Reitsport
Nicht nur etwas für die Reichen

Westerkappeln/Lotte -

Hartnäckig hält sich das Gerücht, Reiten sei nur etwas für die reichen Leute. Aber das ist nicht wirklich so. Unzählige Hobbyhalter sparen sich die Kosten für ihr Pferd sozusagen vom Munde ab und halten ihr Pferd eher kostengünstig auf einfachen Reitanlagen.

Mittwoch, 05.04.2017, 17:04 Uhr

Freizeitpferd und Turnierpferd:  Hier grasen das ehemalige Sportpferd Pferd El Santee und das junge Turnierpferd Raffaelo gemeinsam.
Freizeitpferd und Turnierpferd:  Hier grasen das ehemalige Sportpferd Pferd El Santee und das junge Turnierpferd Raffaelo gemeinsam. Foto: Silke Behling

Wobei schon beim Kauf Pferd nicht gleich Pferd ist. Bei den Anschaffungskosten ist die Preisspanne sehr unterschiedlich. Während man ein junges, unausgebildetes Pferd – der Reiter nennt es „roh“ – für ein paar Tausend Euro bekommt, kostet das gut ausgebildete Pferd schon deutlich mehr.

Entscheidend sind hier Rasse und auch Talent für bestimmte Turniersportarten. Ein freundliches, robustes Pony oder Pferd für den Freizeitreiter ist eventuell schon für 3000 bis 5000 Euro zu haben, je besser die Ausbildung, desto teurer ist es.

Turnierpferde sind natürlich deutlich teurer. Wer ein talentiertes Pferd für den Sportbereich sucht, legt mehr als 10 000 Euro an. Erfolgreiche Pferde im Dressur- oder Springsport oder im Westernreiten steigen schnell im Preis. Mit dem Alter werden Pferde dann aber wieder günstiger, das heißt, ein ausrangiertes Sportpferd, das aber noch ein geduldiges Lehrpferd für einen jungen Reiter ist, ist nicht mehr so teuer. Das liegt daran, dass die meisten Pferde, die über 15 Jahre alt sind, nicht mehr im Sport eingesetzt werden. Aber als Freizeitpferd eignen sie sich dagegen noch für viele Jahre.

Überhaupt sind die meisten Pferde generell einfach Freizeitpferde. Mit ihnen wird ein bisschen Dressur, sprich Gymnastik gemacht, und oft genießen ihre Menschen mit ihnen entspannte Ausritte in der Natur. Viele dieser Pferde leben in artgerechten Gruppenlaufställen, den sogenannten Offenställen, oder in Boxen mit täglichem Weidegang auf kleinen privaten Anlagen.

Der Luxus ist dort nicht hoch, der Pferdebesitzer packt manchmal sogar bei der Versorgung der Pferde mit an. Preislich liegen solche Ställe in der Regel unter 200 Euro im Monat. Ställe mit Reitplatz oder Halle und Vollversorgung sind dementsprechend teurer. Eine Box an der Reithalle des Reitvereins Westerkappeln kostet monatlich zur Zeit 170 Euro. Darin ist die Weidenutzung enthalten, aber das Rein- und Rausstellen seines Vierbeiners muss der Pferdbesitzer dann selbst organisieren.

Zu Haltungskosten kommen Tierarztkosten sowie Kosten für die Hufbearbeitung. Die beginnt bei etwa 30 Euro für die Bearbeitung der Hufe ohne Beschlag, also die Barhuf-Bearbeitung, und endet bei teuren Spezialbeschlägen über 100 Euro. Der Hufschmied kommt alle sechs bis acht Wochen. Regelmäßige Tierarztkosten für Impfung und Wurmkuren sind noch überschaubar, aber größere Erkrankungen sind schon teuer. Dagegen kann sich der Tierhalter aber inzwischen absichern. Auf dem Markt werden verschiedenste Operationskostenversicherungen für Pferde angeboten.

Zu den teuren Anschaffungen gehört auch das Zubehör. Ein gebrauchter Sattel beginnt je nach Marke und Zustand bei 500 bis 1000 Euro, für einen Maßsattel, der individuell für das eigene Pferd angepasst wird, wird das Dreifache fällig. Trensen, Satteldecken und Abschwitz-, Stall- oder Weidedecken unterliegen wie Schuhe und Jacken ständig neuen Modetrends – und die Auswahl ist dementsprechend groß und die Preisspanne weit.

Hans-Dieter Tüpker, Züchter und Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Westerkappeln-Velpe-Lotte-Wersen e.V., schmunzelt, als er sagt: „Manche Leute zahlen mehr für den Sattel als für das Pferd.“ Er selbst züchtet gemeinsam mit seiner Frau Eva-Maria Reitponys und Warmblutpferde und hat 55 eigene und zehn fremde Pferde auf der heimischen Anlage.

Wie viele Pferde es insgesamt in und um Westerkappeln gibt, vermag Tüpker aber nicht zusagen. Pferde werden zwar über die Tierseuchenkasse bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen erfasst, doch die Daten für einzelne Gemeinden lassen sich dort nicht herausfiltern. Sicher ist aber, dass es viele kleinere und größere Höfe rund um Westerkappeln gibt, auf denen Pferde leben.

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