Straßenkunde: Die Jahnstraße und der Sport
Fußball im Zeichen des Turn-Übervaters

Lotte -

Die meistbesuchte Adresse in Lotte dürfte derzeit wohl die Jahnstraße sein. Erst vor wenigen Tagen war das Frimo-Stadion bis auf den letzten Platz ausverkauft. Inzwischen ist das große Karten-Tauschen für das abgesagte Spiel in vollem Gange, auch deshalb reißt der Besucherstrom vor dem Stadion nicht ab.

Sonntag, 12.03.2017, 17:03 Uhr

Hier geht es zum Stadion: Die meistbesuchte Adresse in Lotte dürfte derzeit wohl die Jahnstraße sein.
Hier geht es zum Stadion: Die meistbesuchte Adresse in Lotte dürfte derzeit wohl die Jahnstraße sein. Foto: Astrid Springer

Ihren Namen erhielt die Straße im Jahr 1964, da gab es Turnhalle und Sportplatz bereits, denn Sport getrieben wurde hier schon viel länger. Pate für den Straßennamen stand dabei naheliegenderweise der sogenannte Turnvater Jahn . Wer war dieser Vater aller Turner, der den Sport in Deutschland salonfähig machte? Geboren wurde er als Johann Friedrich Ludwig Christoph Jahn am 11. August 1778 in Lanz . Und Jahn war eigensinnig, eckte durchaus an.

Vom Sinn sportlicher Betätigung war Jahn überzeugt, nicht zuletzt als Grundlage für eine spätere militärische Ausbildung. Das Motiv: die Befreiung von der französischen Besatzung. Dass er dabei zu einer nationalistischen und deutschpatriotischen Haltung neigte, da er die Idee von Körperertüchtigung strikt mit dem Deutschsein verband, ließ ihn beinahe straucheln: 1819 wurde er von den inzwischen an die Macht gekommenen Preußen inhaftiert.

Kein anderer als der Dichter E. T. A. Hoffmann rettete Jahn: In seiner Funktion als Untersuchungsrichter konnte Hoffmann die politischen Vorwürfe entkräften, 1825 kam Jahn daraufhin wieder frei und agierte weiter als Sportförderer.

Nach und nach stellten sich die Erfolge ein, viele Sportplätze entstanden auf seine Initiative hin im Preußischen Staat, Sport etablierte sich als Schulfach. Für die noch heute zur Grundausstattung jeder Turnhalle zählenden Geräte Reck und Barren zeichnet der Turnvater ebenfalls verantwortlich, einschließlich deren Namensfindung. Im Oktober 1852 verstarb der Tunbewegungsaktivist Jahn.

Rund siebzig Jahre später fanden sich in den 1920er-Jahren Lotter, Velper und Düter zusammen, um gemeinsam Sport zu treiben, 1929 gründeten sich die Sportfreunde Lotte.

Das Logo der Sportfreunde Lotte

Das Logo der Sportfreunde Lotte Foto: Astrid Springer

Frühe Sportplätze nach dem Zweiten Weltkrieg lagen hinter dem Gasthof Knüppe und danach am Hambrink. „Es gab verschiedene Wiesen, wo gespielt wurde“, erinnert sich SFL-Vorstandsmitglied Rudi Winkler, der selbst als Sechsjähriger dem Verein beitrat.

Das alte Stadion stand noch auf dem Hambrink.

Das alte Stadion stand noch auf dem Hambrink.

1959 wurde die Sporthalle an der Jahnstraße gebaut, im Sommer 1961 war das erste Lotter Stadion auf dem Hambrink fertiggestellt, 1986 wurde dann der Grundstein für das heutige Stadion am Lotter Kreuz gelegt.

1986 – Grundsteinlegung für das neue Stadion.

1986 – Grundsteinlegung für das neue Stadion. Foto: Astrid Springer

Bis daraus das Frimo-Stadion wurde, musste noch viel passieren: Die Haupttribüne wurde mehrmals erweitert, 2007 kam die Westkurve hinzu, etwas später die Nordgerade und zuletzt 2016 die brandneue Osttribüne.

Auch wenn der Besuchersturm in der kommenden Woche zum Spiel gegen den BVB gen VfL-Stadion strömen wird, bleibt das Stadion an der Jahnstraße zentrale Anlaufstelle; derzeit wird der Rasen wieder spielfest gemacht.

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