200 Jahre Kirchenkreis
Keimzelle für evangelisches Leben

Westerkappeln/Lotte/Tecklenburger Land -

Das Reformationsjubiläum im vergangenen Jahr hat viel Arbeit gemacht und Kraft gekostet. Da wäre dem evangelischen Kirchenkreis Tecklenburg fast ein weiteres Jubiläum durch die Lappen gegangen: Er feiert in diesem Jahr sein 200-jähriges Bestehen.

Samstag, 13.10.2018, 13:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 13.10.2018, 12:55 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 13.10.2018, 13:00 Uhr
Am 28. August 1818 wird die Gründung der Diözese Tecklenburg von der Königlichen Regierung zu Minden verkündet. 200 Jahre später lautet der Name Evangelischer Kirchenkreis Tecklenburg,
Am 28. August 1818 wird die Gründung der Diözese Tecklenburg von der Königlichen Regierung zu Minden verkündet. 200 Jahre später lautet der Name Evangelischer Kirchenkreis Tecklenburg, Foto: Kirchenkreis Tecklenburg

500 Jahre Reformation, das habe viel Zeit und Kraft im vergangenen Jahr gekostet, stellt Superintendent André Ost fest. Und ist zugleich der Grund, warum der evangelische Kirchenkreis Tecklenburg fast ein weiteres Jubiläum verschwitzt hätte: sein 200-jähriges Bestehen. Ein Hinweis der Landeskirche hat dazu geführt, dass diese runde Zahl nicht unbeachtet bleibt.

Aus der Taufe gehoben wird der Kirchenkreis – damals Diözese genannt – durch eine Mitteilung im Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Minden am 28. August 1818. Damit wird amtlich, was am 9. Juli des Jahres das Königlich Preußische Konsistorium in Münster verfügt hat: die Neueinteilung der evangelischen Kirchen in Konsistorialbezirk Westfalen.

Tecklenburg wird eine von 16 Diözesen. Warum die Wahl auf die Burgstadt gefallen ist, wundert André Ost nicht. „Die Zuschnitte der Diözesen spiegelten damals die Verteilung der Christen in der Region wieder.“ Und da waren die Evangelischen gegenüber den Katholiken klar im Hintertreffen, was die Kopfzahl betrifft. Ausnahme Tecklenburg, weil Graf Konrad sehr früh zum lutherischen Bekenntnis gewechselt hat – samt aller Einwohner in seiner Grafschaft. Das hatte sich seit dem Schluss des Westfälischen Friedens nicht geändert.

Bemerkenswert ist die Aufzählung der 17 Gemeinden, die der Diözese Tecklenburg 1818 zugeordnet werden: Tecklenburg, Ledde, Leeden, Lengerich, Brochterbeck, Ibbenbüren, Lotte, Wersen, Cappeln, Mettingen, Recke, Schale, Lienen, Ladbergen, Steinfurt, Coesfeld und Gronau. Der Superintendent spricht spürbar zurückhaltend davon, dass der Kirchenkreis Tecklenburg „die Keimzelle für das evangelische Leben im Münsterland“ gewesen sei. Was die Entwicklung in den ersten fünf Jahrzehnten nach der Gründung verdeutlicht. 1836 kommt Warendorf hinzu, 1838 folgen Rheine und Münster, 1846 Ahaus und Vreden, 1847 Lüdinghausen, 1861 Emsdetten und Greven, 1863 Dülmen. Besonderheit in Münster: Dort war 1805 eine „Vereinigte Protestantische Gemeinde“ entstanden, die 1818 der Diözese Hamm zugeschlagen worden war.

