Vakante Grundschulleiterstellen
Mehr Geld soll Anreiz sein

Lotte -

Seit zwei Jahren gibt es an allen drei Lotter Grundschulen nur noch kommissarische Schulleiterinnen. Nächstes Jahr geht mit Magdalena Dassau in Alt-Lotte die erste von ihnen in den Ruhestand. Und obwohl die Rektorenpositionen schon mehrfach ausgeschrieben waren, lässt die Neubesetzung auf sich warten.

Donnerstag, 12.04.2018, 16:04 Uhr

Hat Spaß an ihrer Arbeit: Magdalena Dassau ist gern kommissarische Schulleiterin der Grundschule Lotte, geht aber im kommenden Jahre in den Ruhestand. Ob bis dahin eine neue Schulleitung gefunden ist?
Hat Spaß an ihrer Arbeit: Magdalena Dassau ist gern kommissarische Schulleiterin der Grundschule Lotte, geht aber im kommenden Jahre in den Ruhestand. Ob bis dahin eine neue Schulleitung gefunden ist? Foto: Volker Poerschke

Woran liegt das? Gibt es keine Bewerber(innen)? Wie ist der Stand der Dinge? Könnte in Büren und Wersen aus der Übergangs- eine Dauerlösung werden?

Das Problem der oft jahrelang vakanten Schulleiterstellen ist nicht neu und betrifft vor allem Grund-, Haupt- und Realschulen quer durch alle Bundesländer: Hauptgrund: immer mehr Bürokratie und Verantwortung, eine stetig wachsende Vielfalt von Verwaltungs-, Management- und Qualitätssicherungsaufgaben zusätzlich zu der rein schulischen Organisations- und der eigenen Unterrichtstätigkeit, hoher Zeit- und Arbeitsaufwand ohne entsprechende Honorierung.

Abschreckend sind offenbar auch die Hürden des Bewerbungs- und Einstellungsverfahrens, obwohl gerade NRW mit der Anhebung der Besoldung um eine Stufe bis auf maximal A 14 im vergangenen Jahr und dem jüngst beschlossenen Modellversuch, an fünf Schulen im Regierungsbezirk Arnsberg die Leitung durch zwei gleichberechtigte Teilzeitkräfte zu ermöglichen („Top-Sharing“), versucht, dem Schulleiter-Mangel zu begegnen.

Im Regierungsbezirk Münster und damit auch im Kreis Steinfurt ist Job-Sharing in der Schulleitung allerdings (noch) kein Thema: „An Lotter Schulen ist das nicht vorgesehen“, sagt Andreas Frede vom Kreisschulamt. Mit diesem Vorstoß und der höheren Besoldung versuche NRW, einen „kleinen Anreiz“ zu geben.

Was die Besetzung der Grundschulleiterstellen in Alt-Lotte, Wersen und Büren betrifft, kann er immerhin berichten, dass er „bestimmt elf, zwölf Gespräche“ mit möglichen Bewerbern geführt hat und es aktuell nach seiner Kenntnis sieben Bewerbungen gebe, davon vier aus dem angrenzenden Niedersachsen, wo die Besoldung niedriger ist. Gerade für die seien allerdings die Hürden aufgrund der unterschiedlichen Bewerbungs- und Qualifikationsverfahren besonders hoch: In NRW müssen seit zwei Jahren auch Bewerber für Grundschulleiterstellen innerhalb von sechs Monaten an verschiedenen Qualifikationsmaßnahmen (SLQ) und an einem dreitägigen Eignungsfeststellungsverfahren (EFV) teilnehmen – neben dem Beruf. „Da ziehen einige natürlich ihre Bewerbung zurück“, so Frede, der zum genauen Stand des Bewertungs- und Besetzungsverfahrens für die Lotter Grundschulen auf die Bezirksregierung verweist.

„Ich suche aktiv“, versichert er, betont aber gleichzeitig, dass die kommissarische Führung der drei Schulen zuverlässig funktioniere: „Die machen das wirklich sehr gut!“

Nach Auskunft von Andreas Winnemöller, Pressesprecher der Bezirksregierung, ist – immer vorausgesetzt, die Bewerber sind geeignet – innerhalb der nächsten Monate zumindest für die Führung der Grundschule Alt-Lotte mit einer Entscheidung zu rechnen. „Die Prüfung läuft gerade“, sagt er zum Eignungsfeststellungsverfahren. „In Kürze“ werde die Beteiligung von Schulkonferenz und Schulträger erfolgen, die acht Wochen Zeit für ihre Stellungnahme hätten. Danach fälle die Bezirksregierung die Entscheidung.

Wie viele Bewerber sich im EFV befinden, darüber kann oder darf der Sprecher ebenso wenig Auskunft geben wie über die Zahl der Bewerber für die Leitung der Regenbogenschule Büren. Die Ausschreibung hier läuft, die für die Grundschule Wersen komme jetzt neu, weil sie wegen des veralteten Textes der ersten Ausschreibung überarbeitet werden musste.

Zumindest theoretisch, ,so bestätigt Winnemöller auf Nachfrage, könnte eine kommissarische Leitung auch zur Dauerlösung werden. Und was sagen die kommissarischen Chefinnen der Grundschulen Büren und Wersen zur Frage, ob sie ihren Hut in den Ring geworfen haben? „Mir macht das Freude. Ich habe mich gut eingearbeitet und ein gutes Netzwerk aufgebaut mit der Gemeinde, dem Jugendamt und den Eltern. Zu mehr möchte ich mich im Moment nicht äußern“, sagt Ute Thomas von der Regenbogenschule. Bettina Middeldorf, seit Brigitte Sauers Gang in den Ruhestand im Sommer 2017 kommissarische Leiterin der Grundschule Wersen, will „die Stellung so lange halten, bis Abhilfe geschaffen wird“. Sie macht aber keinen Hehl daraus, dass sie nicht scharf auf die Position ist: „Ich bin jetzt um die 60. Ich möchte lieber mehr unterrichten“, erklärt sie.

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