Zweites Ikek-Forum
Neue Ideen für Lotte

Lotte -

Das Integrierte Kommunale Entwicklungskonzept (Ikek) nimmt immer weiter Fahrt auf. Federführend ist das Münsteraner Büro Planinvent. Dessen Geschäftsführer Frank Böckling zeigte sich am Montagabend im Lotter Golfclub Dütetal positiv überrascht. Mit rund 60 Teilnehmern bewiesen die Bürger großes Interesse an der Entwicklung ihrer Gemeinde, statt im heimischen Garten zu grillen.

Donnerstag, 14.06.2018, 18:26 Uhr

Ein Bürgerbus – hier Westerkappeln – soll die Erreichbarkeit der Ortsteile verbessern
Ein Bürgerbus – hier Westerkappeln – soll die Erreichbarkeit der Ortsteile verbessern Foto: Ulrike Havermeyer

Diesmal ging es darum, die bislang eingereichten Projekte vorzustellen, Projektpaten zu finden und Vorschläge aus verschiedenen Ortsteilen zu vernetzen.

Die großen Themen: Mobilität, Fuß- und Radwege, Bürgertreffpunkte und Ökologie. Außerdem konnten sich die Bürger dafür entscheiden, unter welchem Motto der Ikek-Prozess fortgeführt wird, und dafür Punkte vergeben. „Lotte – attraktive Gemeinde“ lag am Ende mit 45 Punkten vorn, gefolgt von „Lotte – historisch. modern. lebenswert“ mit 41 Punkten und weiteren Vorschlägen mit deutlich weniger Befürwortern.

Am Rande des Forums äußerte sich Bürgermeister Rainer Lammers äußerst zufrieden mit dem Verlauf der Diskussionen. Er habe sich aber „absichtlich zurückgehalten“, um den Bürgerwillen und die Meinungsbildung nicht zu verfälschen. Denn Ikek ist basisdemokratisch darauf angelegt, Bürger im Vorfeld von Politik und Verwaltung aktiv in Entscheidungsprozesse einzubinden. Für den Bürgermeister blieb da nur die Rolle des aufmerksamen Zuhörers.

Politikfrei war das Forum dennoch nicht. Friedel Glüder von den Grünen etwa schob erneut die Diskussion um das Thema Bürgerbus an. Ohne Auto und Führerschein seien Nachbarorte wie Velpe und die dortigen Arbeitsplätze kaum zu erreichen. Hier bot Marion Müssen vom Verein „Bürgerbus Wallenhorst-Wersen“ Hilfe an, forderte aber auch das Engagement der Lotter Bürger. „Wir sind auf ihre Hilfe angewiesen“, erklärte sie als Forums-Gast.

Außerdem warnte sie vor überzogenen Erwartungen. Schnelle Lösungen seien eher unwahrscheinlich. Gefragt sei vielmehr ein langer Atem. Nur so könne es gelingen, künftig weitere Ortsteile und Orte in den Fahrplan mit aufzunehmen.

Wie beim Thema Blüh- und Wildkräuterwiesen oder bei der Frage nach dem Ausbau von Rad- und Fußwegen empfahl Böckling, Mitstreiter zu suchen und sich zwischen den einzelnen Ortsteilen zu vernetzen, um aus Einzelvorschlägen und bestehenden Initiativen ein schlüssiges Konzept bei der Bezirksregierung einreichen zu können. Mehrfach verwies Böckling dabei auf sich verändernde Förderrichtlinien. Danach dürften Projekte mit einer möglichst hohen Breitenwirkung die besten Aussichten auf Fördergelder haben.

Den Freunden von Blühstreifen riet er, nicht bis zu einem Förderbescheid zu warten, sondern bereits jetzt damit zu beginnen. Zuvor hatte Ulrich Harthues von der Bürgerstiftung Lotte erklärt, die Stiftung stelle entsprechende Samenmischungen zur Verfügung. Bedenken, Blühstreifen könnten Rehen als Rückzugsgebiete dienen und so neue Gefahren durch Wildwechsel heraufbeschwören, hielt Böckling entgegen, sich von der Biologischen Station Kreis Steinfurt in Tecklenburg entsprechend beraten zu lassen.

Auf spontanen Zuspruch stieß der Vorschlag von Bruno Diesel: Im Kampf gegen zunehmenden Verkehrslärm schlug er vor, Schallschutzwände mit Solarzellen zu errichten. Das klinge zwar nach Ulbricht, sagte er in Anspielung auf den Bau der Berliner Mauer, helfe aber Öl einzusparen und gleichzeitig Energie zu erzeugen. Harhues nahm den Faden umgehend auf, spann ihn im Sinne des Forum-Gedankens weiter und brachte eine Bürger-Energie-Genossenschaft ins Spiel.

Bedarf gibt es offenbar auch an Begegnungsstätten. Detlef Schulze-Wenning stellte deshalb am Rathaus einen im Idealfall von Bürgern und Flüchtlingen betriebenen Imbiss mit einem Angebot zwischen Falafel und Grünkohl zur Diskussion. Vorbild für ihn: persönliche Erfahrungen aus Besuchen in Berlin-Friedrichshain, wo sich viel Leben auf der Straße abspiele.

Auch für seine Frau Rita Frerich stand das Thema Begegnung im Mittelpunkt ihrer Überlegungen. Sie schlug einen digitalen Seniorentreff vor. Längst sei die digitale Kommunikation auch bei den Senioren angekommen. Viele benötigten aber technische Unterstützung. Zugleich erklärte sie sich bereit, ein solches Projekt selbst administrativ zu unterstützen.

Böckling forderte die Lotter schließlich auf, weitere Projekte vorzuschlagen, Projektskizzen einzureichen und möglichst bereits im Vorfeld die Unterstützung von Vereinen und Verbänden zu suchen, um den eigenen Anliegen mehr Gewicht zu verleihen.

Eine individuelle Beratung vor Ort bietet Planinvent am Dienstag, 5. Juni, zwischen 17 und 19 Uhr im Rathaus an. Das dritte Ikek-Forum findet am Montag, 11. Juni, um 19 Uhr erneut im Golfclub Dütetal statt. Dann wird es darum gehen, Prioritäten zu setzen, Leitprojekte zu identifizieren und den Ikek-Prozess zu verstetigen.

Um Jugendliche zu erreichen und ihre Belange und Interessen in den Ikek-Prozess integrieren zu können, wird eine Ausbildungsmesse am 20. Juni genutzt, zu der rund 500 Jugendliche erwartet werden. Danach, so Böckling, dürften sich die Bürger in den Ferien erholen, während sich Planinvent mit der konzeptionellen Aufbereitung beschäftige.

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