Dr. Rainer Nierhoff über fehlende Ärzte und die „Offensive Landarzt“
„Jetzt die Ernüchterung“

Tecklenburger Land -

Von der Landarzt-Offensive hört man derzeit wenig, insgesamt gibt es zu wenig Ärzte. Dr. Rainer Nierhoff, Vorsitzender des Ärztevereins Tecklenburger Land, nahm zu diesen Themen Stellung im Interview.

Mittwoch, 01.02.2017, 16:02 Uhr

Es gibt zu wenig Ärzte, vor allem auf dem Land.
Es gibt zu wenig Ärzte, vor allem auf dem Land. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Unbestritten ist ja ein allgemeiner Mangel an Ärzten. Ein Vorschlag war, die Zahl der Studienplätze zu erhöhen. Was tut sich auf diesem Gebiet ?

Dr. Rainer Nierhoff : Einig waren wir uns bei der Analyse, dass letztlich nur eine Erhöhung der Zahl der Studienplätze langfristig das Problem lösen könnte. Zur Erinnerung: Die bundesweite Zahl der Studienplätze wurde vor der Wende reduziert, damaliges Stichwort: Ärzteschwemme. Nach der Wende und der Integration der Ostländer wurden diese Zahl nicht verändert, sondern auf dem niedrigen Niveau belassen. Unsere Hoffnung war der sogenannte Masterplan 2020, eine Reform des Medizinstudiums. Jetzt die Ernüchterung . Die umfassende Studienreform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt. Stand 9. Januar 2017.

Das betrifft dann doch auch die „ Offensive Landarzt“ ?

Nierhoff: Die strittige Landarztquote bleibt eine Option für die Länder, einen Umsetzungszwang gibt es aber nicht. In der Vergabeverordnung der Stiftung für Hochschulzulassung soll „unverzüglich“ die Möglichkeit geschaffen werden, bis zu zehn Prozent der Medizinstudienplätze vorab an Bewerber zu vergeben, die sich dann verpflichten, bis zu zehn Jahre in schlecht oder unterversorgten Regionen als Landärzte zu arbeiten. Diese Verpflichtung zur späteren Landarzttätigkeit vor dem Beginn des Studiums wird von den Studierenden und von der Ärzteschaft abgelehnt. Bis zu der Stufe der Approbation muss jeder frei sein in der Entscheidung über seine künftige Tätigkeit.

Was bedeutet das für unsere Region?

Nierhoff: Im Wettbewerb um Köpfe müssen wir, die niedergelassenen Ärzte, die Krankenhäuser, aber auch die Kreise, die Städte und Gemeinden attraktiv sein, um die ärztliche Versorgung der Region sicherzustellen. Wir sind gefragt, unsere Zusammenarbeit so zu gestalten, dass ein Ergebnis resultiert, mit dem alle gut leben können: die Klinik, der niedergelassene Arzt und nicht zuletzt der Patient.

Um einen schnelleren Termin beim Facharzt zu bekommen, wurde die Servicestelle eingerichtet. Wie sind da Ihre Erfahrungen ?

Nierhoff: Rund 30 000 gesetzlich Krankenversicherte haben seit dem 25. Januar 2016 die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe in Dortmund angerufen. Aber nur etwa jedem dritten konnte sie einen Termin bei einem Facharzt vermitteln. Denn die meisten Anrufer (20 000) hatten keine dringliche Überweisung. Am gefragtesten waren Termine bei Neurologen, Kardiologen, Pneumologen und Radiologen. Nahezu jeder, der eine dringliche Überweisung hatte, hat einen Termin in der vorgegebenen Frist bekommen. Nur wenige von ihnen haben länger als vier Wochen warten müssen. Das habe meist daran gelegen, dass die Anrufer innerhalb der Vier-Wochen-Frist keine Zeit für einen Arztbesuch hatten. Außerdem sei es manchmal schwierig gewesen, Termine bei spezialisierten Fachärzten wie Rheumatologen oder Endokrinologen fristgerecht zu vermitteln. Endokrinologen gibt es nur eine Handvoll in Westfalen-Lippe. Die beste Lösung ist allerdings immer noch der Hausarzt, der selbst zum Hörer greift und für seine Patienten Termine bei Fachärzten vereinbart. Das funktioniert in aller Regel bei uns im Tecklenburger Land sehr gut.

Es gibt Kritik am fahrenden Ärztenotdienst. Dieser brauche Stunden, bis er tatsächlich vor Ort sei, meist werde schon am Telefon geraten, der Patient möge doch in die Klinik fahren. Können Sie diese Erfahrungen bestätigen ? Wird sich etwas an der Organisation des Fahrdienstes ändern ?

Nierhoff: Unter 116 117 verschaffen wir jedem Anrufer einen Arztkontakt. Der Arzt am Telefon entscheidet dann, ob er einen Hausbesuch macht oder nicht. Das ist seine Entscheidung, die er aber auch vor der Ärztekammer vertreten muss. Er kann auch sagen: Gehen Sie in eine Klinik. Dann muss er, der Arzt, allerdings für den Transport sorgen. Das ist seine Aufgabe. Er kann nicht sagen: Rufen Sie ein Taxi und auflegen. Wir wissen aber, dass dieser Ärztenotdienst ein Schwachpunkt ist. Es ist ein großes Gebiet, für das drei Ärzte zuständig sind – und zwar von Ochtrup bis nach Hamm. Die Kassenärztliche Vereinigung überlegt, wie dieser Service verbessert werden kann – beispielsweise durch einen eigenen Dienst für den Kreis Steinfurt oder das Tecklenburger Land.

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