Nadelbäume zieren Straßennamen in Westerkappeln und Lotte
Tannenbaum kann auch eine Fichte sein

Westerkappeln/Lotte -

Weihnachten naht mit großen Schritten, und damit ist es auch bald wieder Zeit für den traditionellen Weihnachtsbaum. „Oh Tannenbaum“ wird er nach altem Brauch besungen, aber ist es wirklich eine Tanne, die da alljährlich in die gute Stube einzieht?

Donnerstag, 24.11.2016, 08:11 Uhr

Die Tradition des Weihnachtsbaums kam vermutlich im ausgehenden Mittelalter auf.
Die Tradition des Weihnachtsbaums kam vermutlich im ausgehenden Mittelalter auf. Foto: Astrid Springer

Tannenwald im botanischen Sinne gibt es nämlich nur in Deutschlands Süden. In den Nadelwäldern der Region finden sich hingegen kaum Tannen, allenfalls vereinzelt stehen sie zwischen Buchen oder Fichten . Lediglich in Weihnachtsbaumkulturen wird auch hier Tannenwald kultiviert.

  Foto: Astrid Springer

Die Tanne findet sich auch auf Straßenschildern wieder, dabei geht der Westerkappelner Tannenkamp unterhalb der katholischen Kirche auf einen Flurnamen zurück: Dannenkamp heißt es auf historischen Karten, ein verbreiteter Flurname. Damit wurden durch Rodung gewonnene Flurstücke genauso bezeichnet wie zum Wald benachbarte oder mit Nadelwald aufgeforstete Flächen.

Dannenkamp ist dabei insofern irreführend, als das auch bei Ort- und Flurnamen der Tannenbaum als Stellvertreter für seine Verwandten herhalten musste. Gemeint war damit jedoch meist ein Fichtenwald oder Kiefernforst.

Der Grund für die Verwendung der Tanne als Sammelbegriff liegt in ihrer sprachlichen Herkunft: im Alt- und Mittelhochdeutschen war Tanna bzw. Tanne noch das Synonym für Nadelbaum, altsächsisch danna. Erst im Hochdeutschen wird die Tanne als botanische Art von Fichte und Kiefer unterschieden.

Klar Fall: Bei Fichten hängen die Zapfen im Gegensatz zur Tanne nach unten.

Klar Fall: Bei Fichten hängen die Zapfen im Gegensatz zur Tanne nach unten. Foto: Astrid Springer

Die nord- und nordwestdeutschen Nadelwälder sind das Ergebnis einer landesweiten Aufforstung: die Preußen ließen sie anpflanzen, um die durch Überweidung und Holzkohlegewinnung zu Ödlandflächen heruntergekommenen Ländereien wieder aufzuwerten und Winderosion und Armut einzudämmen.

Fichte und Kiefer waren dabei die Bäume der Wahl: Sie wuchsen schnell, auch auf sandigen Böden. In der Eifel erhielt die zunächst ungeliebte Fichte deshalb den Beinamen „Preußenbaum“.

In Lotte bewegte man sich bei der Namensfindung zur Straße ganz offensichtlich in der Neuzeit. Am Fichtenweg heißt die Straße im Gohfeld, an der gleich mehrere in die Jahre gekommene Fichtenschonungen stehen, die einst als Weihnachtsbaumlieferanten gedient haben dürften.

  Foto: Astrid Springer

Die Unterscheidung der beiden Nadelbäume ist kinderleicht: hängen die Zapfen herunter, ist es eine Fichte, sitzen die Zapfen kerzengleich auf, ist es eine Tanne.

Die Tradition des Weihnachtsbaums ist noch jung, sie kam vermutlich im ausgehenden Mittelalter auf. Manche Quellen führen den Tannenbaum auch auf den Brauch zur Wintersonnenwende zurück, immergrüne Zweige im Haus aufzuhängen. Neuere Forschungen sprechen dafür, dass die immergrüne Tanne als „Baum der Erkenntnis“ im mittelalterlichen Weihnachtsgottesdienst verwendet wurde.

Dass Luther den Weihnachtsbaum erfunden hätte, ist eine Legende. Fakt ist allerdings, dass der Weihnachtsbaum zunächst nur in evangelischen Wohnzimmern stand, Kerzen bekam er erstmals im Jahr 1730. Im späten 19. Jahrhundert hielt der prachtvolle Christbaum schließlich auch Einzug in katholische Haushalte und ist seither konfessionsübergreifendes Weihnachtssymbol.

Vor allem die Nordmanntanne hat in jüngerer Zeit den Siegeszug in die Wohnzimmer angetreten. Sie pikst kaum und behält weitgehend ihre Nadeln. Haben Sie einen Baum in der Stube, der kräftig nadelt, können Sie davon ausgehen, dass Ihre Geschenke unter einer Fichte liegen.

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