Frank Sundermann im Gespräch
„Ein Wechselbad der Gefühle“

Westerkappeln -

Für den SPD-Direktkandidaten Frank Sundermann im Wahlkreis 83 – Steinfurt III ist am späten Sonntagabend ein wahrer Wahlkrimi zu Ende gegangen. WN-Redakteurin Katja Niemeyer sprach mit dem Westerkappelner, der am Montagmorgen bereits auf dem Weg nach Düsseldorf zu einem Treffen mit Parteigenossen aus der Region war. Von einigen wird er sich verabschieden müssen. „Wir verlieren wichtige Köpfe“, meint Sundermann. Die SPD hat am Sonntag 30 ihrer bisher 99 Sitze im nordrhein-westfälischen Landtag eingebüßt.

Montag, 15.05.2017, 17:05 Uhr

Frank Sundermanns Jubel an einem für die NRW-Sozialdemokraten desaströsen Wahlabend. Der Westerkappelner ist der Ansicht, dass CDU und FDP einen klaren Regierungsauftrag haben, den sie jetzt umsetzen müssten.
Frank Sundermanns Jubel an einem für die NRW-Sozialdemokraten desaströsen Wahlabend. Der Westerkappelner ist der Ansicht, dass CDU und FDP einen klaren Regierungsauftrag haben, den sie jetzt umsetzen müssten. Foto: privat

Für den SPD-Direktkandidaten Frank Sundermann im Wahlkreis 83 – Steinfurt III ist am späten Sonntagabend ein wahrer Wahlkrimi zu Ende gegangen. WN-Redakteurin Katja Niemeyer sprach mit dem Westerkappelner, der gestern Morgen bereits auf dem Weg nach Düsseldorf zu einem Treffen mit Parteigenossen aus der Region war. Von einigen von ihnen wird er sich verabschieden müssen. „Wir verlieren wichtige Köpfe“, meint Sundermann. Die SPD hat am Sonntag 30 ihrer bisher 99 Sitze im nordrhein-westfälischen Landtag eingebüßt.

Herzlichen Glückwunsch zum Wahlsieg. Ihr Herausforderer Felix Holling von der CDU lag anfangs vorne. Erst nach stundenlangem Warten stand fest, dass Sie Ihr Landtagsmandat erfolgreich verteidigen konnten. Was ging Ihnen dabei durch den Kopf?

Sundermann: Ich musste an den Meisterschaftskampf 2001 denken, als der FC Bayern sich in der Nachspielzeit noch zum Titel schoss. Das war ein ähnliches Wechselbad der Gefühle.

Haben Sie die Wechselstimmung bei den Bürgern im Land gespürt oder waren Sie völlig überrascht von dem für die SPD desaströsen Ergebnis?

Sundermann: Am Wahlstand im Gespräch mit den Menschen habe ich nicht gespürt, dass die Stimmung gekippt ist. Da ist man in so einer Art Tunnel. Aber klar: Die Umfrageergebnisse in den letzten Wochen vor der Wahl haben ja ganz eindeutig die Wende angezeigt.

Inwieweit tragen Sie als einzelner Abgeordneter eine Mitverantwortung für das Ergebnis?

Sundermann: Ich bin einer von 99 Abgeordneten, außerdem wirtschaftspolitischer Sprecher und insofern natürlich mitverantwortlich.

Viele Menschen ärgern sich über eine aus ihrer Sicht misslungene Schulpolitik und hohe Unterrichtsausfallzeiten, über marode Straßen, und sie sorgen sich um die Innere Sicherheit. Ein Teil der Kritik richtet sich allerdings an den grünen Koalitionspartner der SPD.

Sundermann: Sicherlich stand die grüne Schulpolitik heftig in der Kritik. Aber ich bin jetzt nicht derjenige, der mit dem Finger auf den Koalitionspartner zeigt. Schließlich haben wir zum Beispiel die Entscheidung zur Inklusion in den Schulen  mitgetragen.

Mit dem Schulz-Effekt scheint es nicht mehr weit her zu sein. Nach den klaren Niederlagen im Saarland, in Schleswig-Holstein und jetzt in NRW ist der Hype um den SPD-Kanzlerkandidaten und Parteichef nun offenbar vorbei. Wünschen Sie sich wieder Sigmar Gabriel zurück?

Sundermann (lacht): Nein. Ich mag Sigmar Gabriel, bin aber dennoch überzeugt, dass es richtig war, Martin Schulz ins Rennen um das Kanzleramt zu schicken. Im Übrigen: Über den Hype um Schulz habe ich mich schon ein wenig gewundert. Eigentlich hat er doch die ganze Zeit für nichts anderes geworben als für die traditionellen sozialdemokratischen Werte.

Stellen Sie sich jetzt auf eine Oppositionsrolle im Landtag ein? Oder hoffen Sie noch auf eine Große Koalition?

Sundermann: Nein, ich hoffe nicht auf eine Große Koalition. CDU und FDP haben mit 100 von 199 Sitzen einen klaren Regierungsauftrag. Den müssen sie jetzt umsetzen.

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