geworden seien, eigenes Geld investiert und weitere Sponsoren geworben hätten und man ihnen die Chance nicht habe verbauen wollen, vielleicht sogar Weltmeister zu werden. Das hat zwar nicht geklappt – die Lotter kamen laut ihrer Facebook-Seite auf den 17. Platz unter 32 Teilnehmerteams –, aber „das hätte auch anders ausgehen können“, meint Lammers.

Während die Freiwillige Feuerwehr und ihr technisches Unfallrettungsteam ehrenamtlich im Dienst für die Allgemeinheit tätig seien, engagierten sich bei den Sportfreunden zwar auch viele Mitglieder ehrenamtlich. Die Kosten, auf die sich die beiden Anträge der Sportfreunde Lotte bezogen, entstünden aber letztlich im Zusammenhang mit dem Aufstieg der Fußballer in die Dritte Liga, also den Profibereich – so jedenfalls argumentiere die Ratsmehrheit, erklärte der Bürgermeister: „Die haben ja auch Einnahmen durch Eintritt, DFB-Pokal und Fernsehrechte“, sagt er. Lammers selbst macht keinen Hehl daraus, dass er persönlich die Sportfreunde eigentlich unterstützen wollte. „Ich habe mich damals der Stimme enthalten“, zeigte er Verständnis für beide Seiten.

Die Frage einer möglichen Förderung sei also nicht ganz einfach, „aber wir versuchen, alle Vereine gleichzubehandeln“, betont der Bürgermeister. Er hält es für „ein schwieriges Unterfangen“, jetzt genaue Richtlinien aufstellen zu wollen.

CDU-Ratsherr Horst Petersson hatte in der jüngsten Gemeinderatssitzung erneut die positive Imagewirkung der Sportfreunde-Erfolge für die „Marke Lotte“ hervorgehoben und angeregt, die im Masterplan erarbeiteten Ortsmarketing-Grundsätze zu beachten. Auch er habe sich für die Erarbeitung von Grundregeln für Förderungen starkgemacht. Die Frage, ob er dies als Antrag in einer der nächsten Sitzungen in die Beratung einbringen wolle, verneint Petersson jedoch. Die Sache werde aber sicherlich noch thematisiert.

Und was sagen die Sportfreunde dazu ? Fußballobmann Manfred Wilke weist darauf hin, dass der Verein als Veranstalter für Einlasskontrollen und den Sicherheitsdienst innerhalb des Stadions verantwortlich ist. Außerhalb des Stadions liegte die Verkehrssicherungspflicht aber bei der Gemeinde, die auch für die Infrastruktur zuständig sei. Man habe in Lotte einen Bahnhof, der stillgelegt sei. Anderenorts würden die Zuschauer mit dem Zug anreisen und vom Bahnhof zum Stadion geleitet. Diese Infrastruktur sei in Lotte nicht da, wofür der Verein nichts könne.

Was die (Werbe-)Einnahmen betreffe, so müssten die Sportfreunde dem DFB alle drei Monate ihre Zahlen offenlegen und die zweckentsprechende Verwendung belegen. Seit 20 Jahren sei immer wieder gefordert worden, dass die SFL-Einnahmen auf alle Vereine verteilt werden müssten. „Die Diskussion allein macht mich schon krank“, sagte Wilke und betonte: „Es ist doch normal, dass, wer mehr macht, auch mehr kriegt.“ Und mehr, als die Sportfreunde fürs Ortsmarketing gemacht hätten, „geht nicht“.

Selbstverständlich entscheide in einer Demokratie die Mehrheit, und jeder habe das Recht, die Dinge anders zu sehen. „Aber ich denke, wenn man die Kommunalpolitiker heute fragt, würden sie vielleicht anders entscheiden“, glaubt Wilke.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4398672?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F177%2F4849613%2F4849616%2F
Liveticker zum Rosenmontagszug in Münster
Karneval: Liveticker zum Rosenmontagszug in Münster
Nachrichten-Ticker