3. Tag der Megalithik zwischen Westerkappeln und Lotte
Die Großen Sloopsteene ziehen Kreise

Westerkappeln/Lotte -

Die Großen Sloopsteene bei Westerkappeln haben das Zeug zu einem touristischen Hotspot. Zum „3. Tag der Megalithik“ kamen am Sonntag zahlreiche Besucher. Sogar aus dem Sauerland und Krefeld reisten Gäste an, um sich über die Entstehung und Nutzung der steinzeitlichen Grabanlage zu informieren.

Sonntag, 30.04.2017, 23:04 Uhr

Auf große Resonanz stieß der „Tag der Megalithik“. Dr. Kerstin Schierhold (rechts) informierte über Entstehung und Nutzung der Großen Sloopsteene. Aus Ton konnten Kinder Figuren oder Gefäße formen.
Auf große Resonanz stieß der „Tag der Megalithik“. Dr. Kerstin Schierhold (rechts) informierte über Entstehung und Nutzung der Großen Sloopsteene. Aus Ton konnten Kinder Figuren oder Gefäße formen. Foto: Frank Klausmeyer

Die Großen Sloopsteene im Werser Holz sollen in absehbarer Zeit in die „Europäische Route der Megalithgräber“ eingebettet und damit Anlaufpunkt für geschichtlich interessierte Reisende aus nah und fern werden. Am Sonntag hat sich gezeigt, dass die vorgeschichtliche Grabanlage das Zeug zu einem historischen Hotspot hat. Zum „3. Tag der Megalithik“, die die Altertumskommission für Westfalen im Grenzgebiet von Westerkappeln und Lotte veranstaltet hat, kamen zahlreiche Besucher.

Das steinzeitlichen Grab neu entdecken: Zwei Tablet-Stationen ergänzten mit verschiedenen Filmen und Darstellungen den monumentalen Eindruck der idyllisch im Wald gelegenen Anlage.

Das steinzeitlichen Grab neu entdecken: Zwei Tablett-Stationen ergänzten mit verschiedenen Filmen und Darstellungen den monumentalen Eindruck der idyllisch im Wald gelegenen Anlage. Foto: Frank Klausmeyer

Sogar aus Borken, Coesfeld, dem Sauerland und Krefeld waren Interessierte angereist. „Das zieht Kreise“, freute sich Dr. Kerstin Schierhold über die große Resonanz. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Altertumskommission in Münster betreut ein Projekt zur Megalithik in Westfalen, das die wissenschaftliche Aufarbeitung und neue Präsentation der Großsteingräber zum Ziel hat.

Ihr Team und sie standen schon vor Mittag zahlreichen Gästen für Führungen zur Verfügung und erklärten – fußend auf den Ergebnisse einer systematischen archäologischen Ausgrabung vor zwei Jahren – die Entstehung und Nutzung der Großen Sloopsteene in der Steinzeit und berichteten über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden.

Aus Ton konnten Kinder Figuren oder Gefäße formen.

Aus Ton konnten Kinder Figuren oder Gefäße formen. Foto: Frank Klausmeyer

Besonders spannend für die Leute heute ist die Frage, wie die Menschen damals gelebt haben. Viel weiß man nicht darüber. Es gibt keinerlei schriftliche Hinterlassenschaften. Aber für die Archäologen ziemlich überraschend wurden bei der Ausgrabung 2015 Knochenreste entdeckt, die von Experten auf eine Zeitspanne zwischen etwa 3350 und 2900 vor Christus datiert werden konnten. Rund 5000 Jahre später ließ sich feststellen, dass die Fragmente von mindestens einem Kind, einem Jugendlichen und einem Erwachsenen, die in der Grabkammer bestattet waren, stammen.

300 bis 400 Menschen hätten in so einem Großsteingrab ihre letzte Ruhe gefunden, erläutert Schierhold. „Das allerdings über einen Zeitraum von 500 Jahren.“ Solche Anlagen seien vermutlich über Generationen von Gemeinschaften mit 20 bis 30 Personen genutzt worden. Bestattet worden seien darin Menschen jeglichen Alters, unabhängig von der Herkunft.

