Marcus Prinz über seine Arbeit als Chef der Freiwilligen Feuerwehr Lotte
Feuer und Flamme für die Wehr

Lotte -

Marcus Prinz, ehrenamtlicher Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Lotte und seit dem 1. Juli im Ordnungsamt als Sachbearbeiter für Feuerwehrangelegenheit tätig, gibt im Interview einen Einblick in seine Arbeit als Feuerwehrmann und erzählt, wie er überhaupt dazu kam.

Montag, 13.08.2018, 17:00 Uhr

Marcus Prinz, ehrenamtlicher Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Lotte und seit 1. Juli hauptamtlicher Sachbearbeiter für Feuerwehrangelegenheiten bei der Gemeindeverwaltung, nach einem Einsatz an der Halener Straße.
Marcus Prinz, ehrenamtlicher Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Lotte und seit 1. Juli hauptamtlicher Sachbearbeiter für Feuerwehrangelegenheiten bei der Gemeindeverwaltung, nach einem Einsatz an der Halener Straße. Foto: Erna Berg

Herr Prinz, wann haben Sie sich zum ersten Mal für die Feuerwehr interessiert ?

Marcus Prinz: Da war ich 14 Jahre alt. Der Hausmeister an meiner damaligen Schule war ein ehemaliger Berufsfeuerwehrmann in Lengerich. Er hat mich durch seine Erzählungen für die Feuerwehr begeistert.

Seit 29 Jahren sind Sie bei der Feuerwehr ?

Prinz: Ja, fünf Jahre in Lengerich, 15 in Eversburg und jetzt im neunten Jahr in Lotte.

Wann wurde daraus eine berufliche Herausforderung ? Wo ? In welcher Funktion ?

Prinz: Über die Rettungsdienstausbildung kam ich 1999 zur hauptberuflichen Feuerwehrschiene und absolvierte bei einer Berufsfeuerwehr meine Grundausbildung und arbeitete zuletzt 13 Jahre als Disponent in der Leitstelle für Feuerschutz und Rettungsdienst des Kreises Borken.

Was macht die freiwillige Feuerwehr so interessant, zum Beispiel für Kinder und Jugendliche ?

Prinz: Hier erlebt man Gemeinschaft, Kameradschaft und Zusammenhalt, es gibt immer wieder neue Herausforderungen und Situationen, die motivieren.

Ab wann können Kinder beitreten ?

Prinz: Ab zehn Jahre können Kinder zur Jugendfeuerwehr kommen.

Was muss ein Erwachsener machen, um bei der Feuerwehr aktiv mitzumachen ?

Prinz: Er muss bereit sein sich ehrenamtlich zu engagieren und Zeitaufwand für Lehrgänge in Kauf nehmen, damit er die Kameraden effektiv unterstützen kann. Technikverständnis und Kameradschaft sind wichtig.

Wie alt sind Ihre Kinder ? Würden Sie es gerne sehen, wenn sie auch zur Feuerwehr gehen ?

Prinz: Sie sind 14 und 16 Jahre. Ich denke, sie sollten nicht beeinflusst werden in diese Richtung und selber entscheiden, ob sie mitmachen möchten.

Im August 2016 gab es Streit in der Lotter Wehr. Acht Kameraden traten aus. Wie hat sich die Situation inzwischen entwickelt ? Hilft Ihnen Ihre neue Position im Rathaus, so eine Situation in Zukunft zu vermeiden ?

Prinz: Meine Position hilft den eingeschlagenen Weg zu unterstützen, aber jeder Kamerad, egal aus welchem Löschzug, muss an der Entwicklung eine Feuerwehr Lotte zu sein, mitarbeiten. Nur gemeinsam können wir die an uns gestellten Aufgaben erfolgreich meistern.

Werden die Wersener immer noch bei allen Einsätzen in Lotte und Osterberg mit alarmiert ?

Prinz: Die Situation ist schon seit einem Jahr aufgehoben. Bei bestimmten Alarmierungsstichwörtern werden im gesamten Gemeindegebiet beide Löschzüge alarmiert. Das hat zum Einen mit Hilfsfristen, die einzuhalten sind,zu tun, zum Anderen aber auch mit der Personalverfügbarkeit, gerade tagsüber.

