Pastor schlüpft zum Reformationsfest in die Rolle des Bibelübersetzers
Salomo lässt Luther leiden

Lotte -

Zum Reformationsfest schaute der Reformator Martin Luther traditionsgemäß wieder persönlich in der Alt-Lotter Kirchengemeinde vorbei. Diesmal stand er Rede und Antwort zu seinen ganz persönlichen Erfahrungen mit Krankheiten und Ärzten.

Sonntag, 30.10.2016, 16:10 Uhr

Pastor Detlef Salomo  hält einen lebhaften Vortrag über Luthers Krankheiten. Im Anschluss schlüpfte er dann noch in die Rolle des Reformators und stand Annette Salomo zu Fragen von Krankheit und Gesundheit Rede und Antwort.
Pastor Detlef Salomo  hält einen lebhaften Vortrag über Luthers Krankheiten. Im Anschluss schlüpfte er dann noch in die Rolle des Reformators und stand Annette Salomo zu Fragen von Krankheit und Gesundheit Rede und Antwort. Foto: Jannik Zeiser

Im Gottesdienst zum Reformationsfest zog Pastor Detlef Salomo Parallelen zwischen der Reformation der Kirche im 16. Jahrhundert und dem heutigen Zustand der evangelischen Gemeinden in Deutschland : „Kirche muss immer reformiert werden. Das ist das Motto der Reformation.“ Aber wenn er sich in den Gemeinden so umschaue, dann stelle er oft fest, wie die Kirche in ihren eigenen Strukturen gefangen sei, so Salomo. Die Kirche sei derzeit auf der Suche nach ihrer Relevanz und Bedeutung in der Gesellschaft. Er wünsche sich, dass das Reformationsjahr Neuerungen und frischen Wind bringe und der Geist der Reformation fortlebe.

Etwas weniger nachdenklich ging es beim anschließenden Abendessen und dem zugehörigen Vortrag zu: Nachdem die Gäste im Gemeindehaus Arche in den Genuss von Kartoffelsuppe und exotischen Biersorten gekommen waren – letztere selbstverständlich ausgewählt vom Bierkenner Salomo persönlich – präsentierte der Pastor einen kleinen Vortrag über Martin Luthers Leiden und Krankheiten.

In seinen zahlreichen Schriften und Briefwechseln, die Luther hinterlassen hat, sind auch einige recht detaillierte Beschreibungen seiner intimen Leiden enthalten. Detlef Salomo griff für seinen Vortrag auf das Buch „Luthers Leiden“ vom Arzt Hans-Joachim Neumann zurück, der darin die Krankheiten des Reformators historisch-medizinisch aufarbeitet.

Luthers Leiden reichen von Erschöpfungszuständen über Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen, Bluthochdruck und Gicht bis hin zu schweren Nieren- und Blasensteinleiden. Sein Tod im Jahr 1546 geht vermutlich auf einen Herzinfarkt zurück. Salomo sparte nicht an wehklagenden und gleichsam unterhaltsamen Zitaten Luthers, wie beispielsweise einem Auszug aus einem Brief an seinen Freund Melanchthon: „Der Herr schlug mich mit heftigem Schmerz in der Posteriobus; mein Stuhl ist so hart, dass ich gezwungen werde, in mit großer Kraft bis zum Schweißausbruch herauszustoßen.“ Sind solche detaillierten Leidensbeschreibungen geeignet, den Ruf des Reformators zu schädigen? Eher im Gegenteil, fand Pastor Salomo und schloss sich damit der Einschätzung des Arztes Neumann an: Eine Darstellung Luthers aus medizinischer Sicht nehme dem Reformator vielleicht etwas von seinem Nimbus, nötige dafür aber umso mehr Respekt vor den Leistungen ab, die er trotz seiner schweren Krankheiten vollbracht habe.

Krankheiten sind ein ernstes Thema, aber die lebhaften Beschreibungen von Luthers Leiden sind dennoch für Lacher gut.

Krankheiten sind ein ernstes Thema, aber die lebhaften Beschreibungen von Luthers Leiden sind dennoch für Lacher gut. Foto: Jannik Zeiser

Im Anschluss schlüpfte Salomo dann noch in die Rolle des Reformators und stand Annette Salomo zu Fragen von Krankheit und Gesundheit Rede und Antwort. Ist Vorbeugen besser als Heilen? Gemäß einem Luther-Zitat antwortete Salomo darauf: „Die Ärzte haben sich um Kranke zu kümmern, wie die Theologen um Sünder.“

Für das nun anbrechende 500. Jubiläumsjahr des Thesenanschlags hat auch die evangelische Gemeinde in Alt-Lotte ein reichhaltiges Programm geplant. So soll beim Neujahrsempfang eine Lutherstatue enthüllt werden, unter deren Augen etwa ein Bibel-Lesemarathon stattfinden wird. Auch die Aktion „Längste Kaffeetafel Lottes“ soll eine Neuauflage unter den Augen des Reformators erfahren. Im Talk am Dienstag wird im Mai der Berliner Pfarrer und ehemalige Politiker Rainer Eppelmann über das Thema „Gehört das Christentum noch zu Deutschland?“ reden. Im Frühjahr ist eine Abendveranstaltung unter dem Motto „Luther zwitschert wieder“ geplant.Darin werden einige von Luthers Liedern im Zentrum stehen. Auch sonst wird sich das Thema Reformation sowie das Leben Luthers durch alle Gruppen und Veranstaltungen ziehen. Was die Reformationsfeier im nächsten Jahr angehe, so stehe zwar noch kein Programm, wohl aber ein Titel fest: „Der Anschlag“.

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