Jagd
Nach „alter Väter Sitte“

lotte -

Es gibt sie noch, Vereinbarungen, die nach guter Sitte der Vorfahren per Handschlag gültig sind: Lottes Bürgermeister Rainer Lammers verpflichtete den Osterberger Harald Pötter mit einem Händedruck für die Gemeinde als neuen Schätzer für Wild- und Jagdschäden.

Mittwoch, 10.01.2018, 17:01 Uhr

Als neuer Sachverständiger für Wildschäden ist Harald Pötter nun mit Ulrich Schwabe in Lotte tätig. Für Ulrich Zahn und Rainer Lammers ideal (von links).   
Als neuer Sachverständiger für Wildschäden ist Harald Pötter nun mit Ulrich Schwabe in Lotte tätig. Für Ulrich Zahn und Rainer Lammers ideal (von links).    Foto: Ursula Holtgrewe

„Es ist Wunsch und Wille des Kreises Steinfurt als untere Jagdbehörde, dass es in Lotte zwei Sachverständige gibt“, erklärte Rainer Lammers.

Die Verpflichtung eines neuen Fachmanns wurde nach dem Tod von Gerd Strübbe erforderlich. Aufgabe der Schätzer ist es, Schäden durch Wild, die Land- und Forstwirten entstanden sind, zu beziffern. Für diese Schäden muss die Jagdgenossenschaft aufkommen. Sie fordert den Betrag dann von den Jagdpächtern ein. „Daher ist es im Interesse der Jäger durch Bejagung größere Schäden zu verhindern“, erklärte Harald Pötter , der selbst auch Jäger ist.

Ulrich Zahn , im Ordnungsamt Ansprechpartner für von Wild verursachte Schäden, hat mit dem in der Landwirtschaft aufgewachsenen Harald Pötter einen idealen Schätzer im Boot. Pötter ist vertraut mit örtlichen Gegebenheiten und der Bodennutzung, hat Kenntnisse über Nutzholz sowie dessen Verwendung und Absatzmöglichkeiten.

„Als ,alter Hase‘ ist Uli Schwabe der zweite Gutachter für die Gemeinde Lotte“, berichtete Ulrich Zahn über das 15-jährige Engagement des Bürener Landwirts.

„Ich habe bislang zwei Fälle gehabt“, erinnert sich dieser. „Vor zirka 15 Jahren haben Wildschweine eine Wiese in Halen umgepflügt und aus einem Feld in der Gemeinde hatten angeblich Krähen Saatgut herausgepickt. Das Feld hat Gerd Strübbe begutachtet und festgestellt: Es war eindeutig ein Stauwasserschaden“, dokumentierte Schwabe die gewissenhafte Untersuchung des angeblichen Wildschadens.

Geschädigte können sich bei Ulrich Zahn melden. Zur Amtshilfe werden dann Schwabe und/oder Pötter hinzugezogen. „Ob es sich bei einer Saat um 70 oder 80 Prozent Schaden handelt, kann man sehen“, betonte Pötter. „Im Bestfall kann der Landwirt nachsäen, aber wenn es sich um Sommerfrucht handelt, muss man mit Ausfall rechnen“, weiß Ulrich Schwabe. Gegebenenfalls erhalte man für die Einschätzung bei der Landwirtschaftskammer weitere Unterstützung.

Bislang ist Lotte von großen Wildschäden verschont geblieben. Doch das kann sich ändern. „Wir müssen damit rechnen, dass wir häufiger Wildschweinschäden begutachten müssen“, prognostizierte Schwabe. In kurzer Zeit kann eine Rotte eine große Fläche umpflügen bei der Suche nach Nahrung. Schwarzwild sei in letzter Zeit verstärkt in Seeste und Halen gesehen worden und könne nach Büren wechseln, vermutet er.

„In Osterberg haben wir bislang selten Sichtungen von Wildschweinen gehabt. Sie kommen dann aus Tecklenburg herüber“, ergänzt Pötter. Der Halener Lammers weiß: „Die Halener Landwirte fürchten, dass ihnen durch Wildschweine größerer Schaden bevorstehen werde.“ Vier Schwarzkittel seien bereits hinter Hartmut Meyers Haus gesehen worden.

Harald Pötter betont, dass Wildschweine schwer zu stoppen seien, wenn sie gestört würden oder angeschossen seien. Man sollte sich jedenfalls vor ihnen in Acht nehmen. Ein Eber könne sich mit 250 Kilo Wut auf einen Gegner stürzen. „Es empfiehlt sich, für Hunde eine Panzerweste anzuschaffen, damit sie nicht von den Hauern der Wildschweine tödlich verletzt werden“, berichtet Pötter aus der Praxis.

Nach dem angeregten Gespräch forderte der Bürgermeister den „formellen Akt nach alter Väter Sitte“ ein. Ein Handschlag folgte. Pötter ist nun für fünf Jahre als Sachverständiger in Lotte tätig. Zudem begann Ulrich Schwabes vierte Amtszeit. Das nahm Zahn in der Akte zu Protokoll, die seit dem Jahr 1955 geführt wird. Seit jeher sind die Wildschadensschätzer unparteiisch und nach bestem Wissen und Gewissen für die Gemeinde Lotte tätig.

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