Wie viele aktive Kameraden haben der Löschzug Wersen und der Löschzug Lotte zurzeit?

Prinz: Löschzug Lotte 37, Löschzug Wersen 45.

Wie viele Jugendliche hat die Feuerwehr Lotte insgesamt ?

Prinz: 26

Welche Fahrzeuge sind wo stationiert ?

Prinz: Am Standort Wersen ein Einsatzleitwagen (ELW), ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF), ein Löschgruppenfahrzeug (LF10), ein Tanklöschfahrzeug (TLF2000) und ein Mannschaftstransportfahrzeug (MTF). In Lotte stehen ein MZF (Mehrzweckfahrzeug), ein MTF, ein HLF, ein Mittleres Löschfahrzeug (MLF) ein TLF2000 sowie ein GW (Gerätewagen).

Wer führt die beiden Löschzüge?

Prinz: Florian Feist den Löschzug Wersen, Stellvertreter ist Thorsten Brinkmann. Den Löschzug Lotte führt Marc Czichowski mit Stellvertreter Thorsten Pieper.

Wie können Bürger vor Gefahren wie Unwetter, Hochwasser, Großbrand oder plötzlicher Evakuierung gewarnt werden ?

Prinz: Verschiedene Apps können kostenlos runtergeladen werden wie zum Beispiel „NINA“. Sie wird über die Leitstelle des Kreises Steinfurt für die Gemeinden bei Schadensereignissen spezifisch mit Warntexten etc. „gefüttert“. Bei Evakuierungen gibt es eine Erreichbarkeit der Gemeinde Lotte über die Servicenummern 0 54 04-889-0/-16/-17/-70.

Nicht jeder besitzt ein Handy. Wie werden diese Menschen erreicht ?

Prinz: Es gibt in jedem Ortsteil eine Sirene. In Halen seit vier Wochen auf der Sporthalle am Niederseester Weg. Mehr Eigeninitiative ist wünschenswert, zum Beispiel den Nachbarn Bescheid geben. Lautsprecherdurchsagen gehören je nach Situation auch dazu. Dafür müssen aber klare Informationen vorhanden sein, damit die Bürger auch reagieren können und wissen, was sie tun sollen.

Vor gut einem Jahr brannte es im Wersener Feuerwehrgerätehaus an der Bergstraße. Der Löschzug ist zurzeit provisorisch in einer Halle an der Benzstraße untergebracht. Lässt es sich von diesem Provisorium genauso effektiv arbeiten ?

Prinz: Im Grunde schon. Die Halle ist aber eben von der Funktionalität her kein Feuerwehrhaus. Im Falle einer Alarmierung muss man sich anders organisieren als sonst. Fakt ist, dass sich die Bürger in den Ortsteilen, wo der Löschzug Wersen im Ersteinsatz primär zuständig ist, keine Sorgen machen müssen.

Gab es viele Einsätze seit April, als Trockenheit und Hitze begannen ?

Prinz: Ja, vom 1. April bis 8. August waren es insgesamt 52 Einsätze, allerdings nicht alle aufgrund der Trockenheit.

Was schweißt die Feuerwehrkameraden besonders zusammen ?

Prinz: Kameradschaft, gemeinsame Einsätze erfolgreich meistern, zusammen etwas geleistet, geschafft zu haben.

Was war Ihr schlimmstes, beindruckendstes oder schönstes Erlebnis als Feuerwehrmann ?

Prinz: Ein Wohnungsbrand mit einer verbrannten Person im Rollstuhl sitzend. Das Erlebnis möchte ich meinen Kameraden ersparen. Schöne Erlebnisse gibt es viele: Wenn man als ehrenamtlicher Feuerwehrmann von Menschen an der Einsatzstelle auch mal ein Dankeschön bekommt zum Beispiel. Ist leider in der heutigen Zeit nicht mehr so oft zu hören. Das Thema „Gewalt an Einsatzstellen und gegen Einsatzkräfte“ ist aktuell, auch wir Ehrenamtlichen sind häufig betroffen.

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