Willy Brandt Thema beim Dienstagstalk
Hommage an einen Friedensstifter

Lotte -

Dass Referent Dieter Mittelberg große Stücke auf Willy Brandt hält, daraus machte der Westerkappelner SPD-Ratsherr bei seinem Vortrag über den bekannten Genossen keinen Hehl. Er zeichnete beim Männergesprächskreis in Alt-Lotte ein höchst lebendiges Bild des einstigen Spitzenpolitikers.

Mittwoch, 09.11.2016, 17:11 Uhr

Eine Geste wurde zum Symbol: Willy Brandts Kniefall in Warschau steht für die deutsch-polnische Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Eine Geste wurde zum Symbol: Willy Brandts Kniefall in Warschau steht für die deutsch-polnische Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg. Foto: dpa

Denn mit Brandt kennt sich der Westerkappelner SPD-Mann bestens aus: Mindestens 40 Biografien über ihn hat er gelesen, „Willy Brandt ist in meinem Leben eine wichtige Person geworden“, konstatierte Mittelberg . Um ihm die letzte Ehre zu erweisen, fuhr er 1992 persönlich mit Parteikollege Frank Sundermann zum aufgebahrten Brandt nach Berlin .

Mit seinem leidenschaftlichen Vortrag traf er denn auch den Nerv des Publikums: Sichtlich beeindruckt nahmen die 18 Herren in der Lotter „Arche“ am Streifzug durch Brandts Leben teil. Viele hatten ihn noch selbst als Politiker erlebt. „Seine letzte Rede vor Wahlen hielt er stets in seiner Geburtsstadt Lübeck “, wusste etwa der Lotter Horst Pettersson, selbst ehemaliger Lübecker, zu berichten.

Willy Brandt war ein Mann mit Überzeugungen und danach handelte er auch. Der gebürtige Herbert Frahm war bereits lange vor seiner offiziellen Karriere als Bürgermeister von Berlin, Außenminister und Bundeskanzler politisch aktiv.

Während des Dritten Reichs organisierte er den Widerstand im norwegischen Exil gegen das Nazireich mit, zog von Oslo aus die Fäden, ging sogar unter Lebensgefahr ein halbes Jahr nach Berlin, um hier Kontakte aufzubauen, führte Mittelberg aus. Aus Sicherheitsgründen nahm er den Namen Willy Brandt an, den er Zeit seines Lebens behalten sollte.

Mit Willy Brandt kennt sich Dieter Mittelberg aus. Mit großem Interesse verfolgte am Dienstag der Männerkreis Lotte seinen engagierten Vortrag.

Mit Willy Brandt kennt sich Dieter Mittelberg aus. Mit großem Interesse verfolgte am Dienstag der Männerkreis Lotte seinen engagierten Vortrag. Foto: Ulrike Havermeyer

Bereits sein Lehrer hatte Brandts Mutter gewarnt, sie solle ihn von der Politik fernhalten, das lenke ihn zu sehr ab. Der Rest ist Geschichte: Brandt war Politiker aus Überzeugung und folgte mit seinem Kurs seinen persönlichen Idealen. Seine Ziele: Frieden und Freiheit. Damit und mit einer guten Portion Beharrlichkeit, schaffte Brandt es schließlich auf das politische Parkett.

Und musste hier manche Kröte schlucken: „Die Große Koalition von 1966 bis 1969 war Brandt ein Graus“, berichtet Mittelberg. „Mit dem politischen Gegner Franz Josef Strauß und dem einstigen NSDAP-Mann Kurt Georg Kiesinger zusammenzuarbeiten, kostete ihn größte Überwindung“, führte Mittelberg aus und belegte das an ausdrucksstarken Fotografien.

„Brandt war ein Zweifler, wägte sorgfältig ab und handelte sehr selbstreflektiert“, berichtet Mittelberg über seinen Stil. In seiner Politik orientierte sich Brandt an Fridtjof Nansens „Beeilt Euch zu handeln, ehe es zu spät ist, zu bereuen“; John F. Kennedys Einsicht, „Wer den Status verändern will, muß ihn anerkennen‘“, war die Grundlage für seine Haltung in der Ostpolitik.

Berühmt wurde Brandts Kniefall 1970 in Warschau. Das Bild des knieenden Bundeskanzlers ging um die Welt. „Dann kniet er, der das nicht nötig hat, da für alle, die es nötig haben, aber nicht da knien …“ , schrieb das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ damals über die Geste der Demut, die zum Symbol seiner Entspannungspolitik im Osten wurde. Sein Engagement brachte Brandt 1971 den Friedensnobelpreis ein.

Mit eindrucksvollen Details, sehr vielen Fotos und Originaltonaufnahmen beleuchtete Mittelberg das Leben und Wirken Brandts und verschwieg dabei auch nicht, dass dieser zeitweise unter Depressionen litt und zeitweise dem Alkohol und Kettenrauchen verfiel. Den Berliner Mauerfall – letztlich auch ein Verdienst seiner Politik der Annäherung und Aussöhnung mit dem Osten – erlebte Brandt noch selbst mit, er starb im Jahr 1992.

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