Artenvielfalt in der Düte an der Mühle Bohle
Mehr als 4000 Fische gezählt

Lotte-Wersen -

Die Düte lebt. Und wie. Mehr als 4000 Fische holten Roland Enders und Thomas Wallach aus einer Reuse. Die wurde hinter der Fischtreppe installiert, die beim Stautag 2017 eröffnet wurde.

Freitag, 27.04.2018, 19:04 Uhr

Seltener Fang: Dieser Tage fanden Roland Enders (links) und Thomas Wallach einen prächtigen Schuppenkarpfen in der Reuse an der Düte. Ein Jahr lang haben sie fast täglich die Reuse an der Düte kontrolliert.
Seltener Fang: Dieser Tage fanden Roland Enders (links) und Thomas Wallach einen prächtigen Schuppenkarpfen in der Reuse an der Düte. Ein Jahr lang haben sie fast täglich die Reuse an der Düte kontrolliert. Foto: Ursula Holtgrewe

Mit Ausnahme der Tage, an denen die Düte Hochwasser führte, schrieben die Fischer täglich Daten der Reusenfunde auf. Dazu hatte sich Roland Enders als Vorsitzender des Wersener Naturschutz- und Fischereivereins vor einem Jahr bereit erklärt. Mit seinem Nachbarn und Vereinskollegen Thomas Wallach fand Enders einen Gleichgesinnten für die morgendliche Langzeitrecherche.

Jeden Tag ließen sich die Ehrenamtlichen überraschen. Diesmal war ein rund 50 Zentimeter langer Schuppenkarpfen drin. Thomas Wallach hatte Mühe, den zappelnden Fisch fürs Foto hochzuheben. Aber nur kurz. „Er muss schnell in die Freiheit zurück“, betonte Wallach und ließ den Karpfen seiner nassen Wege schwimmen.

„Das ist der Urkarpfen“, erklärte Enders. Für die Hausfrauen seien vor Jahren Spiegelkarpfen gezüchtet worden. „Damit sie nicht so viele Schuppen vorm Zubereiten entfernen mussten. Der Schuppenkarpfen ist robuster“, erklärte er.

Mehr als 300-mal haben beide auch die Wassertemperatur der Düte dokumentiert. Der aktuelle Tageswert lag bei 10,8 Grad. Tags zuvor waren es noch 12,5 Grad. „Wir hatten an den vergangenen warmen Tagen schon 14,3 Grad Düte-Temperatur“, berichtete Enders.

Im Frühjahr ziehen die schwangeren Fischweibchen in großer Zahl flussaufwärts zu den Laichgründen. Unter anderem, um den Fischen den Weg hinauf zu erleichtern, wurde die Fischtreppe, auch Fischpass genannt, installiert. Damit der Bestand kontrolliert werden kann, ist die Reuse noch für einige Zeit in Betrieb, soll aber in den nächsten vier Wochen abgebaut werden.

„Einige Male haben wir als Kontrolle auch Elektrofischen praktiziert“, berichtete Roland Enders. Dabei werde ein Gleichstrom durchs Wasser geleitet. Die betäubten Fische können gezählt und deren Art bestimmt werden. „Das ist eine schonende Methode, um Fische zu erfassen. Die Fische werden nicht getötet und schwimmen danach weiter“, erklärt Enders. Damit sei bestätigt worden, dass die Arten, die vor der Treppe gefunden werden, auch aufgestiegen seien.

Die beiden Gewässerwarte berichten für die Düte über einen durchgängigen pH-Wert von 7,5. Es gibt keine Nitrat- und Ammoniakbelastung. Der Sättigungswert mit Sauerstoff beträgt zwischen 80 und 90 Prozent.

„Wir haben zum Beispiel mehr als 1000 Gründlinge, mehr als 800 Hasel und 29 Mühlkoppen gezählt. Diese Fischarten zeigen an, dass die Düte eine richtig gute Wasserqualität hat“, erklärte Wallach.

Beide waren erstaunt über die Artenvielfalt, die sie in den zurückliegenden 12 Monaten dokumentierten. „Einmal war sogar ein 75 Zentimeter langer Hecht drin“, berichtet Wallach. Auch Giebel und Döbel stiegen die Düte hinauf. Des Weiteren fand ein Kaulbarsch den Weg in die Düte. „Der kommt eigentlich im Brackwasser vor“, sagte Enders. Große Freude bereitete den beiden umweltbewussten Petrijüngern in der Gemeinde Lotte die Begegnung mit einer kleinen Bachforelle. „Das ist unverkennbar ein Zeichen, dass Bachforellen gelaicht haben und dass die Fische dort Nahrung zum Überleben gefunden haben“, freute sich Wallach. Und erklärte, dass der Naturschutz- und Fischereiverein Wersen jährlich rund 900 Bachforellen aussetze. Davon fischten die Kollegen einen Teil ab. Aber Forellen schmeckten auch Kormoranen, Reihern und anderen Räubern.

Und was machen Roland Enders und Thomas Wallach, wenn sie morgens nicht mehr ehrenamtlich die Reuse kontrollieren? „Dann haben wir wieder Zeit zum Angeln“, blickten sie mit Vorfreude in die nahe Zukunft.

Stautag am 1. Mai

Am 1. Mai gibt es beim fünften Stautag, 11 bis 18 Uhr, ein interessantes Programm an der Mühle Bohle. Das unterschlächtige Wasserrad ist in Aktion. Die Mühle steht offen.

Mitglieder des Mühlenvereins bieten Führungen an. Um 15 Uhr gibt es Erklärungen, wenn die Reuse hinter der Fischtreppe heraufgezogen wird. Beim Stautag sind auch die Petrijünger um 15 Uhr vor Ort. Fürs leibliche Wohl ist gesorgt.

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