Straßen- und Flurkunde: der Friesenring in Lotte
Weitaus mehr als Witzfiguren

Lotte -

Manchem sind die Friesen vor allem aus Ostfriesenwitzen geläufig: einfältig, ländlich, stur. Mit diesem Prototypen des friesischen Klischees brachte Komiker Otto Waalkes Generationen zum Lachen. Tatsächlich waren die Friesen ein erfolgreiches Handelsvolk, daran erinnert der Lotter Friesenring.

Montag, 12.03.2018, 08:00 Uhr

Nordisch rau: der Friesenring in Lotte.
Nordisch rau: der Friesenring in Lotte. Foto: Astrid Springer

Das Land der Friesen liegt im Norden: Ostfriesland (Niedersachsen), Nordfriesland (Schleswig-Holstein) sowie Westfriesland in den Niederlanden. Der östlichste Streifen Frieslands zieht sich von Wilhelmshaven nach Oldenburg, hier versteht man sich als Oldenburger Friese.

Sprachhistorisch geht Friese vermutlich auf das germanische frisija in der Bedeutung „kraus“ zurück, was sich auf lockiges Haar bezieht.

Die Friesen sind bereits bei Plinius erwähnt. Ihre Häuser lagen auf Wurten und Warften, sie lebten von Fischfang und Salzgewinnung. Sie waren aber auch erfolgreiche Viehzüchter, die Schafwolle verarbeiteten sie zu begehrtem Tuch. Friesische Wollmäntel sollen bereits bei den Römern beliebt gewesen sein.

Die friesischen Produkte Salz, Vieh und Wolltuch waren überregional bekannt. Die Friesen trieben über Land- und Seeweg regen Handel damit, bis zum Mittelalter entwickelte sich Emden zur wichtigen Hafenstadt, der „Fries“ wurde gängiges Tuchmaß.

Auch für ihr Geschick im Deich- und Wasserbau waren die Friesen bekannt und wurden oft andernorts bestellt, beispielsweise 1774 in Kattenvenne, um das Moor trockenzulegen. Sprachlich schlug sich das im frühneuhochdeutschen „friesen“ nieder: Gräben anlegen.

Um die Geschichte der Friesen ranken sich viele Mythen und Sagen, die sich häufig mit historischen Belegen vermischen. Fest steht, die Friesen lieben ihre Freiheit. Ihr Kampfgeist, gepaart mit einer gewissen Sturheit, war über Jahrhunderte erfolgreiches Rezept, um eigene Wege zu gehen.

Kämpfer mit Privilegien

Die Legende besagt, dass sich die Friesen bereits zu Zeiten der Römer besondere Rechte erkämpften, Rechtschroniken legen nahe, dass diese von Karl dem Großen verliehen wurden. Spätestens 810 oblag die Verteidigung der Küstenlinie den Friesen, im Gegenzug brauchten sie nicht für den König ins Feld zu ziehen.

Die friesischen Stammesfürsten waren für manche Fehde bekannt, die Notwendigkeit des Zusammenhalts war aber größer: Im 12. Jahrhundert etablierten die Friesen einen Landfriedensverbund: Abgesandte der Landgemeinden trafen sich regelmäßig, um Regeln für das Zusammenleben und eine gemeinsame Haltung nach außen zu verhandeln, die Ergebnisse fanden Niederschlag in Gesetzen.

Diese Art der autonomen Selbstverwaltung war ihrer Zeit weit voraus, auch das mittelalterliche Ständesystem konnte sich in Friesland nicht durchsetzen, hier hatten auch die Bauern Stimmrecht.

Diese Sonderrechte werden als „Friesische Freiheit“ bezeichnet. 1744 kam Friesland unter preußische Herrschaft, ging später an das Königreich Hannover.

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