Mutmaßliche Täter geben Einbrüche in Lotte zu
Angeklagte treten Flucht nach vorne an

Lotte/Lengerich/Münster -

Im Prozess wegen schweren Bandendiebstahl haben die Angeklagten die Flucht nach vorne angetreten und die Tatvorwürfe eingeräumt. Reichlich Beute machten die mutmaßlichen Täter bei acht Wohnungseinbrüchen im Januar und Februar in Lotte und Lotte-Büren.

Mittwoch, 11.10.2017, 16:10 Uhr

 
  Foto: Colourbox

Dass sie mit einer langjährigen Haftstrafe zu rechnen haben, ist ihnen schon jetzt bewusst. Nach einer von den Verteidigern angeregten Verständigung über das Strafmaß, stellte die Strafkammer bei einem lückenlosen Geständnis in Aussicht, dass viereinhalb bis fünfeinhalb Jahre für den 48 Jährigen, fünf bis sechs Jahre für den 24-jährigen Albaner und bis zu sechseinhalb Jahren für dessen 42 Jahre alten Landsmann nicht überschritten werden.

Nach mehrstündiger Beratung stimmten die Angeklagten und ihre Verteidiger dem vom Gericht genannten Strafrahmen zu.

Dem Trio aus Hamm legt die Staatsanwaltschaft zur Last, von Dezember 2016 bis März 2017 insgesamt 48 vollendete beziehungsweise versuchte Wohnungseinbruchsdiebstähle begangen zu haben. Die Tatorte liegen in Lengerich, Greven und Lotte und erstrecken sich bis nach Oberbayern.

Wie berichtet (WN vom 16. September), brachen die Angeklagten am 27. und 28. Januar in jeweils vier Wohnungen ein. In Lengerich rissen sie mit brachialer Gewalt Wandtresore aus der Verankerung. Nachdem sie in Greven die Balkon - oder Terrassentüren aufgehebelt hatten, stiegen sie in die Wohnungen ein und entwendeten Schmuck, Bargeld und Elektronik.

Reichlich Beute machten die Täter bei acht Wohnungseinbrüchen im Januar und Februar in Lotte und Lotte-Büren. In einem Fall beträgt der Anschaffungswert des entwendeten Schmucks 75 000 Euro.

Den Auftakt zur Person und Sache machte der mehrfach vorbestrafte 42 Jahre alte Albaner. Ihn sieht die Staatsanwältin als „Kopf“ der Bande. Nach Problemen in Italien war der Angeklagte 2016 nach Deutschland gekommen, um Arbeit zu finden. Als die Suche an der fehlenden Arbeitserlaubnis scheiterte, das Geld zu Ende ging, er aber zu essen benötigte, habe er viele Diebstähle und Diebstahlsversuche begangen, berichtete der Angeklagte.

An Beckum und Orte in Bayern konnte er sich erinnern. An andere nicht. Bei einem Tatort in Hamm-Pelkum will er nie gewesen sein. Und Lengerich will er gar nicht kennen. Das, und wie die Sache abgelaufen ist, wollte ihm das Gericht so nicht abnehmen. „Sie reden um den heißen Brei herum und sollen hier kein dummes Zeug erzählen“, stellte der Vorsitzende Richter klar.

Von einem Mitangeklagten, so der Angeklagte weiter, habe er sich ein Auto geliehen und sei rumgefahren. Wenn in Häusern kein Licht war, dann seien er und sein Landsmann eingebrochen. Der erbeutete Schmuck wurde an einen Türken verkauft.

Deutlicher wurde dann der 24-jährige Mitangeklagte. Um auf Arbeitssuche zu fahren, hatten er und der 42-Jährige gemeinsam ein Auto gekauft. Weil sie aber nichts fanden, fiel die Entscheidung, ab Dezember 2016 zu klauen. Wie es sich so ergeben hatte, wurden dann Ortschaften nahe der Autobahn angefahren. Er habe an die Fenster geklopft, um zu sehen, ob jemand im Haus war. „Ich bin dann rein und habe alles genommen, was für mich interessant war.“ Der andere sei dann jeweils hinzugekommen. Das ging so im Wechsel, sagte der 24-Jährige. An bis zu 15 Taten kann sich der Angeklagte erinnern. So erbeuteten sie in Herford Schmuck und versetzten ihn für 10 500 Euro. Den Erlös teilten sie.

Der Dritte im Bunde ließ sich in einer über seinen Verteidiger abgegebenen schriftlichen Erklärung auf Details zu seiner Beteiligung ein. Er bereue seine Tat und räumte ein, die Angeklagten zu einigen Tatorten gefahren und wieder abgeholt zu haben. Bei den Einbrüchen sei er aber nie dabei gewesen. Für seine „Dienste“ sollte er anteilig an dem Verkaufserlös beteiligt werden.

► Der Prozess wird mit Zeugenvernehmungen am 17. Oktober fortgesetzt.

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