Straßenkunde
Auf Beutefang in Hunterort zu Wersen

Lotte-Wersen -

Wersen ist alt, 1000 Jahre mindestens. Dass große Teile von Wersen ursprünglich zur Bauerschaft Hunterort gehörten, ist dabei weniger bekannt.

Freitag, 24.03.2017, 09:03 Uhr

Von Westen führt der Hunterorther Eschweg auf den Esch durch den Wald.
Von Westen führt der Hunterorther Eschweg auf den Esch durch den Wald. Foto: Astrid Springer

Wenngleich es für Hunterort so alte Belege nicht gibt, geht man davon aus, dass diese Bauerschaft ein ähnliches Alter hat. „Auf dem Gabelin zu Hunterort im Kirchspiel Wersen“ wird die geografische Lage im preußischen Sagenbuch von 1871 auf den Punkt gebracht.

Der Hof Huntmann dürfte ebenfalls eng mit dem Namen der Bauerschaft in Verbindung stehen. 1580 wird der „Hof Huntman“ erstmals im Wersener Schatzregister erwähnt. Er gehörte bereits damals zu den größeren Anwesen mit Leibzucht und war 1575 mit 50 Schafen und 15 Schweinen größer als Schwechmann zu Halen. „Unser Hof gehörte wohl ursprünglich den Tecklenburger Grafen“, berichtet Erika Huntmann, die auch noch viele alte Urkunden besitzt. „Seine Leute sollen hier seinerzeit die Pferde gewechselt haben“, so zumindest die Überlieferung. 1698 gehörte Huntmann einem Boselager zu Honeburg. Später kauften die Hofbetreiber sich frei und veräußerten einen Teil des Hofes.

Die preußische Flurkarte namens Huntroth von 1828 scheint auf den ersten Blick einen Zusammenhang zum Rothen Berg herzustellen. Naheliegender ist hier allerdings eine Verschreibung, denn alle anderen historischen Belege nennen Hunterort als Namen.

Der Name der Bauerschaft und der Familienname Huntmann gehören offensichtlich zusammen. Ein Blick in die alte Flurkarte offenbart außerdem die benachbart liegenden Fluren Hunneboken, Hunnebokenkamp, Hunnebokenbreede, Hunnebokenstücke, darüber hinaus Hunnebrock.

  Foto: Astrid Springer

Für die Herleitung von Hunne und Hunt käme ein Gewässer infrage: In den feuchten Wiesen entspringt unterhalb von Huntmanns ein kleines Gewässer, welches den Namen Hunte oder Hunta getragen haben könnte.

Für die große, niedersächsische Hunte sieht man sprachlich den Anschluss an das altenglische huntian für jagen, fangen. Das wäre vor Ort in Wersen sprachlich gesehen dann die Parallele zur Düte von diutian, rauschen.

Wenn auch der Anschluss ans englische hunt im deutschen Sprachraum nicht belegt ist, passt die germanische Beute hunda immerhin sehr gut in die Wortfamilie. Ob hunt alternativ auf eine erschlossene Form hun für Morast zurückgeführt werden kann, sehen Sprachwissenschaftler eher skeptisch.

Dass das Kleingewässer Hunta vor Huntmanns Hof ergiebiger Fischgrund war, ist wohl auszuschließen. Der Zusammenhang mit fangen und jagen wäre damit eher beim Wildbesatz zu suchen: Die Feuchtwiesen mit ihren Randbereichen könnten ein guter Jagdgrund gewesen sein.

Der Flurname Hunneboken und seine Varianten dürften sich ebenfalls von der Hunta ableiten, denn die gesamte Niederung und ihre Randbereiche könnten einst als Hunne bezeichnet worden sein. Das Grundwort Ort in Hunterort war früher für ein spitz zulaufendes Landstück gebräuchlich.

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