Doch das ständige Wachstum lässt seit 1860 die Erkenntnis reifen, dass das ganze Gebilde zu groß und weiträumig ist. 1870 kommt es zur Abtrennung des neuen Kirchenkreises Münster. Die damals in Burgsteinfurt tagende Synode ließ dazu verlauten: „Wir entlassen unsere bisherigen Synodalgenossen mit mütterlichen Gefühlen und den heißen Wünschen, mit Tecklenburg auf lange Zeit in herzlicher Sympathie zu verbleiben.“ Trockener Kommentar des aktuellen Superintendenten während der Juli-Synode in Westerkappeln: „An der herzlichen Sympathie arbeiten wir bekanntlich noch heute.“

Das Wachstum des Kirchenkreises Tecklenburg stoppt die Ausgliederung Münsters nicht. Nach und nach kommen die Gemeinden Kattenvenne (1889), Hörstel (1901), Rheine-Eschendorf (1924), Neuenkirchen-Wettringen (1951), Hohne (1965) und Wersen-Büren (1978) hinzu. 1953 wird der Kirchenkreis Steinfurt gegründet, aus dem später Steinfurt-Coesfeld-Borken wird.

Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert und die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg brachten einen Zuzug evangelischer Christen ins Münsterland. „Mit der Folge entsprechender Gemeinde-Gründungen“, erläutert André Ost. Aus Anlass des 200-jährigen Bestehens des Kirchenkreises Tecklenburg wird mit Professor Jürgen Kampmann am 9. November ein Fachmann mit westfälischen Wurzeln die Entstehungsgeschichte beleuchten.

Kirchenkreis übernimmt Scharnierfunktion

Für Superintendent André Ost ist das Kreiskirchenamt „ein Verwaltungsdienstleistungszentrum für die Kirchengemeinden“. Kirche verstehe sich von der Gemeinde her und baue sich so auf, verweist er auf die westfälische Kirchenordnung. Gemeinde, Kirchenkreis, Landeskirche beschreibt er als ein Zusammenspiel mit verschiedenen Abhängigkeiten und wechselseitigen Bezogenheiten. „Keine Ebene kann ohne die andere sein.“ Dienstleistung, Beratung, Organisation, Aufsicht und Leitung seien verflochten und bedingen den Zusammenhang der kirchlichen Ebenen. Den Kirchenkreis sieht er in einer „Scharnierfunktion zwischen Gemeinden und Landeskirche“.In den ersten Jahrzehnten nach der Gründung sei der Kirchenkreis der lockere Zusammenschluss selbstständiger Gemeinden gewesen. Heute übernehme die kreiskirchliche Mittelebene eigenständige Aufgaben, ohne ein Eigenleben zu führen. „Sie handelt im Auftrag der Synode, der zum Großteil Vertreter der Kirchengemeinden angehören.“Das Prinzip des Kongregationalismus (oberste Priorität für die Autonomie der einzelnen Kirchengemeinden) gewährleiste beispielsweise die Durchlässigkeit für Ideen von den Gemeinden bis in die Landeskirche und umgekehrt.

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Eingeladen sind zu dieser um 19.30 Uhr in der Stadtkirche beginnenden Veranstaltung auch die Synodalen der Nachbarkirchenkreise Münster und Steinfurt-Coesfeld-Borken. In gewisser Weise, so der Superintendent im Gespräch mit den WN, schließe sich mit Blick auf die in der Umsetzung befindliche Kooperation der drei Kirchenkreise auf Verwaltungsebene, auf das gemeinsame Schulreferat oder anderen Themen wie Notfallseelsorge, Frauenarbeit oder gesellschaftlicher Verantwortung der Kreis. „Das ist keine Neuerfindung, sondern steht quasi in einer historischen Traditionslinie.“

Wichtig ist André Ost, dass an diesem Abend die historische Bedeutung des Datums – Reichspogromnacht 9. November 1938 – angemessen berücksichtigt wird.

Den musikalischen Rahmen in der Stadtkirche gestalten Kantor Christoph Henzelmann und Sabrina Blüthmann (Münster) mit Orgelliteratur für vier Hände und vier Füße. Vorgesehen sind Werke aus der Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts, unter anderem von Carl August Eduard Finitz, Christian Gottlob Höpner, Wilhelm Valentin Volckmar und Jeremia Nikolaus Wilhelm Kühne. Ein Programm, das das Duo bereits beim Westfälischen Orgeltag auf der Breidenfeld-Klais-Orgel in der Stadtkirche gespielt hat.

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