„Energetische Stadtsanierung“
Schwierige Diskussion

Lotte -

Einstimmig beschlossen hat der Verkehrs- und Umweltausschuss die Entwurfsplanung für die Erschließung des Gewerbegebietes Pätzkamp. Schwieriger waren die Diskussionen um das kreisweite Projekt „Energetische Stadtsanierung“.

Dienstag, 22.11.2016, 19:11 Uhr

Wie hier an der Schlesischen Straße ist der Zustand der Gebäude in der Bürener Siedlung aus den 50er-Jahren höchst unterschiedlich.
Wie hier an der Schlesischen Straße ist der Zustand der Gebäude in der Bürener Siedlung aus den 50er-Jahren höchst unterschiedlich. Foto: Angelika Hitzke

Nach ausführlichen Vorträgen und längerer Diskussion entschied sich das Gremium schließlich bei vier Gegenstimmen dafür, an dem Projekt teilzunehmen und für ein ausgewähltes Viertel in Büren die Erstellung eines Quartierserneuerungskonzeptes zu beantragen.

Mareike Bußkamp vom Amt für Klimaschutz beim Kreis Steinfurt und Projektleiterin von „Haus im Glück“ erläuterte, dass es bei dem Projekt „Energetische Stadtsanierung “, an dem bereits sieben Kommunen teilnehmen, darum gehe, bestehende ältere Wohngebiete zukunftsfähig zu machen. Dazu habe die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vor gut fünf Jahren ein neues Förderprogramm speziell für Kommunen aufgelegt. Ziel sei nicht nur die energetische Aufwertung eines Quartiers und die Reduzierung der CO2-Emissionen, sondern auch die Verknüpfung mit demografischen, ökonomischen, städtebaulichen, sozialen und wohnungswirtschaftlichen Fragestellungen.

Gefördert würden in Phase 1 die Erstellung eines integrierten energetischen Sanierungskonzeptes auf Quartiersebene für etwa ein Jahr, wobei unter Einbeziehung von Fachbüros gemeinsam mit Akteuren vor Ort systematisch Bestand und Anforderungen an energieeffiziente Modernisierung analysiert werden und in Phase 2 für drei Jahre ein Sanierungsmanagement, das die Aktivierung möglichst vieler Hauseigentümer und den Prozess der Umsetzung des Konzeptes anstoßen soll. Die Gesamtkosten für die Erstellung des Konzeptes werden auf rund 60 000 Euro geschätzt.

Dafür gibt es bei Aufnahme in das KfW-Programm 432 einen Zuschuss von 65 Prozent. Für Phase 2 gibt es maximal 150 000 Euro je Quartier, bei Verlängerung um zwei Jahre maximal 250 000 Euro.

„Das ist kein Papiertiger“, betonte Bußkamp. Der Kreis wolle für die teilnehmenden Kommunen bis Mitte Dezember einen Sammelantrag stellen, dessen Bearbeitung voraussichtlich sechs bis acht Wochen dauern werde: „Wir wollen Anfang 2017 mit der Konzepterstellung starten.“

Steffen Wascher meldete für die CDU „erhebliche Zweifel an dem Programm“ an. Es sei nicht deutlich geworden, wo der Mehrwert für die Gemeinde und der Unterschied zu den üblichen KfW-Programmen liege. Zudem hätten in dem Bürener Quartier viele Leute schon investiert; die Heizungen seien im Schnitt gerade mal zwölf Jahre alt. Von dem Quartiersmanagement profitierten nur maximal 1000 Bürger; die restlichen 12 000 Einwohner der Gemeinde hätten nichts davon. Die energetische Beratung, so Wascher, könne doch auch der Klimaschutzmanager übernehmen.

Auch Thomas Engel (FDP) und Ulrich Clausmeyer, als sachkundiger Bürger für die SPD im Ausschuss, äußerten sich skeptisch, während Diedrich Hesse (Grüne) unterstrich: „Wir finden das gut. Es ist die älteste komplette Siedlung in der Gemeinde Lotte.“ Man stelle sich schon eine Menge an Ergebnissen vor, die Vorbild für andere Quartiere in der Gemeinde sein könnten.

Kämmerer Jörg Risse und Bauamtsleiterin Astrid Hickmann zeigten sich überrascht, „dass das so negativ gesehen wird“. Auch in der Verwaltung habe man sich diese Fragen gestellt, sehe aber eine enge Verzahnung mit den Masterplanzielen, Was bisher gefehlt habe, sei eine themenübergreifende Klammer für persönliche Kontakte, Demografie, Klimaschutz, Energieeffizienz und städtebauliche Entwicklung der Siedlung.

Das Programm, betonte auch Klimaschutzmanager Nikolay, werde ein „Türöffner“ für einen Prozess sein, der dann auch in anderen Gemeindeteilen fortgesetzt werden könne: „Für die Verwaltung ist genau das klar, was wir hier erarbeitet und beschlossen haben. Sonst hätten wir uns den Masterplan sparen können.“ Lediglich die vier CDU-Vertreter votierten schließlich gegen den Beschlussvorschlag.

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