Jubiläum
Lotter Kreuz wird 50 Jahre alt

Lotte -

Schwer vorstellbar ist es, dass es die A1 und das Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück nicht gibt. Am Montag, 14. November 1968, erfolgte die Freigabe. Über die Planungen und die Veränderungen in Lotte durch das Bauwerk referierte der Heimatforscher Wolfgang Johanniemann in der Mühle Bohle.

Dienstag, 02.10.2018, 17:58 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 02.10.2018, 17:56 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 02.10.2018, 17:58 Uhr
Volksfeststimmung herrschte am Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück bei der Eröffnung durch Bundesverkehrsminister Georg Leber am 14. November 1968.
Volksfeststimmung herrschte am Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück bei der Eröffnung durch Bundesverkehrsminister Georg Leber am 14. November 1968. Foto: Wolfgang Johanniemann

Erfreut über die unterwartet gute Resonanz begrüßte der Mühlenvereinsvorsitzende Werner Schwentker die heimatkundlich Interessierten. Der Wersener Johanniemann präsentierte einen Auszug aus dem Material zum Bau der Hansalinie (A1). Dafür hatte er zuvor etliche Stunden in Schriften geforscht und war in Archiven, auch dem Lotter Gemeindearchiv, fündig geworden.

„Es ist eine Mär, dass Hitler den Antrieb gegeben hat für die ,Straße des Führers‘, wie die A1 auch genannt wird“, rückte Johanniemann eine verbreitete Meinung zurecht. Die in 1926 gegründete „HAFRABA“, ein Verein zur Vorbereitung der Autostraße Hamburg-Frankfurt-Basel, begann die Planungen. „Inspiriert waren sie durch den Italiener Puricelli, der privat die Autobahn von Mailand bis in die Lombardei gebaut hatte“, erklärte der Referent.

Der seinerzeit nahezu revolutionäre Gedanke hatte seine Berechtigung, denn die meisten Straßen in den 1920ern waren lediglich tauglich für Pferdefuhrwerke. Der Autoverkehr indes wuchs stetig. „Dass es bereits zuvor Ideen für den Autobahnbau gegeben habe, verneinten Hitlers Mitarbeiter und nannten das Projekt Reichsautobahn“, sagte der Wersener.

Baustart war am 23. Spetember 1933 mit dem ersten Spatenstich für die Strecke Frankfurt-Darmstadt. Eine Überlegung war seinerzeit, eine direkte Anbindung des Ruhrgebiets zur Nordseeküste zu schaffen. „Im Frühjahr 1934 gab es für den Autobahnbau 22 Baustellen im gesamten Deutschen Reich“, hatte Johanniemann recherchiert.

„1935 waren nur 15 000 Arbeiter an 22 Baustellen tätig“, so Johanniemann. Zwei Jahre später seien es 137 000 Personen gewesen. „Überwiegend wurden jedoch große Maschinen eingesetzt“, flocht Klaus Wülfrath ein, dessen Vater vor mehr als 50 Jahren beim Brückenbau dabei war.

„Wie umfangreich und einschneidend sich der Bau von Fernstraße und Kreuz auswirkte, zeigt die Flurbereinigung zwischen 1963 und 1974“, begann Johanniemann ein beeindruckendes Zahlenwerk. Der Flächenbedarf für 14,6 Kilometer Kreisstraße betrug 5 Hektar, für 10,3 Kilometer Landstraße 10,5 Hektar, für 5,1 Kilometer Bundesstraßen 1,6 Hektar und für 10,7 Kilometer Bundesautobahn beachtliche 81,4 Hektar.

Für den Autobahn- und Autobahnkreuzbau wurden vier Eigenwohnheime mit einem landwirtschaftlichen Kleinbetrieb abgerissen, zwei Heuerhäuser, ein Gehöft teilweise, eine Gastwirtschaft. Außerdem wichen ein Geschäftshaus, ein Wohnhaus und zwei Scheunen. Fünf landwirtschaftliche Betriebe mit zusammen 110 Hektar Fläche wurden angekauft, drei Bauernhöfe mit zusammen 58 Hektar umgesetzt und die Fläche durch Zukauf auf 84 zusammenhängende Hektar vergrößert.

So wurde das Gehöft Wieligmann in Westerkappeln neu angesiedelt, das Gehöft Schulze-Farnhold in Wallenhorst. Komplett weichen musste beispielsweise in Büren der Hof Schortemeyer, durch den die Autobahntrasse hindurchführte. Eine breite Schneise zerschnitt den Wald des Bürener Buschs. In Osterberg teilte die A1 die reizvolle hügelige Landschaft.

Im Zuge des enormen Sandabbaus für das Bauprojekt entstanden der Attersee und der Rubbenbruchsee.

Dass das Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück überhaupt auf Lotter Terrain gebaut wurde, ist dem damaligen Amtsdirektor, Heinrich Termath, zu verdanken. Er legte bei den Planern einen Lageplan vor, in dem er auf das ausgewiesene Überschwemmungsgebiet des Goldbachs hinwies, auf dem ursprünglich das Kreuz errichtet werden sollte – und favorisierte den Vorschlag, das Bauwerk etwa 200 Meter weiter nördlich zu planen. Mit Erfolg. Weiterhin gab es damals den Beschluss, die E8 Richtung Amsterdam als Autobahn auszubauen, weshalb statt einfacher Auffahrten das Kreuz geplant wurde.

Schwerstarbeit leisteten die Bauunternehmer. Das Abbauen der harten Muschelkalkader und die Bodenbewegungen erforderten einen gewaltigen Geräteeinsatz. Die Arbeiten machten beeindruckende Fortschritte. Das belegten Fotos im Vergleich vom Frühjahr 1968 und vom 14. November, dem Tag er Eröffnung des Kreuzes.

Die Lotter Grundschüler hatten frei um, wie zahlreiche Ehrengäste auch, dabei zu sein. Mit Bussen waren Musikgruppen und Schaulustige angereist, um bei dem historischen Akt der Eröffnung anwesend zu sein. Es herrschte Volksfestcharakter, als Lottes Bürgermeister Jürgen Steinschulte zum Mikrofon schritt. Um 12.58 Uhr gab Bundesverkehrsminister Georg (Schorsch) Leber mit einem Funkspruch vom Streifenwagen Berta1 auf der Autobahn das Kreuz und die Hansalinie frei.

Da war dann auch der Streit um die Namensgebung beigelegt. Das Wort „Lotte“ sollte nach Vorstellung der Osnabrücker und ministerieller Mitarbeiter nicht erscheinen. Im Gespräch waren zeitweise „Osnabrück“, „Osnabrück-West“ und „Tecklenburger Kreuz“. Die Lotter Gemeindeväter bestanden auf dem „Lotte“ auf dem Hinweisschild. Die Beharrlichkeit der Westfalen setzte sich durch.

Das BAB-Kreuz heißt „Lotte/Osnabrück“, wird indes häufig mit „Lotter Kreuz“ abgekürzt.

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