Klettern ist erlaubt.

Klettern ist erlaubt. Foto: Frank Klausmeyer

Aus den in einer ähnlichen Anlage bei Soest stammenden Knochenresten konnten Anthropologen laut Schierhild sogar schließen, dass die Steinzeitmenschen viel Fisch gegessen haben müssen, oftmals unter Atemwegserkrankungen litten und eine hohe Arbeitsbelastung hatten, wie Verschleißspuren an Gelenken belegen.

Dass die Errichtung eines solchen Grabes, das die Jahrtausende überdauert, eine Plackerei gewesen sein muss, liegt auf der Hand. Die teils tonnenschweren Findlinge wurden aus einem Umkreis von bis zu fünf Kilometern und mehr herangeschafft, berichtet Kerstin Schierhold. Es habe aber schon damals Lastschlitten gegeben, die wohl auch von Rindern gezogen wurden, was den Transport zumindest erleichterte.

Eine „Infogasse“ führte zu den Großen Sloopsteenen. Das nutzte auch der Kultur- und Heimatverein Westerkappeln, um sich und die Arbeit seiner Naturschutzgruppe vorzustellen. Der Heimatverein engagiert sich seit seiner Gründung für den Erhalt und die Erforschung der steinzeitliche Grabanlage.

Eine „Infogasse“ führte zu den Großen Sloopsteenen. Das nutzte auch der Kultur- und Heimatverein Westerkappeln, um sich und die Arbeit seiner Naturschutzgruppe vorzustellen. Der Heimatverein engagiert sich seit seiner Gründung für den Erhalt und die Erforschung der steinzeitliche Grabanlage. Foto: Frank Klausmeyer

Getreu dem Motto des Megalith-Tages „Moving Stones“ durften Jung und Alt am Sonntag auch Steine bewegen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Arbeitsleistung hinter dem Bau des riesigen Monuments steckt. Zwei bei den Ausgrabungen zu Tage geförderte Findlinge standen als Versuchsobjekt zur Verfügung. Wer das Gewicht richtig schätzte, konnte kleine Preise gewinnen. Der kleine Stein wiegt übrigens 2,7 Kilogramm, der dicke Brocken bringt 24,9 Kilo auf die Waage.

Experimentieren durften die Kinder mit Ton. Unter Anleitung von Erlebnispädagogin Dr. Claudia Siemann durften sie kleine Wagenmodelle und Zugtiere formen und mit nach Hause nehmen. Erwachsene hatten derweil Gelegenheit, an einem Tablett die 3-D-Rekonstruktion der Seester Vase genau in Augenschein zu nehmen. „In der Archäologie ist die ein Begriff“, betonte Leo Klinke, Mitarbeiter der Altertumskommission. Die Vase wurde Mitte des 19. Jahrhunderts an den Seester Sloopsteinen ausgegraben, lagerte seitdem in Hannover und wird zurzeit in Münster wissenschaftlich neu bearbeitet.

  Foto: Frank Klausmeyer

Eine 3-D-Rekonstruktion zeigt, wie das Großsteingrab vor 5000 Jahren aussah.

Eine 3-D-Rekonstruktion zeigt, wie das Großsteingrab vor 5000 Jahren aussah. Foto: Frank Klausmeyer

Die kürzlich in Heft 1 der Schriftenreihe „Megalithgräber in Westfalen“ veröffentlichten Ergebnisse zu den Großen Sloopsteenen sind sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. „Wir sind bei den Ganggräbern erst am Anfang der Forschung“, meint Schierhold. Mit zeitgemäßem Blick und modernen Methoden lasse sich Altbekanntes immer wieder neu entdecken. Passend dazu hatte Leo Klinke hatte ein 3-D-Modell aufgestellt, das – aus der richtigen Perspektive betrachtet – die Sloopsteene wie vor 5000 Jahren zeigt – faszinierend.

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