Talk am Dienstag
Als die Erzzüge durchrollten

Alt-Lotte -

Osterberg und Eisenbahn? Das ist lange her. Sehr lange. Beim „Talk am Dienstag“ ging es um regionale Eisenbahngeschichte. Und damit auch um die Perm-Bahn, deren Trasse einst durch die damalige Bauerschaft Osterberg führte.

Donnerstag, 08.02.2018, 17:02 Uhr

Am 28. Februar 1971 steht hier der Triebwagen der Georgsmarienhütten-Eisenbahn am Bahnsteig in Hasbergen. Heute wird der Hüttenbahnhof durch die AWO genutzt. Foto: Petersen/Sammlung Gerd Hahn
Am 28. Februar 1971 steht hier der Triebwagen der Georgsmarienhütten-Eisenbahn am Bahnsteig in Hasbergen. Heute wird der Hüttenbahnhof durch die AWO genutzt. Foto: Petersen/Sammlung Gerd Hahn

50 Jahre Eisenbahngeschichte in Hasbergen und Umgebung – Gerd Hahn hat über Jahrzehnte hinweg historische Unterlagen gesichtet, Geschichte aufgearbeitet und viel fotografiert. Im evangelischen Gemeindehaus in Lotte gab er einem interessierten Publikum einen Einblick in sein Archiv. Und damit auch in die Geschichte der Eisenbahn in Lotte.

Denn auch durch den Lotter Ortsteil Osterberg führte eine Bahnstrecke, berichtete Hahn seinem westfälischen Publikum. Die sogenannte Perm-Bahn startete am Permer Stollen bei Ibbenbüren und führte über Velpe und Osterberg zur Verbindung Hasbergen–Georgsmarienhütte. Von der Perm-Bahn zeugen heute nur noch Trassenreste, die teilweise als Wanderwege verwendet werden. Während der Betrieb der Perm-Bahn bereits im Jahr 1926 eingestellt wurde, war die Hüggelbahn noch bis in die 1970er Jahre in Nutzung.

Denn von den ehemals vier Bahnstrecken, die Hasbergen durchzogen, existieren noch zwei: die Verbindung nach Georgsmarienhütte sowie die Verbindung nach Münster und Osnabrück. Von den einst fünf Bahnhöfen in Hasbergen sind der Staatsbahnhof, der Hüttenbahnhof sowie Wulfs­kotten noch baulich erhalten und werden von Mietern etwa als Büroräume genutzt.

Der Referent aus Hasbergen schöpft für seine Präsentation aus einem beachtlichen Fundus: Etwa 20 000 Fotos umfasst die Sammlung des pensionierten Polizeibeamten. Seine Leidenschaft für die Eisenbahn begann in früher Kindheit, ist er doch an der Bahnstrecke zwischen Hasbergen und Georgsmarienhütte groß geworden. Im Alter von fünf Jahren erhielt er seine erste Modellbahn, mit dem Dampfzug war er in seiner Schulzeit zum Internat nach Hildesheim gefahren. Das Hobby als Historiker der lokalen Eisenbahngeschichte betreibt er mit Ernsthaftigkeit: In den Achtzigern hat er das Buch „Bahnstation Hasbergen“ zum Thema geschrieben.

Schließlich werde das Hasberger Ortsbild seit Mitte des neunzehnten Jahrhunderts von der Eisenbahn geprägt, erzählte Hahn. Treibender Faktor der Entwicklung war die Versorgung des Hüttenwerkes in Georgsmarienhütte mit Rohstoffen. Bevor es die Bahnverbindung gab, verkehrten täglich Hunderte Pferdegespanne zwischen den Orten, um das Erz aus dem Tagebau zu transportieren. Mit der Hüggelbahn gestaltete sich der Transport effizienter, die Pferdegespanne wurden verzichtbar.

Und mit der Permbahn wurde fast 40 Jahre lang Erz vom Permer Stollen bei Laggenbeck über Osterbeck und Hasbergen in Richtung Hüttenwerk gebracht.

Hahn gab neben der Bahngeschichte auch einige Anekdoten zum Besten. So diente der inzwischen stillgelegte Bahnhof bei Alt-Lotte als Parkplatz für den Papst-Ersatzzug: Papst Johannes Paul II. reiste 1980 bei seinem Besuch in Osnabrück zwar per Hubschrauber an. Als alternative Reisemöglichkeit wurde jedoch ein Zug vorgehalten, der in Lotte auf dem Ausweichgleis wartete.

Bevor die Zuhörerrunde den Referenten aus ihrer Mitte entließ, musste er sich schließlich der Gretchenfrage für lokale Eisenbahnexperten stellen: „Was halten Sie von der geplanten Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn?“ Gerd Hahn dazu: „Wollen Sie das wirklich wissen? Es ist mir egal.“ Schließlich ist Hasbergen eisenbahntechnisch immer noch gut angebunden.

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