Graffiti-Schmierereien an den Großen Sloopsteenen
Schaden geringer als befürchtet

Westerkappeln/Lotte -

Die Großen Sloopsteene im Grenzgebiet von Westerkappeln und Lotte sind durch die Graffiti-Schmierereien wohl weniger stark beschädigt worden als zunächst befürchtet. Das ist das Ergebnis eines Expertentreffens am Mittwoch an dem Hünengrab.

Mittwoch, 16.05.2018, 16:05 Uhr

Margarete Lersch vom Bauamt der Gemeinde Lotte (rechts) hatte einige Fachleute an den Großen Sloopsteenen zusammengetrommelt, um die Beseitigung der blauen Graffiti-Schmierereien zu besprechen. Mit dabei war am Mittwoch auch der Westerkappelner Umweltbeauftragte Friedhelm Wilbrand
Margarete Lersch vom Bauamt der Gemeinde Lotte (rechts) hatte einige Fachleute an den Großen Sloopsteenen zusammengetrommelt, um die Beseitigung der blauen Graffiti-Schmierereien zu besprechen. Mit dabei war am Mittwoch auch der Westerkappelner Umweltbeauftragte Friedhelm Wilbrand Foto: Frank Klausmeyer

Margarete Lersch vom Bauamt der Gemeinde Lotte hat die Fachleute zusammengetrommelt. „Ich bin zwar die Untere Denkmalbehörde, habe aber von Denkmälern nicht wirklich so viel Ahnung“, räumt sie ein. Schon gar nicht wolle sie sich Vorschläge für die Beseitigung des Schadens anmaßen.

Vor vier Wochen hatten Wissenschaftler der Altertumskommission für Westfalen bei einem Ortstermin mit einer Studentengruppe die Schmierereien entdeckt. Sieben der Findlinge des imposanten und gut erhaltenen Großsteingrabes im Grenzgebiet von Westerkappeln und Lotte haben Unbekannte mit blauer Farbe besprüht. Nicht nur die Felsen sind dadurch in Mitleidenschaft gezogen worden, sondern auch das Moos und die Flechten, die sich auf dem Granit breit gemacht haben.

Mit akribischem Blick mustern Helga Bültmann und Carsten Schmidt die Steine. Die beiden freiberuflichen Biologen aus Münster sind Experten für solche Pflanzen, wobei Flechten eher etwas für Pilzkundler seien, klärt Schmidt auf. Schon nach kurzer Inaugenscheinnahme gibt er Entwarnung. Die Reinigung der Steine sei für die Moose unbedenklich. Die wertgebenden Arten, die in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen aufgeführt sind, seien eher auf den kleineren Steinen zu finden, die von den Vandalen verschont geblieben sind. Bei den mit Farbe besprühtem Moos handele es sich um „Allerweltsarten“, wie Schmidt erklärt.

Für die Flechten, die der Laie eher als Staubtupfer einordnen würde, gilt wohl Gleiches. „Das sind keine Raritäten.“

Diese Erkenntnisse werden Werner Paetzke jun. die Arbeit vermutlich leichter machen. Sein Steinmetz- und Restaurierungsbetrieb aus Hörstel-Bevergern soll die Großen Sloopsteene säubern. „Das ist schon ein außergewöhnlicher Auftrag für uns“, sagt der Geschäftsführer der Firma Paetzke, die sich überregional einen Ruf mit der Wiederinstandsetzung und Konservierung von Natursteinen erworben hat.

Gleichwohl wird er behutsam zu Werke gehen müssen. Ein gemeiner Sandstrahler scheidet aus. „Das würde die Beschaffenheit und Optik der Steine verändern“, gibt der Diplom-Ingenieur zu bedenken. Auch mit der Bürste könne er dem Granit nicht zu Leibe rücken, dadurch würde ebenfalls Oberfläche der Steine heruntergenommen. Als einzige Möglichkeit kommt für ihn ein Microsandstrahlverfahren mit Nussschalen in Frage. „Die Oberfläche würde zwar aufgehellt, aber der Stein wird nicht abgetragen“, erläutert Paetzke.

Polizei sucht weiter Zeugen

Zum Urheber der Farbschmierereien an den Großen Sloopsteenen hat die Polizei noch keine „heiße Spur“, wie Reiner Schöttler, Sprecher der Kreispolizeibehörde, bestätigt. Die Ermittlungen wegen Sachbeschädigung liefen aber weiter. Zeugen, die dazu etwas sagen können, werden gebeten, sich mit der Wache in Ibbenbüren unter '  05451/591-4315 in Verbindung zu setzen. fk

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Der Steinmetz wird nun zunächst ein Angebot an den Kreis schreiben, der die Reinigung bezahlt. Die Kosten werden sich nach Einschätzung Paetzkes im unteren vierstelligen Bereich bewegen.

Die noch offene Frage, die Margarete Lersch in die Runde wirft, ist die, wie das Großsteingrab in Zukunft vor solcher und anderer Zerstörungswut geschützt werden kann. „Das geht nur über soziale Kontrolle“, meint Dr. Christoph Grünewald, Leiter der Außenstelle Münster der LWL-Archäologie für Westfalen. Das ganze Gelände einzuzäunen, sei jedenfalls keine Lösung, da das Kulturdenkmal für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben solle.

Solche Überlegungen habe immer wieder gegeben, berichtet Reinhold Klesse von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Steinfurt. Denn in der Vergangenheit habe es an den Sloopsteenen Müllprobleme gegeben oder irgendwelchen Leute hätten dort Lagerfeuer gemacht. In jüngerer Zeit gebe es aber damit keine nennenswerten Schwierigkeiten mehr.

Die Steine der imposanten Grabanlage wurden teilweise großflächig mit blauer Farbe besprüht. Foto: Frank Klausmeyer

Biologe Schmidt weist allerdings auf andere Störfaktoren für die Moose und Flechten hin. Zum einen habe die Beschattung durch größer werdende Bäume zugenommen. „Es wäre schön, wenn hier mehr Licht rankommt.“ Zum anderen kletterten immer wieder Kinder auf den Steinen herum oder bei Waldtagen würden Tipis zu nah an der steinzeitlichen Begräbnisstätte gebaut. Friedhelm Wilbrand, Umweltbeauftragter der Gemeinde Westerkappeln schlägt deshalb vor, Kindergärten und Schulen entsprechend zu sensibilisieren.

Alle Beteiligten hoffen, dass die Schmierereien auf den Sloopsteenen ein einmaliger Fall bleiben. Er habe mit Kollegen aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gesprochen, wo es Hunderte solcher Großsteingräber gebe, sagt Grünewald. „So etwas hat man dort noch nicht erlebt.“

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